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Die Kosten für seine Einkäufe ließ er vom Konto eines ehemaligen Freundes abbuchen.

22 Monate auf Bewährung

Wolfrathauser shoppt mit fremder Karte

Wolfratshausen  - Unter anderem wegen Betrugs und Urkundenfälschung musste sich nun ein 22-jähriger Wolfratshauser vor dem Amtsgericht verantworten.

Richter Helmut Berger war sichtlich überrascht, als er mit einer dicken Anklageschrift unter dem Arm den Gerichtssaal betrat. Sein verdutzter Blick sagte: „Damit hatte ich jetzt nicht unbedingt gerechnet.“ Aber der Angeklagte war entgegen Bergers Befürchtung zur Verhandlung erschienen. „Man muss sich ja stellen“, sagte der 22 Jahre alte Wolfratshauser und verblüffte damit den Vorsitzenden ein weiteres Mal. Angesichts der langen Liste an Straftaten, die ihm zur Last gelegt werden, hätte es nicht verwundert, wenn er abgetaucht wäre. Aber der junge Mann hat sich offenbar entschlossen, sein phasenweise schwieriges Leben in den Griff zu bekommen. Die Staatsanwältin benötigte eine Viertelstunde, um alle 40 Anklagepunkte aufzuzählen. „Sie hat 15 Minuten vorgelesen, das kommt hier selten vor“, sagte Berger zum Angeklagten, um zu verdeutlichen, dass dieser durchaus ein besonderer Fall war.

Die Verlesung der Anklagepunkte dauerte 15 Minuten

Angefangen hat es Mitte September 2014, als der Wolfratshauser im Internet mehrere T-Shirts und Sweatshirts bestellte. Als Zahlungsart wählte er den Bankeinzug, dafür verwendete er die Kontodaten eines ehemaligen Freundes, der davon jedoch nichts wusste. Es folgten ein Dutzend Fernbus-Tickets für Fahrten von München nach Berlin und zurück. Die Kosten dafür ließ er ebenfalls vom Konto des Freundes abbuchen. Mit dessen EC-Karte ging er zu dem bei seinen Besuchen in der Hauptstadt, wo seine Freundin lebte, einkaufen. Er gönnte sich Schokolade, Getränke, Hosen, Hemden, Eau de Toilette, eine Action-Kamera und diverse Lebensmittel. Des weiteren bestellte er bei einem Online-Versandhandel Jeans, Schuhe und Pullover, wobei er einen falschen Namen und eine falsche Rechnungsanschrift angab. Der Gesamtschaden beläuft sich auf knapp 2700 Euro.

Er gönnte Artikel im Wert von knapp 2700 Euro

„So weit stimmt das alles“, räumte der Angeklagte ein. Anfangs habe er nur seinem ehemaligen Freund eins auswischen wollen. „Er hatte sich Geld geliehen und nicht zurückgezahlt. Als ich seine EC-Karte rumliegen sah, habe ich gedacht: Hole ich es mir eben so wieder.“ Hinzugekommen seien eine finanzielle Schieflage („ich war in der Zeit in Not“) und psychische Probleme. „Mir ging’s schlecht, aber die Käufe taten auch nur kurze Zeit gut“, sagte der 22-Jährige, der die Betrügereien Mitte Januar 2015 einstellte, weil seine Freundin dem einen Riegel vorschob. Einen weiteren Anstoß, sein Leben zu ändern, gab eine Woche Jugendarrest, die er voriges Jahr absitzen musste. „Das war die reinste Tortur“, erinnert sich der Wolfratshauser, der im Herbst eine Ausbildung beginnt.

Wegen Betrugs und Urkundenfälschung sowie Computerbetrug in Tateinheit mit Fälschung beweiserheblicher Daten verurteilte Richter Berger den Angeklagten zu „maßvollen“ 22 Monaten Gefängnis, die er „wegen des positiven Auftretens“ zur Bewährung aussetzte. „Es wird auf keinen Fall nochmal vorkommen. Ich will beweisen, dass ich den Arsch hochkriegen kann“, versicherte der junge Mann.

Rudi Stallein


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