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Lachen ist gesund: Bürgermeister Klaus Heilinglechner gratuliert Heinz Kunze zum 105. Geburtstag. 

Senior ist noch extrem rüstig

105 Jahre alt - doch Heinz Kunze blickt nach vorne

Der älteste Wolfratshauser stammt aus Berlin. Jetzt ist Heinz Kunze 105 Jahre alt geworden. Der Empfang des Bürgermeisters verlief launig wie eh und je. 

Wolfratshausen– Mit einer Sache in seinem Leben ist Heinz Kunze besonders zufrieden: Mit dem Umzug nach Wolfratshausen vor knapp 50 Jahren. „Hier ist es schöner als in Berlin“, sagt der älteste Mann Wolfratshausens und strahlt. Zu seinem 105. Geburtstag hat der der gebürtige Berliner trotzdem Grüße aus der Bundeshauptstadt bekommen. Stolz präsentiert Kunze eine persönliche Karte von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gratulierte.

An die offiziellen Glückwünsche, die Kunze seit ein paar Jahren bekommt, hat er sich längst gewöhnt. „Ich war ja auch lang genug Steuerzahler“, witzelte er mit dem ersten Bürgermeister von Wolfratshausen. Klaus Heilinglechner besuchte den 105-Jährigen persönlich zum Geburtstag.

Über seinen Gast freute sich der ehemalige Elektromechanikermeister sichtlich. Sobald Heilinglechner Platz genommen hatte, sprudelte es aus dem Senior nur so heraus. Kunze erzählte von seinem Leben in Berlin, wo er Radios und Messgeräte baute, bis ihm der Zweite Weltkrieg dazwischen kam. „Ich habe viele Bomben gesehen, bin von einem Luftschutzbunker zum nächsten gehastet und habe Frauen aus brennenden Häusern gerettet“, erzählte der 105-Jährige. Als der Krieg vorbei war, habe er weggemusst. „Die Erinnerungen hafteten zu stark.“

Im Oberland hat sich Kunze ein neues Leben aufgebaut. Er lernte seine Frau kennen und wurde Vater von zwei Kindern. In Bad Tölz eröffnete Kunze ein Geschäft, wo er Fernseher und Radios reparierte. „Manchmal lag es nur an einem kleinen Transistorbeinchen“, erinnerte sich Kunze.

Seine Affinität zur Technik hat er auch im hohen Alter behalten. Heute fertigt er beeindruckende Modellschiffe aus Holz, die er anschließend fotografiert. Die Bilder bearbeitet er am Computer. Das nötige Wissen hat der 105-Jährige aus seinen Büchern: In seinem Regal steht das Buch „5 mal 20 Jahre leben“ gleich neben einem Handbuch für Festplatten und PC-Grundlagen.

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Trotz seines hohen Alters blickt Kunze stets nach vorne. Zwar hat er im Alter von 100 Jahren sein Auto weggegeben, allerdings nur gegen das Versprechen einer Bekannten, ihn zweimal pro Woche zum Einkaufen zu begleiten. Ansonsten lebt der älteste Wolfratshauser selbstständig in seiner Wohnung – inklusive saugen und kochen. Auch gesundheitlich geht es Kunze verhältnismäßig gut. Nur wegen einer Operation am Auge vor einiger Zeit müssen die Vorhänge geschlossen bleiben. „Das blendet mich sonst“, erklärte er seinen Gästen.

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Mit Blick auf den Boden fällt Kunze noch etwas ein. „Die Teppiche hab’ ick auch selbst jemacht“, berlinert er fröhlich. Rathauschef Heilinglechner, der den Rentner schon von einigen Geburtstagsbesuchen kennt, wirkt erstaunt. Der älteste Wolfratshauser hat immer wieder eine neue Überraschung auf Lager.

Wie er so alt geworden ist? Kunze verrät das Geheimnis: „Nehmen Sie so wenig wie möglich Alkohol und Nikotin zu sich.“ Heilinglechner überlegte, ob ein wenig Spaß im Leben nicht doch erlaubt sein müsse. Wer den 105-Jährigen in seiner Wohnung besucht, stellt aber schnell fest: Heinz Kunze braucht keine Genussmittel, um glücklich zu sein. Er zehrt von seinen vielfältigen Hobbys und schier unerschöpflichen Erinnerungen. Jonas Napiletzki

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