Ein Straßenbild
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Wolfratshauser Altstadt 2.0: Die Marktstraße/B11 soll auf 4,25 Meter Breite zurückgestutzt – die Gehwege links und rechts im Umkehrschluss laut der ersten Entwurfsplanung deutlich erweitert werden. Die Wolfratshauser Liste kündigt an, die Pläne zu bekämpfen

Wolfratshauser Liste erneuert kategorisches Nein zu Altstadt-Entwürfen

„Wir werden dagegen kämpfen“ - Liste Wor kündigt Widerstand gegen Altstadt-Aufwertung an

  • VonDominik Stallein
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Klare Kante: Die Wolfratshauser Liste bekämpft die Pläne zur Aufwertung der Altstadt. Auf einer Mitgliederversammlung kündigt ein Gast sogar juristische Schritte an.

Wolfratshausen – Der Großteil des Stadtrats ist überzeugt von den Plänen zur Aufwertung der Altstadt. Mit 19:3 Stimmen wurde der Vorentwurf goutiert. Die einzigen, die ihre Hand gegen das Projekt hoben, waren die Stadträte der Wolfratshauser Liste. Das Trio erneuerte bei einer Versammlung der Gruppierung sein kategorisches Nein zu den Plänen.

Höhengleiche Fahrbahn? Die Liste geht auf die Barrikaden

„Wir wollen den Marienbrunnen mit den Platanen und die Brockard-Leuchten beibehalten“, betonte Fraktionschef Helmut Forster. „Und wir wollen keine höhengleiche Fahrbahn.“ Diese Forderungen betont die Liste Wor schon seit Monaten immer wieder, und zumindest die höhengleiche Gestaltung der Altstadt ist inzwischen vom Tisch. Stattdessen soll der Bordstein im Einbahnstraßenbereich auf drei Zentimeter schrumpfen. Für die Mitglieder der Liste ein Unding – zum einen, weil sie sich um die Sicherheit von Fußgängern sorgen, zum anderen wegen des Regenwassers, das aus dem Bergwald in die Marktstraße läuft.

Wenn das so kommt prozessieren wir Hausbesitzer

Christian Steeb, Anwohner am Untermarkt

Christian Steeb, Anwohner am Untermarkt, hat große Sorgen. „Bei den letzten Starkregen ist der Gehsteig gerade so trocken geblieben“, der Bordstein habe als Damm gedient. Wenn dieser niedriger – und die Fahrbahn noch dazu enger – wird, „kann man sich ausrechnen, welche Wassermengen in die Häuser laufen.“ Steeb kündigte rechtliche Schritte an: „Wenn das so kommt, dann prozessieren wir Hausbesitzer.“

Heinz Wensauer, politisch umtriebiger Wolfratshauser und lautstarker Kritiker fast aller städtischen Pläne, hält den Umbau für aus der Zeit gefallen: „Das passt nicht zu den Bildern, die wir nach den Unwettern zuletzt gesehen haben.“ Die Stadträte, die für das Weiterführen der Pläne gestimmt haben, „werden das erst verstehen, wenn ihnen das Wasser bis zur Brust steht“, sagte Wensauer.

Hoffnung für Projektgegner: Lehren aus den Hochwasser-Katastrophen

Stadtrat Dr. Manfred Fleischer äußerte die Hoffnung, dass übergeordnete Stellen die höhenveränderte Marktstraße noch kippen könnten: „Die Fachbehörden werden ganz genau hinschauen, welchem Konzept sie da zustimmen.“ An den Behörden seien die jüngsten Überschwemmungen in der Eifel oder Berchtesgaden „nicht spurlos vorbeigegangen“.

Wegfallende Parkplätze sorgen für Kritik

Das Wegfallen der Parkplätze direkt an der Straße ist der Liste ebenfalls ein Dorn im Auge. „Was machen die alten Leute, die in der Stadt zum Arzt wollen“, fragte Sabine Steckermaier. Forster schob nach: „Und was machen auswärtige Gäste, die mit dem Auto anreisen?“ Der Ex-Bürgermeister betonte: „In der Altstadt kämpfen viele Händler täglich um ihre Existenz. Und 70 Prozent des Umsatzes macht der Handel mit Kunden, die mit dem Auto kommen.“ Er, der Wirtschaftsreferent des Stadtrats, habe mit „vielen Gewerbetreibenden“ über die Situation gesprochen. Sein Eindruck: „Die Händler wollen das nicht.“

„Die Händler wollen das nicht“: Helmut Forster Vorstand der Wolfratshauser Liste

Lisa Herold kann nicht verstehen, wieso „niemand mit den Menschen gesprochen hat“. Ihrer Auffassung nach sei es Aufgabe des Stadtrats, „die Händler und Eigentümer in der Marktstraße erst zu fragen, was ihnen eigentlich helfen würde, bevor man Geld für so eine Planung ausgibt“. Schließlich „hängen da Menschen mit ihrer Existenz dran“. Steeb sieht das genauso. „Es ist arrogant, nicht mit ihnen zu sprechen. Denen wird das übergestülpt.“

Wenn ein Jahr lang umgebaut wird, werden die Läden platt gemacht. Dann müssen wir erst wieder Geschäfte finden, die in unsere Innenstadt wollen

Richard Kugler, Stadtrat

Nach dem Szenario, das Richard Kugler zeichnete, wird ein Großteil der Händler im Markt die umgestaltete Altstadt ohnehin nicht erleben: „Wenn ein Jahr lang umgebaut wird, werden die Läden platt gemacht. Dann müssen wir erst wieder Geschäfte finden, die in unsere Innenstadt wollen.“

Lesen Sie auch: Unsere Zeitung hat nachgefragt: Was halten die Wolfratshauser von den Plänen?

Forster versprach den Projektgegnern: „Wir werden dagegen kämpfen.“ Damit hat die Liste Wor bereits begonnen: In der jüngsten Stadtratssitzung hatte Forster dem Bürgermeister eine Liste mit 393 Unterschriften von Projektgegnern übergeben.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Wolfratshauser Liste scharf gegen das Projekt schießt. Erst vor wenigen Tagen hatte Dr. Manfred Fleischer Teile des Plans als „Schnapsidee einiger weniger“ tituliert. dst

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