Alle Mühe umsonst: Noch vor dem zweiten Lockdown im November vergangenen Jahres hatte Café-Betreiber Daniele Sangermano aus Geretsried im Freien ein Zelt aufgebaut.
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Alle Mühe umsonst: Noch vor dem zweiten Lockdown im November vergangenen Jahres hatte Café-Betreiber Daniele Sangermano aus Geretsried im Freien ein Zelt aufgebaut.

Zuschüsse verspäten sich

Wirte müssen warten und durchhalten

  • vonPeter Borchers
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Die Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands hatte es befürchtet: Bis die staatlichen Zuschüsse bei den Gastronomen ankommen, dauert es. Tatsächlich haben viele noch nicht einmal die November-Hilfen auf dem Konto. Aufgeben aber kommt für die meisten nicht in Frage.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Daniele Sangermano ist einer, der sich von der Pandemie nicht in die Knie zwingen lassen will – auch nicht vom zweiten Lockdown, der die Gastronome zur Schließung gezwungen hat. „Wir schaffen das“, sagt der Italiener, der mit seiner Frau die Cafe´-Bar „Da Daniele“ in Geretsried führt. Er lasse sich nicht runterziehen, zahle Pacht-, Strom- und Personalkosten eben aus seiner eigenen Tasche. „Ich habe mir hier nicht umsonst über Jahre etwas aufgebaut. Das Lokal ist mein Leben.“ Etwas enttäuscht ist der 42-Jährige über die zäh fließende staatliche Hilfe. Anzahlungen habe er für November und Dezember zwar erhalten, räumt er ein, „das Kurzarbeitergeld seit zwei Monaten aber leider nicht. Das müssen wir vorstrecken – und hoffen, dass wir es irgendwann zurückkriegen.“

„Der Grieche“ in Farchet ist in guten Zeiten so gefragt, dass Gäste reservieren sollten, möchten sie ihres Tisches sicher sein. Chef und Vollblutwirt Iraklis Sakellariou fällt auf die Frage nach seinem Befinden deshalb nur ein Wort ein: „schlecht“. Sechs Leute hat er in Kurzarbeit geschickt, das Geld dafür auch bereits bekommen. „Aber auf die Hilfe vom Staat warte ich seit November.“ Was den Griechen etwas verwundert: „Im ersten Lockdown kam das Geld recht schnell.“ Von den am Tag 20 bis 30 Bestellungen zum Abholen können Sakellariou und seine Familie nicht leben. „Derzeit müssen wir an unsere Rücklagen gehen – und durchhalten.“

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Ob das wirklich alle Betriebe können, stellt Monika Poschenrieder in Frage. „Bei manchen wird es richtig eng“, sagt die Kreisvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands. Sie schätzt, dass bislang nur etwa 25 Prozent der November-Hilfen ausbezahlt worden sind. Ab nächster Woche sollen die restlichen Gelder fließen. Die Wirtin des Forellenhofs „Walgerfranz“ in Bad Tölz selbst hat bislang nur eine Abschlagszahlung erhalten und wartet auf den Rest. Seit einigen Tagen können die Gastronomen über ihren Steuerberater nun auch die Dezember-Hilfen beantragen. Lustig sei die Situation für keinen der geschätzt rund 600 gastronomischen Betriebe im Landkreis, sagt Poschenrieder. „Wenn wir weiterhin Unterstützung bekommen, werden aber die meisten durchkommen.“

Die Mühlen mahlen vielleicht langsamer, weil während des ersten Lockdowns ja teilweise auch betrogen wurde.

Gabi Gerer vom gleichnamigen Gasthaus in Ammerland

Gabi Gerer vom gleichnamigen Münsinger Gasthaus bestätigt beim Anruf unserer Zeitung den just erfolgten Eingang der staatlichen Hilfe für den November. „Die für den Dezember muss ich erst noch beantragen.“ Warum die Unterstützung bei einigen Kollegen verzögert ankommt, darüber kann sie nur spekulieren: „Die Mühlen mahlen vielleicht langsamer, weil während des ersten Lockdowns ja teilweise auch betrogen wurde.“ Der Staat werde jetzt sicher strenger darauf achten, dass alles rechtens ist. Sie selbst sei „in der glücklichen Lage“, einen kleineren Betrieb zu führen, der „auf mehreren Beinen steht“. Gerer vermietet Zimmer fest an Studenten, bietet nach individueller Absprache mit der Kundschaft ein To-go-Geschäft an. „Und mein Mann geht nebenbei noch arbeiten. Das alles rettet uns.“ Sie bleibt zuversichtlich: „Irgendwie werden wir durch diesen ganzen Schmarrn schon durchkommen. Ich bin mir aber sicher, dass es für uns alle danach anders sein wird. Das Vorher wird es nicht mehr geben.“

si/peb

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