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Der 30-Millionen-Euro-Wurf: Wolfratshausen will in Hammerschmied-Schule investieren

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Von: Carl-Christian Eick

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Mammut-Projekt: Der Stadtrat hat am Dienstagabend weitere Weichen für die Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg gestellt.

Die geplante Generalsanierung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg wird meist nicht öffentlich diskutiert. Jetzt wurde bekannt: Die Kommune will rund 30 Millionen Euro investieren.

Wolfratshausen – Die geplante Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg wird vorrangig hinter verschlossenen Türen diskutiert. In der jüngsten Stadtratssitzung drang an die Öffentlichkeit: Die Kommune will rund 30 Millionen Euro investieren. Da das Projekt als „großer Wurf für Wolfratshausen“ apostrophiert werde, legte Dr. Manfred Fleischer (CSU) in der Sitzung noch einmal nach: Er plädierte dafür, die Sporthalle am Hammerschmiedweg „auf den Prüfstand zu stellen.“ Das heißt, das Münchner Architekturbüro „karlundp“ soll prüfen, ob und wie eine Erweiterung beziehungsweise Aufstockung der 1977 gebauten Dreifachhalle möglich ist.

Zur Planung gehört ein neues Lehrschwimmbad

Mit den Sanierungs- und Ausbauplänen befasst ist die Arbeitsgruppe Schulentwicklung, der jeweils ein Vertreter jeder Stadtratsfraktion angehört. Nicht zu vergessen Schulleiter Frank Schwesig und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Im April hatte Diplom-Ingenieur Ludwig Karl vom Büro „karlundp“ dem Stadtrat eine Machbarkeitsstudie präsentiert (wir berichteten). Nun war es an der Zeit, weitere Entscheidungen zu treffen, um mit den Planungen fortfahren zu können. Der Stadtrat beschloss (in Einzelabstimmungen) am Dienstag folgende Module:

– Generalsanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule mit insgesamt 36 Klassenräumen, das Modul umfasst den Umbau und die Sanierung der Bestandsgebäude sowie den Neubau zusätzlicher Räume; geschätzte Gesamtkosten: 23 070 000 Euro.

– Bei der Planung zu berücksichtigen sind zusätzliche von der Schule gewünschte Werkräume sowie eine zweite Schulküche; geschätzte Kosten: 975 000 Euro.

– In die Vorentwurfsplanung eingearbeitet werden Flächen „zur modernen Unterrichtsgestaltung“; voraussichtliche Kosten: 1 565 000 Euro.

– Berücksichtigt werden müssen Räume für die Mittagsbetreuung der Grundschulkinder; geschätzte Kosten: 1 090 000 Euro.

– Zur Gesamtplanung gehört ein eingruppiger Schulkindergarten zum Preis von 525 000 Euro.

– Geplant wird der Bau eines Lehrschwimmbads am Hammerschmiedweg; geschätzte Kosten: 2 170 000 Euro. Der Neubau würde das marode Schwimmbad in Weidach ersetzen, dessen Instandsetzung ebenfalls rund 2,2 Millionen Euro kosten würde.

– Bestandteil der Gesamtplanung ist außerdem eine Hausmeisterwohnung; geschätzte Kosten: 280 000 Euro.

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Laut Machbarkeitsstudie gibt es die Option, vier zusätzliche Klassenräume zu schaffen, der Stadtrat nahm davon am Dienstag Abstand. Nicht angesichts von zusätzlichen Kosten in Höhe von mindestens drei Millionen Euro, sondern mit Blick auf die Sporthalle. Schulleiter Schwesig, das berichtete Verwaltungsdirektor Franz Gehring, habe darauf hingewiesen, dass der Sportunterricht für 36 Klassen organisiert werden könne, nicht aber für 40. Nichtsdestotrotz votierte der Stadtrat einstimmig dafür, dass das Büro „karlundp“ eine mögliche Erweiterung der Dreifachturnhalle untersucht. Auch aufgrund der Tatsache, dass Wolfratshauser Sportvereine zunehmend über nicht ausreichende Hallenkapazitäten klagen. Der Prüfungsauftrag ist allerdings nicht Bestandteil der Vorentwurfsplanung. Bauamtsmitarbeiter Thomas Wenig rechnet damit, dass der Gesamtentwurf Mitte 2019 vorliegt.

Bei dem Großprojekt sei „perspektivisch Luft nach oben eingeplant“, sagte SPD-Fraktionssprecher Fritz Meixner, der dem Arbeitskreis Schulentwicklung angehört. Schulamt und Schulleitung hätten bestätigt, dass die Stadt mit einer fünfzügigen Grundschule am Hammerschmiedweg „auf der sicheren Seite ist“. Die prognostizierten Schülerzahlen für die nächsten Jahre würden das bestätigen.

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Die geschätzten Kosten seien „zum Zeitpunkt jetzt“ zu betrachten, antwortete Ingenieur Karl auf Nachfrage von Fleischer. Er wisse nicht, wie sich die Baukosten entwickeln. Der Fraktionschef der Bürgervereinigung, Josef Praller, rechnet damit, dass die Sanierung und Erweiterung der Grund- und Mittelschule „nicht in fünf Jahren abgeschlossen ist“. Die Baukostensteigerungen der vergangenen Jahre zu Grunde legend, kam Praller zu dem Ergebnis, dass das Vorhaben bis zu acht Millionen Euro teurer wird als derzeit geschätzt. Karl ließ sich nicht aus der Reserve locken: Er gehe von einer Fertigstellung 2024 aus, aber es wäre Kaffeesatzleserei „hier und heute einen möglichen Preis zu nennen“.

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Für ein zusätzliches Schulgebäude haben die Planer den Lehrerparkplatz an der Sauerlacher Straße ins Auge gefasst. An der Stelle könnte in ein paar Jahren ein Lehrschwimmbad stehen.

Annette Heinloth (Grüne) begrüßte es, dass sich der Stadtrat für ein großes Raumprogramm stark mache. Der Unterricht werde sich wandeln. Klassen, in denen derzeit noch Kinder ohne Deutschkenntnisse neben Hochbegabten sitzen würden, „müssen differenziert“, sprich aufgeteilt werden. Meixner wies in diesem Zusammenhang auf die steigende Zahl von Schülern hin, „die besondere Zuwendung brauchen“. Er geht zudem davon aus, dass das Bayerische Kultusministerium zeitnah auf ein Problem reagieren wird: „Wir dürfen die Mittelschule nicht ausbluten lassen.“ Ansonsten sei die Konsequenz die weitere Verschärfung des Handwerkermangels. Für die in seinen Augen notwendige Stärkung der Mittelschule „braucht es Räume“, betonte Meixner.

Neuer Standort für den Lehrerparkplatz ins Auge gefasst

Ähnlich sah es CSU-Stadtrat und Studienrat Peter Plößl. Man müsse nicht „visionär“ planen, aber verantwortungsvoll. Dazu zähle die Schaffung von ausreichenden Lehrerparkplätzen in unmittelbarer Nähe der Bildungseinrichtung. Auch Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) plädierte für eine weitsichtige Entscheidung: „Wir wollen ja etwas für die nächsten 20, 30, 40 Jahre schaffen.“

Erklärtes Ziel von Karl und seinem Team ist es, Grund- und Mittelschule „zu entflechten“, das heißt, eine klare bauliche Trennung der beiden Schulen herbeizuführen. Für die Erweiterung hat der Ingenieur unter anderem den Lehrerparkplatz an der Sauerlacher Straße ins Auge gefasst. Als Alternative komme der Parkplatz hinter der Sparkasse infrage, der zu diesem Zweck aufgestockt werden könnte. Das Grundstück gehört der Stadt.

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Für das Mammutvorhaben rechnet die Kommune mit staatlichen Fördermitteln. Wie groß die Finanzspritze sein wird, ist laut Bauamtsmitarbeiter Wenig nicht zu sagen. Die Höhe des Zuschusses hänge von vielen Faktoren ab – dazu zähle die Steuerkraft der Flößerstadt im Vergleich mit allen anderen Kommunen im Freistaat. cce

Zusätzlich beauftragte das Gremium das Büro „karlundp“, die Aufstockung/Erweiterung der 1977 gebauten Sporthalle zu prüfen.

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Zusätzlich beauftragte das Gremium das Büro „karlundp“, die Aufstockung/Erweiterung der 1977 gebauten Sporthalle zu prüfen.

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