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Ausdruck der angespannten Situation: Auf großes Interesse stieß das 22. Immobilienforum am Donnerstagabend im Foyer der Loisachhalle. 

22. Immobilienforum

Wohnungsnot: Wolfratshausen und Geretsried  ächzen unter dem  Siedlungsdruck

Eine Erkenntnis des Immobilienforums: Die Miet- und Kaufpreise in Wolfratshausen und Geretsried nähern sich an

Wolfratshausen/Geretsried – „Akute Wohnungsnot ist inzwischen nicht mehr nur ein abstrakter Begriff, sondern Realität“, sagt Peter Schneider. Sein Immobilienbüro Schneider und Prell hatte am Donnerstagabend zum 22. Immobilienforum ins Foyer der Loisachhalle eingeladen. Die Sitzplätze reichten nicht aus, so groß war das Interesse.

Die Miet- und Kaufpreise im Landkreis sind in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Das liegt zum einen daran, dass die Attraktivität des Münchner Südens ungebrochen hoch ist. Da die Landeshauptstadt für viele Menschen zu teuer ist, flüchten sie aufs Land. Neben guten Arbeitsmarktbedingungen – es herrscht nahezu Vollbeschäftigung – besticht die Region durch einen hohen Freizeitwert. Die günstigen Zinsen erleichtern insgesamt die Entscheidung zum Immobilienkauf. Auf der anderen Seite ist das Angebot an Miet- und Kaufobjekten nach wie vor sehr begrenzt.

Vor allem bezahlbarer Wohnraum ist im Landkreis gefragt. Mit dem Bau von 750  teils sozial geförderten Wohnungen auf dem ehemaligen Lorenz-Areal an der Banater Straße will die Stadt Geretsried einen Beitrag zur Linderung der Situation leisten. Wolfratshausen plant auf dem Kraft-Areal Einzelhandel und Wohnungen – viel mehr Entwicklungsmöglichkeiten hat die Loisachstadt nicht. „Wir stehen vor einer echten Herausforderung“, sagte Peter Schneider. Wie die Städte dem Siedlungsdruck – eventuell auch gemeinsam – begegnen wollen, beantworteten Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller und Wolfratshausens Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller in einer Podiumsdiskussion.

Immobilien-Fachmann Helmut Lischewski gab zuvor einen Überblick über die aktuellen Miet- und Kaufpreise in der Region. Dabei zeigte sich, dass Geretsried aufholt und nur noch knapp hinter Wolfratshausen und Bad Tölz liegt. Die Hoffnung auf die S7-Verlängerung bis zum Jahr 2028 spielt dabei eine Rolle.

Für einen Neubau zahlt man in Wolfratshausen und Bad Tölz aktuell einen Kaufpreis von rund 6000 Euro pro Quadratmeter, in Geretsried sind es rund 5500 Euro. Eine Doppelhaushälfte kostet im Landkreis im Schnitt 790 000 Euro. Die Miete für eine Neubauwohnung beträgt in der Loisachstadt bis zu 13 Euro pro Quadratmeter, in Geretsried und Bad Tölz ist sie günstiger. Dass sowohl Kaufen als auch Mieten teurer geworden ist (um je rund 3,2 Prozent seit 1993), liegt laut den Immobilienexperten daran, dass in den vergangenen drei Jahren zu wenig gebaut wurde – eine Aussage, die gerade mit Blick auf die rege Bautätigkeit in Geretsried so manchen im Publikum verwunderte.

Die Bürgermeister erklärten unisono, sie wollten mehr Wohnraum schaffen. Eine Möglichkeit dafür bietet für Fritz Schnaller die „Zukunftsfläche Geltinger Feld“. Die Wiesen zwischen Waldram und Gelting im Eigentum von Landwirten könnten beide Städte in den kommenden fünf bis zehn Jahren im Zusammenhang mit der S-Bahn-Verlängerung „gemeinsam entwickeln“, regte er an. Geretsrieds Bürgermeister Müller äußerte sich zurückhaltender. Er möchte den Dorfcharakter Geltings schützen. Für sein Statement „Landwirtschaftliche Flächen und Wald sind wertvolle Ressourcen“ erhielt er Applaus vom Publikum.

tal

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