Stefano Monachetti, Trainer des BCF Wolfratshausen
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Stefano Monachetti, Trainer des BCF Wolfratshausen II und Initiator einer Nachbarschaftshilfe.

Wie geht‘s?

„Öfter mal an die denken, die es nicht so gut haben“: Stefano Monachetti im Interview

  • vonRudi Stallein
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In der Reihe „Wie geht’s?“ fragen wir bei Menschen nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Heute: Stefano Monachetti, Trainer des BCF Wolfratshausen II.

Wolfratshausen – Während des ersten Lockdowns gab es eine Fülle von Hilfsangeboten. Zu den ersten, die spontan einen Service einrichteten, um vor allem ältere Mitmenschen zu unterstützen, gehörten die Fußballer des BCF Wolfratshausen II. Dank der Lockerungen im Sommer ist der Einkaufsdienst ein wenig eingeschlafen. Doch die aktuelle Situation motiviert ihn dazu, das Angebot wiederzubeleben.

Herr Monachetti, wie geht’s Ihnen?

Monachetti: Mir persönlich geht’s sehr gut. Ich arbeite in einer Branche, in der es bisher weitgehend funktioniert. Deshalb bin ich noch entspannt. Aber ich weiß nicht, wie lange das so geht. Auf Dauer bekomme ich schon leichte Bauchschmerzen.

Was ist aus Ihrem Einkaufsservice, den sie Mitte März ins Leben gerufen haben, geworden?

Monachetti: Wir hatten binnen kurzer Zeit drei, vier Leute, für die wir regelmäßig eingekauft haben. Davon ist eine ältere Dame aus Wolfratshausen übrig geblieben, die sich immer noch bei uns meldet, wenn sie Hilfe benötigt. Sie wohnt in einem Mehrparteienhaus im zweiten Stock und ist körperlich stark eingeschränkt.

Anfangs hatten Sie vermutlich mit mehr Andrang gerechnet. Sind sie enttäuscht, dass das Angebot doch vergleichsweise wenig genutzt wurde?

Monachetti: Nein, gar nicht. Ich bin froh, wenn wir überhaupt jemandem helfen können. Dass es bei uns so wenige sind, liegt ja auch daran, dass es sehr viele ähnliche Hilfsangebote gab. Meine Devise ist generell: Öfter mal an die denken, die es nicht so gut haben. Ich würde mir wünschen, dass das so bleibt, ganz unabhängig von Corona. Dass die Leute etwas mehr nach links und rechts schauen. Es gibt genügend Menschen, die hilfsbedürftig sind – auf ganz unterschiedliche Art – und die für Hilfe auch sehr, sehr dankbar sind.

Was haben Sie persönlich von der Aktion mitgenommen?

Monachetti: Dass man wirklich mit Kleinigkeiten Großes tun kann. Und dass die Menschen stückweise näher zusammenrücken. Das ist etwas, dass ich mit so einer Aktion vor allem den jungen Leuten sagen will: Es ist alles nicht selbstverständlich. Ich glaube, dass einige gelernt haben, kleine Dinge wieder mehr zu schätzen.

Das klingt, als würden Sie den Service weiterführen wollen?

JMonachetti: Ja, natürlich. Wenn jemand Hilfe braucht, soll er sich trauen, anzurufen. Das ist nicht altersgebunden und muss auch nicht nur für den Lebensmitteleinkaufen sein. Wir besorgen auch Medikamente, nur als Beispiel. Ein Anruf schadet nicht. Und es muss niemand gesundheitliche Bedenken haben, uns zu kontaktieren. Wir tragen Mund-Nasen-Schutz und achten darauf, den gebotenen Abstand zu halten.

Info
Der Hilfeservice des BCF Wolfratshausen II ist unter der Mobilnummer von Stefano Monachetti, 01512/3007707 erreichbar. Über eine Whatsapp-Gruppe wird dann jemand aus dem Team auf den Weg geschickt.

In der Reihe
„Wie geht‘s“ fragen wir bei Menschen aus dem Landkreis nach, wie sie die ungewöhnlichen Corona-Zeiten erleben. Zum Beispiel Ines Lobenstein vom Helferkreis Wolfratshausen.

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