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Glückwunsch: Dritter Bürgermeister Helmuth Holzheu (re.) gratulierte Heinz Kunze zum 104. Geburtstag.

In seiner Wohnung ist er Kapitän

Ältester Modellschiffbauer im Oberland wird 104 Jahre – ans Aufhören denkt er nicht

Am Wochenende feierte der wohl älteste Modellschiffbauer im Oberland seinen 104. Geburtstag: Wir haben Heinz Kunze daheim in Wolfratshausen besucht.

Wolfratshausen – Zittrige Hände hat Heinz Kunze selbst in seinem Alter noch nicht. Sonst könnte er sich auch nicht mehr so leidenschaftlich seinem größten Hobby widmen: Der Wolfratshauser baut Modellschiffe. Am Wochenende feierte der wohl älteste Modellschiffbauer im Oberland seinen 104. Geburtstag.

Kunzes Wurzeln hört man aus seinem Dialekt heraus. Der Vater zweier Kinder stammt aus Berlin. Obwohl der gelernte Elektromeister seit etwa fünf Jahrzehnten in Bayern und seit 40 Jahren im Landkreis lebt, hat er den Berliner Zungenschlag nie abgelegt. „Ick nehm doch keen Blatt vorn Mund. Ein bisschen was muss man aus der Heimat behalten“, berlinert er. Und dann sprudelt es aus ihm heraus: Kunze erinnert sich an ärgerliche Arztbesuche, seine Erlebnisse während der Weltkriege, die heißen Sommer in Berlin und an die vielen Kunden, die in seinem Geschäft in Bad Tölz ihren Fernseher oder ihr Radio reparieren ließen.

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Immer wieder fällt sein Blick auf eines der fünf Schiffe, die in seinem Wohnzimmer stehen. Dann setzt er zur Erklärung an: In der Werkstatt in seiner Wohnung hat er sie alle gebaut. Ohne Vorlage, bloß mit einem oder zwei Bildern von den historischen Segelschiffen bastelt er in akribischer Kleinarbeit die Schiffe zusammen. Auch wenn er viele hundert Stunden für ein einzelnes Schiff braucht, lehnt der Senior fertige Bausätze und Bastelanleitungen ab: „Ich will doch selber etwas bauen und nicht fertige Teile zusammenstecken.“ Seine Bauwerke präsentiert der rüstige Rentner regelmäßig auf Kunstmessen oder bei Ausstellungen.

Die Leidenschaft für den Schiffbau stammt aus jungen Jahren: Kunze besuchte in Berlin die Seemann-Schule. „Aber mein Vater hat zu mir gesagt, dass ich eine Lehre abschließen soll“, erinnert sich der Sohn. Aus dem Traum, zur See zu fahren, wurde nichts. „Und heute habe ich meine eigene Flotte im Wohnzimmer“, sagt der 104-Jährige lachend. Seine Leidenschaft für Schiffe lebt Kunze im hohen Alter aus. Ein Hindernis sieht er darin nicht: „Es ist egal, welche Zahl das Alter hat. Wichtig ist, dass der Kopf noch funktioniert. Solange ich noch Gefühl in den Fingern habe, mache ich das weiter.“ Dominik Stallein

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