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Die Köpfe hinter dem „Lutherweg“ in Wolfratshausen: (v. li.) Pfarrer Florian Gruber, Renate Henkel-Morell und Heike Braukmann vom Kirchenvorstand sowie die Grafikdesignerin Barbara Kneisl, ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand von St. Michael.  

Evangelische Kirchengemeinde St. Michael

Acht Info-Tafeln statt 95 Thesen

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Dass Martin Luther seine 95 Thesen im Jahr 1517 an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelte, ist laut Pfarrer Florian Gruber historisch umstritten. Belastbare Fakten zum 1546 verstorbenen Reformator sind dagegen auf den acht großformatigen, farbigen Tafeln nachzulesen, die am Zaun der evangelischen Kirche an der Bahnhofstraße hängen.

Wolfratshausen– Der 500. Jahrestag der Reformation am 31. Oktober dieses Jahres war für den Kirchenvorstand der St.-Michael-Gemeinde der Auslöser für die Aktion „Lutherweg“. Im April gründete sich um die Pfarrer Florian Gruber und Christian Moosauer eine Arbeitsgruppe, der die Kirchenvorstandsmitglieder Renate Henkel-Morell, Heike Braukmann und Barbara Kneisl angehören. Mit einer Plakatreihe soll den Betrachtern vor Augen geführt werden, welche weitreichenden Folgen das Tun des Theologieprofessors Luther hatte: „Wie alles begann“, „Der Aufbruch“, „Der Prozess“, „Die Bibel“, „Die Kirche“, „Neue Medien“, „Die Ehe“ sowie „Musik und Symbol“ lauten die großen Überschriften.

Die theologischen Texte stammen aus Grubers Feder, der ein Luther-Experte ist. „Ich habe nach meinem Studium vier Jahre an der Uni am Themenbereich Reformationsgeschichte gearbeitet“, verrät der Wolfratshauser Geistliche bei einem Ortstermin am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung. Henkel-Morell und Braukmann steuerten weitere Texte bei, halfen bei der Bildauswahl – und die Wolfratshauser Grafikerin Kneisl goss das Ganze in eine ansprechende äußere Form. Alle acht Plakate verbindet ein Zeitstrahl von Luthers Geburt 1483 in Eisleben bis zu seinem Todestag am 18. Februar 1546. „Das Layout ist an den Gemeindebrief angelehnt“, sagt Kneisl.

Dass die acht wetterfesten Tafeln nicht im evangelischen Gemeindehaus, sondern im öffentlichen Raum hängen, hat einen Grund: „Wir wollen bewusst eine Möglichkeit schaffen, dass sich auch die überwiegend katholische Bevölkerung Wolfratshausens über die wesentlichsten Inhalte des Reformationsjubiläums informieren kann“, erklärt Gruber. Und: „Wir möchten auch zeigen, wie Luther unser Leben verändert hat“, ergänzt Kirchenvorstandsmitglied Braukmann. Ein Beispiel: Kannte die katholische Kirche fast nur Gregorianischen Choralgesang, gab Luther den Gläubigen, die auf den Kirchenbänken saßen, eine Stimme. Er textete und komponierte Kirchenmusik, darunter „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und „Eine feste Burg ist unser Gott“.

Bis zum Reformationsfest – der 31. Oktober ist heuer einmalig ein bundesweiter Feiertag – sind die Tafeln noch an der Bahnhofstraße zu sehen. An diesem Tag wird in der St.-Michael-Kirche gemeinsam mit der katholischen Stadtpfarrkirche ein Reformationsgottesdienst gefeiert – anschließend ein Reformationsfest im Pfarrsaal der St.-Andreas-Gemeinde am Marienplatz.

55 Euro hat jedes Plakat gekostet – „plus Mehrwertsteuer“, berichtet Pfarrer Gruber mit einem Lächeln. „Das ist für uns bezahlbar, und das ist es uns auch wert“, betont er. Die ersten Rückmeldungen, die ihn unter anderem nach Gottesdiensten erreicht haben, „sind sehr, sehr positiv“, stellt Gruber fest.

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