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Kranke, Alte und Schwache: Sie standen in der Coronakrise plötzlich im Mittelpunkt. Wird das so bleiben? 

Gott und die Welt

Wie wird die neue Realität nach Corona?

In unserer heutigen Folge von „Gott und die Welt“ macht sich Eva Buchner Gedanken über die neue Realität - und ob die Schwachen weiter Beachtung finden. 

Eva Buchner, Katholische Dekanats-Altenheim- Seelsorgerin.

Ein Leben, das wieder mehr Wert auf Anstandsformen und umsichtiges Verhalten legt; das Rücksicht vor den Schwächeren und Achtung vor denen einfordert, die unseren Alltag am Laufen halten – das scheint der Begriff „Neue Realität“ zu umfassen.

In dieser Realität werden plötzlich Menschen wahrgenommen, die sonst für ein Gros der Gesellschaft unsichtbar zu sein scheinen. Zum einen sind es Menschen in Dienstleistungsberufen, die immer schon Schwerstarbeit für die Gesellschaft leisteten, viele auch mit Migrationsgeschichte, und zum Anderen sind es die alten und kranken Menschen, die in einer jungen, dynamischen Gesellschaft gerne übersehen werden.

Fallen wir zurück in unsere hektische Welt?

Ich frage mich, ob diese neue Sichtweise anhaltend sein wird. Wird die Angst vor dem todbringenden Covid-19 und die Verlangsamung des Alltags infolge der Beschränkung von Einkäufer- und Besucherzahlen in den verschiedensten Lebensbereichen unsere hektische Welt nachhaltig verändern? Das Fahrradfahren erfährt einen neuen Boom, weil die Menschen Angst haben, sich in Bus und U-Bahn anzustecken. Dieser Umstieg auf ein umweltfreundliches Gefährt könnte ein Segen für unsere Umwelt sein. Aber auch hier fordert die neu entdeckte Fortbewegungsart gegenseitige Rücksichtnahme.

Das Wohl der Schwächsten ist der Maßstab

Bei all dem beeinflusst die Angst vor dem tödlichen Virus unser Verhalten. Reicht diese Angst aber aus, um Menschen zu verändern? Schauen wir jetzt einmal zurück auf die Gesellschaft, von der uns das Neue Testament berichtet. In einer Welt, in der es Herrschende und Sklaven gab, deren Leben für austauschbar gehalten wurde; eine Welt geprägt durch die Macht der Mächtigen: Hier entwickelte sich in einem Umfeld von verschiedenen religiösen Strömungen die Sehnsucht nach einer tragfähigen Ausrichtung für das Leben. Eine kleine Menschengruppe erlebt durch die Botschaft Jesu von Nazareth plötzlich eine Wende. Durch einen für die römische Gesellschaft Unbekannten entsteht eine neue Realität. Durch seine Botschaft von der Liebe zu Gott und den Menschen weitet sich der Blick seiner Anhänger vom egoistischen Kreisen um sich selbst zur Achtung vor dem Du.

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Jesu’ unvoreingenommener Umgang mit den Menschen, egal ob Kind oder Erwachsener, arm oder reich, krank oder gesund, schafft diese neue Realität. Deshalb kann Paulus auch diesen revolutionären Gedanken schreiben: Es soll unter euch keinen Unterschied zwischen Sklaven und Freien, Männern und Frauen geben, alle sind eins in Christus.

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So glaube ich, dass es eine wirklich neue Realität in unserer Welt erst geben wird, wenn wir auch das Wohlergehen der Schwächsten im Blick behalten. Es ist traurig, dass uns, auch uns Christen, so ein Virus wieder aufrütteln muss und uns den Spiegel vorhält. Wir können nicht ernsthaft glauben, dass das Leid von Menschen, Tieren und der Umwelt nicht auf uns zurückfällt. Es liegt an uns, ob wir nur von einer neuen Realität träumen – oder sie verkünden und auch leben.

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