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Wegen Misshandlung eines Schutzbefohlenen stand ein ehemaliger Altenpfleger aus Benediktbeuern jetzt vor dem Amtsrichter.

Verhandlung am Amtsgericht

Altenpfleger schlägt Schutzbefohlenen -  Bewährungstrafe

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Er schlug und beleidigte einen 64-Jährigen - und eine Kamera zeichnete alles auf. Für seine Vergehen musste sich ein Altenpfleger nun vor dem Richter verantworten.

Wolfratshausen– Ein Arbeitszeugnis bescheinigt dem Mann „ein sonniges Wesen“, zudem sei er „eine beliebte Nachtwache“. Doch am 30. April dieses Jahres war davon nichts zu spüren. An jenem Tag gegen 23.10 Uhr rutschte dem Altenpfleger in einem Heim im nördlichen Landkreis die Hand aus. Nun musste sich der Benediktbeurer (64) wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen vor dem Schöffengericht verantworten. Er wurde zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Zu leugnen brauchte der Angeklagte nicht: Eine Überwachungskamera hatte aufgezeichnet, wie er einem 84-Jährigen, der nach einem Schlaganfall in seinen Bewegungen stark eingeschränkt war, Sprachstörungen hatte und zudem an Demenz litt, mit der Hand gegen das Kinn und den Mund schlug. Außerdem hatte er den Mann als Arschloch bezeichnet, weshalb er auch wegen Beleidigung angeklagt war.

Bei der Vernehmung durch einen Kripobeamten hatte der Beschuldigte selbst angegeben, zuvor auch noch versucht zu haben, den Heimbewohner mit Gewalt im Bett zu fixieren. Vor Gericht wiederholte er sein Geständnis. Durch seinen Anwalt ließ er erklären, er habe „nicht gehandelt, um zu quälen“. Die Fixierung sei erfolgt, weil der Geschädigte sich, während er gereinigt werden sollte, immer wieder auf den Rücken gedreht habe.

Als Grund für sein Ausrasten gab der Angeklagte Überlastung an. „Die Pflegesituation in dem Heim war sehr angespannt und aus seiner Sicht unzumutbar“, sagte Verteidiger Marc Zinka. Sein Mandant sei gemeinsam mit seiner Frau allein für 30 Patienten zuständig gewesen. Das habe er der Heimleitung auch kommuniziert, passiert sei jedoch nichts. „Die Zustände waren katastrophal, ich war wütend“, ergänzte der Beschuldigte, der nicht mehr in der Pflege arbeitet.

„Ich war schockiert, so was nimmt einen mit“, erklärte der Heimleiter, der im Zimmer des Geschädigten wegen Diebstahlsverdachts eine Überwachungskamera installiert hatte. „Wenn sie so was machen, öffnen sie eine Büchse der Pandora“, gab der Zeuge zu verstehen, dass ihm manches, was er im Film zu sehen bekommen hatte, nicht gefiel. „Aber ich habe nichts Weiteres gesehen, dass Patienten geschädigt worden wären.“

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Richter Helmut Berger verurteilte den Benediktbeurer, der strafrechtlich bislang nicht in Erscheinung getreten war, zu einer Haftstrafe von sechs Monaten, die er für drei Jahre zur Bewährung aussetzte. Eine Freiheitsstrafe sei „die einzige angemessene Sanktion“, erklärte Berger, der den Mann jedoch „nur“ wegen vorsätzlicher Körperverletzung bestrafte. „Quälen und rohe Misshandlung“, die bei einem Missbrauch von Schutzbefohlenen gegeben sein müssten, seien nicht feststellbar. Als Auflage muss der Mann 1000 Euro an ein Hospiz zahlen. Zudem erteilte ihm Berger wegen einer „besonders widerwärtigen Straftat in einem besonders sensiblen Bereich“ ein Berufsverbot für die Dauer von fünf Jahren. 

rst

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