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Wohnmobile liegen voll im Trend

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Von: Clara Wildenrath

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Begeisterter Wohnmobilist: Der Wolfratshausen Reiner Freundorfer (63). © privat

Mit dem Wohnmobil zu reisen wird immer beliebter. Der neue Boom macht sich auch im Landkreis bemerkbar.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Urlaub mit dem Wohnmobil – das steht für viele Menschen für Freiheit, Flexibilität und ein bisschen Abenteuer. „Für mich war es ein Lebenstraum, einmal mit dem Wohnmobil durch ganz Skandinavien zu fahren“, sagt Reiner Freundorfer aus Wolfratshausen. Vor fünf Jahren haben er und seine Frau sich ein eigenes Campingfahrzeug gekauft; gerade stehen sie kurz vor ihrer dritten Mammuttour nach Norwegen und Schweden. Dazwischen standen zahlreiche kürzere und längere Fahrten durch Deutschland und Kroatien.

Was er an dieser Form des Urlaubs besonders schätzt? „Die Möglichkeit, spontan loszufahren, wenn uns danach ist. Auch mal nur übers Wochenende. Unser Womo ist innerhalb von einer Stunde mit allem bepackt, was wir für einen Kurzurlaub brauchen. Und wenn es uns irgendwo nicht gefällt oder das Wetter nicht passt, fahren wir einfach weiter.“

Mehr als 40.000 Wohnmobile allein 2017 zugelassen

Mit seiner Begeisterung liegt der 63-Jährige voll im Trend. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 40 000 Wohnmobile in Deutschland neu zugelassen – zum siebten Mal in Folge ein neuer Rekord. Knapp eine halbe Million Fahrzeuge waren nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts Anfang 2018 gemeldet, 1481 davon im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Dieser Boom macht sich auch auf den Campingplätzen bemerkbar: „Manchmal kommen Familien, die schon fünf oder zehn Stellplätze abgeklappert haben – alle voll. Wir versuchen dann, sie noch irgendwo auf dem Hof unterzubringen, auch wenn eigentlich alles besetzt ist“, erzählt Josef Demmel vom Campingplatz Demmelhof am Stallauer Weiher bei Bad Tölz. Er würde deshalb gerne neben dem Campingplatz einen eigenen Bereich für Wohnmobil einrichten mit zusätzlichen zwölf bis 16 Plätzen und einem Kassenautomaten: „Wir diskutieren gerade mit dem Landratsamt, ob und wie wir die genehmigt bekommen.“

Stellplätze für Wohnmobile sind heiß begehrt

Einen ähnlichen Stellplatz für bis zu 30 Wohnmobile betreibt die Stadt Bad Tölz seit einigen Jahren an der Isarpromenade. „Der ist von Mai bis Oktober sehr gut besucht, bei schönem Wetter in der Regel an der Auslastungsgrenze“, berichtet Brita Hohenreiter vom Referat für Stadtmarketing, Tourismus- und Wirtschaftsförderung. Etwas kleinere Stellplätze, auf denen an warmen Sommerabenden bis zu 20 Wohnmobile dicht an dicht parken, gibt es in Benediktbeuern und Lenggries-Fall. Ein ganz neuer Campingplatz mit 24 Parzellen und modernen Sanitäreinrichtungen wird Anfang September auf dem ehemaligen Grundstück der Lenggrieser Tennishalle eröffnet. Martina Heinrich, eine der sechs Beteiligten des Familienprojekts, rechnet aufgrund der hohen Wachstumsraten in der Wohnmobil-Branche auch hier mit einer guten Auslastung: „Wir haben jetzt schon acht feste Buchungen, zum Teil für Gruppen mit bis zu 30 Leuten.“

Wohnmobil-Boom, weil Rentner immer mehr Geld haben?

Auch Wohnmobil-Verleiher wie Jan Richter aus Bad Tölz freuen sich über die starke Nachfrage: „Wer bei uns zu Ferienzeiten ein Fahrzeug mieten will, muss in der Regel acht Monate vorher buchen.“

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„Camper kann man nicht in eine Schublade stecken. Jeder hat eine andere Vorstellung vom idealen Urlaub.“ Diese Erfahrung hat Anton Egold gemacht. Ihm gehört seit 47 Jahren der größte Campingplatz im Landkreis mit 400 Parzellen am Bibisee in der Gemeinde Königsdorf: „Der eine kommt mit der Luxus-Straßenyacht für 500 000 Euro, der andere mit einem winzigen Zelt.“ Gemeinsam sei ihnen aber der Wunsch nach mehr Individualität und Freiheit: „Urlaub im Hotel ist immer gleich, das langweilt nach ein paar Tagen“, sagt der begeisterte Camper. Einen Grund für den Wohnmobil-Boom der letzten Jahre sieht er darin, dass „die Rentner heute einfach mehr Geld haben“.

Mit dem Wohnmobil nach Skandinavien - ein Reise-Traum

Jan Richter vom Wohnmobil-Verleih Isarwinkel glaubt, dass bei jüngeren Leuten der zunehmende Druck im Berufsleben den Wunsch nach mehr Ungezwungenheit und Selbstbestimmung im Urlaub weckt. Dazu kommt seiner Meinung nach, dass viele ehemals beliebte Reiseländer wie die Türkei oder Ägypten heute als nicht mehr sicher gelten. 

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Reiner Freundorfer liebt vor allem das Gefühl der Ungebundenheit und Autarkie, das ihm sein 3,4-Tonner mit Komfortmatratzen verspricht. Skandinavien sei dafür das ideale Reiseland, ist seine Überzeugung. Am kommenden Donnerstag geht es los.

cw

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