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Adventsmarkt im Corona-Desaster geplant: Jetzt meldet sich das Landratsamt zu Wort - mit bitteren Nachrichten

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Von: Carl-Christian Eick

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Einkaufen am verkaufsoffenen Sonntag
Zu einem verkaufsoffenen Sonntag und Adventsmarkt luden die Stadt Wolfratshausen und der Werbekreis Einkaufsstadt Wolfratshausen am 1. Advent ein. Nun ist beides abgesagt. © Hans Lippert/Archiv

Die Entscheidung von Stadt und Werbekreis stieß auf viel Kritik: Nun muss der verkaufsoffene Sonntag in Wolfratshausen am 1. Advent abgesagt werden.

Wolfratshausen – In der Flößerstadt wird’s am 28. November weder einen Adventsmarkt noch einen verkaufsoffenen Sonntag geben. Das stellte am Mittwoch Marlis Peischer, Pressesprecherin des Landratsamts, auf Nachfrage unserer Zeitung klar. Peischer verwies auf die aktuelle bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Demnach sind derzeit im Freistaat keine Märkte erlaubt. „Zugleich ist ein Markt aber die Rechtsgrundlage dafür, dass ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden kann“, so die Behördensprecherin. Das heißt: Darf der Adventsmarkt nicht stattfinden, gibt’s keine Rechtsgrundlage dafür, dass die Einzelhändler am Sonntag ihre Geschäfte öffnen dürfen.

Landratsamt musste im konkreten Fall gar nicht entscheiden

„Wir haben in diesem Fall also gar nichts entschieden“, betonte Peischer. Die Schutzmaßnahmenverordnung sei eindeutig formuliert. Wie berichtet hatten die Stadt und der Werbekreis Einkaufsstadt Wolfratshausen gemeinsam beschlossen, am 1. Advent einen kleinen Markt und einen verkaufsoffenen Sonntag durchzuführen. Trotz strenger Regeln, dazu zählte ein Alkoholverbot, war die Entscheidung angesichts der extrem hohen Inzidenz im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen von vielen Bürgern kritisiert worden.

„Müssen leider absagen“

Vom Marktmeister der Stadt Wolfratshausen, David Wehner, erreichte unsere Zeitung am Mittwoch gegen Abend folgende Pressemitteilung: „Den Adventsmarkt an kommenden Sonntag müssen wir leider absagen. Die Stadt Wolfratshausen und der Werbekreis haben alles versucht, damit der Markt stattfinden kann. Obwohl nur wenige Stände ohne Straßensperrung und ohne Alkohol vorgesehen waren, wurde uns die Durchführung vom Landratsamt in Bad Tölz untersagt. Somit fällt der Adventsmarkt und damit auch der verkaufsoffene Sonntag am 28. November aus.“

Der Bericht vom 23. November: Die Corona*-Inzidenz in Bayern steigt unaufhörlich, in vielen Krankenhäusern herrscht angesichts voller Intensivstationen Alarmstufe Rot. Die Staatsregierung hat wie berichtet alle Christkindlmärkte untersagt, in den Wirtshäusern gehen ab Mittwoch um 22 Uhr die Lichter aus, Bars und Diskotheken müssen bis mindestens 15. Dezember zusperren. Trotzdem halten die Stadt Wolfratshausen und der Werbekreis an einem verkaufsoffenen Sonntag fest, eingerahmt von einem kleinen Adventsmarkt. Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen beträgt die Inzidenz derzeit 725.

Es sei „eine schöne Alternative für unseren beliebten Christkindlmarkt“ gefunden worden, wirbt der Werbekreis für die Aktion am 28. November, dem kommenden 1. Advent. Die Geschäfte sind von 12 bis 17 Uhr geöffnet, auf dem Marienplatz und an der alten Floßlände bieten einige Händler von 8 bis 18 Uhr weihnachtliche Produkte an.

Es wird ein Märktlein. 

Hans-Joachim Kunstmann, Vorsitzender des Werbekreis Einkaufsstadt Wolfratshausen

„Es wird ein Märktlein“, betont der Vorsitzende des Werbekreis Einkaufsstadt Wolfratshausen, Hans-Joachim Kunstmann, im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein verkaufsoffener Sonntag muss zwingend mit einem öffentlichen Marktreiben verbunden sein, andernfalls genehmigt ihn das Landratsamt nicht. „Diese Formalie erfüllen wir“, doch mit dem traditionellen Christkindlmarkt in der Altstadt habe das Vorhaben nichts gemein. Im Fokus stehe der stationäre Handel, der seit Ausbruch der Corona-Pandemie „schwer gebeutelt wird“. Die berühmt-berüchtigten „Fress- und Saufstände“ werde es am Sonntag nicht geben. Das verkürze mutmaßlich die Verweildauer der Besucher und beuge großen Menschenansammlungen vor. Kunstmann legt Wert auf die Feststellung, dass Stadt und Werbekreis bei der Planung „kompromisslos alles gestrichen haben, was die Pandemie fördern könnte“. Dazu gehört: Der Ausschank von Alkohol ist verboten. Kunstmann appelliert an die an die Besucher, an ihre FFP2-Masken zu denken, sich vorab zu testen und die Abstandsregel zu beachten.

Adventsmarkt in Wolfratshausen findet statt: Nicht alle Werbekreis-Mitglieder tragen Entscheidung mit

Sechsmal sei das Einkaufen in der Woche erlaubt, Kunstmann sieht keinen Grund, „warum es beim siebten Mal verboten sein sollte“. Das Ziel sei es, zu Beginn der Adventszeit „die Kaufkraft an unsere schöne Stadt zu binden“. Statt in „Schockstarre“ zu verfallen, würden Kommune und Werbekreis „intelligent und verantwortlich“ auf die derzeitige Lage reagieren. „Sie können mir glauben: Wir haben uns sehr intensiv Gedanken gemacht“, sagt Kunstmann.

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Der Werbekreis-Vorsitzende verhehlt nicht, dass es in den Reihen der Mitgliedsbetriebe Skeptiker gibt. In deren Augen ist ein verkaufsoffener Sonntag unter den aktuellen Vorzeichen ein falsches Signal. „Wir gehen das Ganze mit großer Eigenverantwortung an, sodass es niemandem schaden wird, sondern nur dem stationären Handel hilft“, entgegnet Kunstmann. „Wir sind uns der Verantwortung wohl bewusst.“ Er steht auf dem Standpunkt: „Nur wenn alle Leute den Verstand verlieren, dann wird etwas passieren.“ Kunstmann wagt die Prognose, dass die Kundenfrequenz „einem normalen Samstag entsprechen wird“. Heerscharen aus dem gesamten Oberland erwartet er nicht. Der Werbekreis habe vor diesem Hintergrund auch darauf verzichtet, die Aktion über die Grenzen der Flößerstadt hinaus zu bewerben.

Hohe Corona-Zahlen in Bayern: Wolfratshauser Rathauschef räumt ein - „Ganz wohl ist mir nicht.“

Rathauschef Klaus Heilinglechner spricht von einem „Mini-Markt“, den er gutheißen könne. Nach seinen Worten werden weniger als eine Handvoll Holzbuden aufgebaut, zudem müsse mit Kontrollen der Polizei gerechnet werden. Er räumt unumwunden ein: „Ganz wohl ist mir nicht.“ Angesichts der Tatsache, dass die Kliniken kaum noch Kapazitäten haben, ruft der Bürgermeister erneut dazu auf: „Lassen Sie sich impfen!“ Warum er der Kooperations-Veranstaltung am Sonntag seinen Segen erteilt hat? Zum einen brauche der stationäre Handel „im zweiten Corona-Weihnachtsgeschäft in Folge dringend unsere Unterstützung“, so der Rathauschef. Und: Die Stadt wolle „denen ein Zeichen geben, die sich haben impfen lassen“ – und denen versichert worden sei, dass sie in diesem Winter wieder mehr Freiheiten genießen dürften. (cce)*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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