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Wohnraumnot in Wolfratshausen: So will die Baugenossenschaft reagieren

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Von: Carl-Christian Eick

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Häuser auf einer Wiese.
Eine Wohnanlage mit 45 Wohnungen: So sah das Acht-Millionen-Euro-Projekt im Ortsteil Waldram aus, das die Baugenossenschaft (BG) Wolfratshausen vor fünf Jahren verwirklichen wollte. BG-Vorstandsmitglied Britta Wurm schließt nicht aus, dass das Vorhaben noch einmal auf den Tisch kommt. © Archiv

Angesichts der Wohnungsnot in Wolfratshausen reagiert nun die Baugenossenschaft: Sie überlegt, ein altes Projekt wiederzubeleben.

Wolfratshausen – Gut 650 Mitglieder zählt die Baugenossenschaft (BG) Wolfratshausen – und die wurden bislang jährlich live und in Farbe von Vorstand und Aufsichtsrat über das Geschäftsergebnis informiert. Das machte die Corona-Pandemie heuer unmöglich, stattdessen bekamen die Genossen einen Brief. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen“, sagt BG-Vorstandsmitglied Britta Wurm. Die Jahresbilanz 2019 ist nach ihren Worten positiv ausgefallen – ein latentes Problem allerdings bleibt der BG.

Vorstand möchte heuer keine Dividende ausschütten

„Wir konnten unser Ergebnis trotz erhöhter Aufwendungen in verschiedenen Bereichen nochmals etwas verbessern“, berichtet Wurm. Der Bilanzgewinn beträgt knapp 205 000 Euro, die Dividende kann jedoch noch nicht ausgezahlt werden. Diese Entscheidung muss in einer Mitgliederversammlung fallen. Alternativ wäre es möglich, den Überschuss auf die hohe Kante zu legen. Wurm und ihre Vorstandskollegen Josef Wehbe und Winfried Borcherdt sowie Aufsichtsratschef Christian von Stülpnagel setzen darauf, dass 2021 eine Mitgliederversammlung stattfinden kann.

Aber: Vorstand und Aufsichtsrat plädieren dafür, keine Dividende auszuzahlen und stattdessen „diesen Betrag zur finanziellen Stärkung der Genossenschaft in die Ergebnisrücklagen einzustellen“. Nicht zuletzt mit Blick auf weiterhin unsichere Zeiten, denn es sei nicht abzuschätzen, wie sich die Pandemie finanziell auf die BG auswirke, erklärt Wurm. „Wir möchten nach wie vor gewährleisten, dass wir bezahlbaren Wohnraum für unsere Mitglieder schaffen und unseren Wohnungsbestand permanent instandhalten können.“

Stichwort Wohnungsbestand: Zwischen Angebot und Nachfrage klafft laut Wurm immer noch eine riesige Lücke. Die Genossenschaft sei weiterhin auf der Suche nach Grundstücken, auf denen – von den Mietern bezahlbare – Wohnungen errichtet werden können. Derzeit stecke mittel- und langfristig kein neues Projekt in der Pipeline, so das Vorstandsmitglied im Gespräch mit unserer Zeitung. Wurm schließt nicht aus, dass die BG ein altes Vorhaben wiederbelebt: den Bau einer Wohnanlage in der Nähe des Waldramer Friedhofs. Diese Idee war vor fünf Jahren in der Öffentlichkeit sehr kontrovers diskutiert worden. Ein Kritikpunkt: 45 zusätzliche Wohnungen in Waldram würden zu einer weiteren Verschärfung der Verkehrssituation im ohnehin schon hoch belasteten Stadtteil führen. Der Vorstoß verlief schließlich im Sand, nicht zuletzt, weil der 5000 Quadratmeter große Grund zwischen Remiger- und Rothbachstraße, auf dem die BG zwei Häuser errichten wollte, der Kommune gehört. Der Stadtrat war mehrheitlich nicht willens, das Grundstück zu diesem Zweck zu veräußern.

Wir brauchen günstige Grundstücke, um auch künftig bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können.“

Britta Wurm, Vorstandsmitglied der Baugenossenschaft Wolfratshausen

Inzwischen ist viel Wasser die Loisach hinabgeflossen. Mit Blick auf die Verkehrsbelastung weist Wurm auf das jüngste Neubauprojekt der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (StäWo) auf der sogenannten Coop-Wiese in Waldram hin. 52 Wohnungen sind wie berichtet von der StäWo, einer 100-prozentigen Tochtergesellschaft der Kommune, an der Schlesierstraße gebaut worden. Wurms Schlussfolgerung: Was dem einen erlaubt sei, dürfe dem anderen nicht kategorisch untersagt werden.

Noch, das betont Wurm ausdrücklich, sei die Wiederbelebung des Projekts in Waldram ein reines Gedankenspiel. Aber Wohnungsnot sei kein abstrakter Begriff, sondern in der Loisachstadt seit langer Zeit bittere Realität, unter der Polizisten, Lehrer, Krankenschwestern und Erzieherinnen leiden würden. Die Aufgabe für die Baugenossenschaft sei klar definiert: „Wir brauchen günstige Grundstücke, um auch künftig bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können.“ (cce)

Lesen Sie auch: Klimanotstand in Wolfratshausen - Stadtrat schreibt Brandbrief an Bürgermeister.

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