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Wo wohnen Asylbewerber: Ein landkreisweiter Überblick

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Von: Jannis Gogolin

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Wohn-Container in der ehemaligen Lagerhalle der Firma Filigran
Versteckt sind die Wohn-Container in der ehemaligen Lagerhalle der Firma Filigran. Seit Mai 2016 finden dort maximal 150 Flüchtlinge nach ihrer Ankunft im Landkreis ein Dach über dem Kopf. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Wohn-Container, Turnhallen, Altbestand - auf der Suche nach Flüchtlingsunterkünften war das Landratsamt und die Bezirksregierung kreativ.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Immer mehr Flüchtlinge kommen im Landkreis an – laut Josef Niedermaier 50 neue Asylsuchende pro Woche. Ähnlichkeiten zu den Flüchtlingswellen von 2015 und den Folgejahren seien schwer zu leugnen, so der Landrat kürzlich in einer Bürgerversammlung. Im Kreisausschuss sagte er: „Die Situation ist schlimmer als 2015.“ Die Herausforderungen sind die gleichen. Eine große Schwierigkeit ist die Unterbringung. Diese Aufgabe teilen sich seit sieben Jahren der Landkreis und die Regierung von Oberbayern.

Flüchtlingsunterkünfte in Bad Tölz-Wolfratshausen: Zwei von fünf sind noch übrig

Zwischen 2014 und 2016 errichtete das Landratsamt dezentral – also verteilt auf das Kreisgebiet – fünf große Unterkünfte mit insgesamt 780 Plätzen, so Pressesprecherin Sabine Schmid. Zwei davon bestehen noch heute.

Aufgelöst wegen Rechtsstreit, neuer Nutzung oder gekündigtem Mietvertrag

In den – inzwischen aufgelösten und verkauften – Mobilheimen fanden in Reichersbeuern von Anfang des Jahres 2016 bis Mitte 2019 bis zu 240 Menschen gleichzeitig ein vorläufiges Dach über dem Kopf. 150 Plätze bot ab Beginn des Jahres 2015 der Jodquellenhof in Bad Tölz. Der Standort wurde im Mai 2017 „wegen eines Rechtsstreits des Eigentümers mit der Stadt Bad Tölz“ aufgelöst. Die Unterkunft am Geretsrieder Robert-Schumann-Weg mit 76 Plätzen schloss Ende 2018 und wird laut Schmid mittlerweile „als Erweiterung der Förderschule“ genutzt. In der ehemaligen Bad Heilbrunner Leonardis-Klinik kündigte die Gemeinde den Mietvertrag zum April 2019 und gab knapp 90 Betten auf. Das Gebäude sei inzwischen abgerissen worden, der Eigentümer nutze das Gelände für eigene Zwecke.

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Turnhalle im Wolfratshauser Stadtteil Farchet immer noch gesperrt

Noch heute finden 150 Asylbewerber Platz unter dem Dach der Geretsrieder Filigranhalle. Seit Mitte 2016 steht sie für diesen Zweck zur Verfügung. Schon 2014 entstand eine Container-Anlage in Lenggries mit 75 Plätzen. Seither ist sie „laufend in Betrieb“, berichtet Schmid. Ergänzt werden diese großen Unterkünfte von vorübergehenden Lösungen, beispielsweise Turnhallen. So nutzt der Landkreis die Mehrzweckhalle im Wolfratshauser Stadtteil Farchet. „Diese ist aber nicht zur dauerhaften Nutzung vorgesehen, sondern resultiert noch aus der Bewältigung der Unterbringung von ukrainischen Kriegsflüchtlingen“, betont die Pressesprecherin des Landratsamts. In Geretsried und Bad Tölz belegten Asylbewerber ebenfalls jeweils eine Turnhalle. Beide sind mittlerweile geräumt und bieten wieder Fläche für den Vereinssport. Die Sperrung der Halle in Farchet wurde mehrfach kritisiert (wir berichteten).

Regierung von Oberbayern betreibt fünf Unterkünfte im Landkreis

Fünf Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis betreibt die Regierung von Oberbayern seit den Jahren 2016 und 2017, berichtet deren Pressesprecher Wolfgang Rupp. Diese dienen „der Anschlussunterbringung von Asylsuchenden“, nachdem Flüchtlinge in AnkER-Zentren (Erklärung siehe unten) des Regierungsbezirks Oberbayern in Manching bei Ingolstadt die Erstaufnahme durchlaufen haben. Jeweils zwei Gemeinschaftsunterkünfte der Regierung befinden sich in Bad Tölz (Asylheime auf der Flinthöhe und am Tölzer Schulzentrum, Peter-Freisl-Straße) und in Wolfratshausen (altes Pfarrheim und ehemaliges Vermessungsamt) sowie eine in Geretsried (Schulzentrum, Adalbert-Stifter-/Jahnstraße). Letztere wird seit Januar 2022 „als Übergangswohnheim insbesondere für afghanische Ortskräfte verwendet“, erklärt Rupp.

Quarantäne-Unterkunft in Wackersberg: Corona immer noch Thema

Corona sei in den Gemeinschaftsunterkünften ebenso Thema wie außerhalb. Deswegen übernahm die Regierung im Jahr 2020 in Wackersberg eine Einrichtung vom Landkreis und funktionierte diese zur „Quarantäne-Unterkunft“ um. Dort können sich laut Sprecher Rupp corona-positive Flüchtlinge „zur Isolierung oder Quarantäne befristet räumlich getrennt“ auskurieren, ohne weitere Personen anzustecken.

Die Hälfte aller Flüchtlinge in privaten Wohnungen untergebracht

Nicht zu vergessen sind die Flüchtlinge, die in keiner dieser Unterkünfte leben. Laut Landrat Niedermaier leben „im Landkreis rund die Hälfte aller Asylsuchenden – 500 Personen an der Zahl – in privaten Wohnungen.“

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Info: Die Regierung von Oberbayern unterscheidet bei ihren Einrichtungen in drei Kategorien:

AnkER-Einrichtungen (Ankunfts-, Entscheidungs- und Rückkehr-Einrichtungen): Dort werden Asylsuchende direkt nach ihrer Ankunft untergebracht“ und anschließend auf die Landkreise verteilt. Einzelpersonen für maximal 18 Monate, Familien für höchstens sechs Monate.

Gemeinschaftsunterkünfte: Sie werden von der Regierung von Oberbayern und den Landratsämtern betrieben. Hier landen Asylsuchende, die das Aufnahme-Prozedere in AnkER-Einrichtungen und nötige Behördengänge abgeschlossen haben.

Übergangswohnheime: Diese dienen „vor allem der Aufnahme sogenannter Kontingentflüchtlingen“ – beispielsweise afghanische Ortskräfte. Bedingung: Die betreffenden Personen verfügen – im Gegensatz zu Asylsuchenden – „bereits bei ihrer Einreise nach Deutschland über ein Aufenthaltsrecht“.

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