+
Gut besucht war das 21. Immobilienforum von Schneider & Prell, links im Bild Firmenchef Peter Schneider. 

21. Immobilienforum

Wohnen im Landkreis: Wer kann sich das noch leisten ?

Die Wohneigentumsquote sinkt. Damit befasste sich das 21. Immobilienforum von Schneider & Prell.

Wolfratshausen– Der Erwerb einer Immobilie gilt als beste Art der Zukunftssicherung. Doch laut einer aktuellen Studie, die der Focus in diesen Tagen vorstellte, gehen 56 Prozent der Deutschen davon aus, sich niemals ein Eigenheim leisten zu können. Betrachtet man die massiv gestiegenen – und weiter steigenden – Bodenrichtwerte im Landkreis, lässt sich das unschwer nachvollziehen. Mit der sinkenden Wohneigentumsquote befasste sich das 21. Immobilienforum der Firma Schneider & Prell am Donnerstagabend im Foyer der Loisachhalle.

Laut Firmenchef Peter Schneider, gleichzeitig Mitglied im Immobilienverband Deutschland, liegt die Quote für Wohneigentum in Bayern bei 50 Prozent, im Landkreis bei 47 Prozent. Zum Vergleich: In Italien leben rund 70 und in Spanien rund 80 Prozent der Menschen in den eigenen vier Wänden.

Angebot an Immobilien erhöhen

Für Dr. Manfred Gößl, Vize-Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern, wäre die Lösung des Problems, das Angebot an Immobilien zu erhöhen. Denn der Landkreis erwarte einen Zuzug von 1000 Neubürgern pro Jahr, das wären 137 000 Personen im Jahr 2035. Ihre Beliebtheit verdanke die Region der Nähe zu München und der gesunden Wirtschaft mit zahlreichen mittelständischen Unternehmen. Diesen Unternehmen fehlten allerdings im Moment 1000 Fachkräfte, die wiederum im Landkreis wohnen wollten.

Im vergangenen Jahr seien 500 Wohnungen neu gebaut worden. Bis 2020 sieht Gößl einen Bedarf von 2500 Wohnungen pro Jahr. Der IHK-Vertreter fordert von der Politik, deren Schaffung durch Vereinfachungen bei Planung und Bau zu ermöglichen. Außerdem schlägt er Steuererleichterungen für Grundbesitzer wie etwa Landwirte vor, wenn sie Flächen verkaufen.

Zu viele bürokratische Hürden beim Bauen

Der CSU-Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber geht mit Gößl d’accord. Es gebe viel zu viele bürokratische Hürden beim Bauen. „Es ist absurd, wenn ein Haus im Außenbereich nicht aufgestockt werden darf, obwohl das niemanden stören würde“, nannte er als Beispiel. Er sprach sich für mehr Nachverdichtung, weniger strikte Ausgleichsflächenregelungen und steuerliche Anreize für Landwirte aus. Denn: „Wohneigentum sichert auch den sozialen Frieden, indem man Altersarmut vorbeugt.“

Hier hakte Moderator Carl-Christian Eick, Redaktionsleiter des Isar-Loisachboten/Geretsrieder Merkur, bei Christian Spindler nach. Ob denn wirklich jede Generation finanziell in der Lage sei, Wohneigentum zu erlangen, fragte er den Sparkassen-Vorstand. Spindler antwortete, viele 25- bis 40-Jährige, die Kredite während ihres Arbeitslebens noch abbezahlen könnten, schreckten vor den hohen Preisen zurück. Sie wollten sich örtlich und finanziell oft nicht binden. Ein über 40-Jähriger komme dagegen beim Kredittilgen schon ins Rentenalter mit deutlich weniger Einkommen, was es zu bedenken gelte. Der Banker würde die Förderung junger Familien, etwa durch die Wiedereinführung des Baukindergelds, begrüßen. Denn: „Mehr Wohneigentum entlastet auch den angespannten Mietmarkt.“

Anreize schaffen

Gößl entgegnete darauf, er würde nicht noch zusätzliche Anreize wie das Baukindergeld schaffen, so lange die Nachfrage nach Immobilien nicht zu befriedigen sei. Um mehr Flächen zu gewinnen, sind Gößls Ansicht nach neue Denkansätze notwendig. Warum zum Beispiel nicht bestehende Parkplätze überständern statt neue zu errichten? Ein Zuhörer schlug vor, Äcker, auf denen – aus seiner Sicht ökologisch unsinnig – Mais produziert werde, in Bauland umzuwandeln.

Peter Schneider übte vorsichtig Kritik an den Kommunalparlamenten. Sie würden das Bauen mit ihrem Wunsch, alles so zu erhalten, wie es ist, oft erschweren. Tanja Lühr

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geretsriederin besucht ein peruanisches Männergefängnis
Um jungen Menschen ihre Arbeit näher zu bringen, bietet die deutsche Kolpingjugend internationale Begegnungsreisen an. Jennifer Becker aus Geretsried begleitete einen …
Geretsriederin besucht ein peruanisches Männergefängnis
Der erste Umweltjournalist der Republik feiert 90. Geburtstag
Der bekannte Publizist Christian Schütze feiert diesen Samstag seinen 90. Geburtstag. Auf Initiative seines Sohnes Justus werden etwa 100 Gäste aus ganz Europa kommen.
Der erste Umweltjournalist der Republik feiert 90. Geburtstag
XXXLutz zeigt Flagge in Wolfratshausen
Wer durch die Pfaffenrieder Straße und den Hans-Urmiller-Ring fährt, dem fallen sie ins Auge: Mehrere neue Fahnen flattern auf dem Gelände des ehemaligen …
XXXLutz zeigt Flagge in Wolfratshausen
„Mit 40 Punkten ist man sicher drin“
Die Bayernliga-Saison geht in die vorentscheidende Phase. Im Gespräch mit der Sportredaktion äußert sich ESC-Coach Ludwig Andrä zu den Chancen der River Rats auf Platz …
„Mit 40 Punkten ist man sicher drin“

Kommentare