Dr Edmund Stoiber im Gespräch mit Ehrenamtlichen der DLRG und Ines Lobenstein
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Eine wesentliche Säule des Konzepts „Tagesticket WOR“ ist die Teststation am Schwankl-Eck. Für die ist seit vergangener Woche ganz offiziell die DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen verantwortlich. Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (re.) machte sich am Gründonnerstag persönlich ein Bild vor Ort. Links DLRG-Ortsverbandschef Robert Klingel, im weißen Schutzanzug Caritas-Mitarbeiterin Ines Lobenstein.

Ehrenamtliche planen weiter

„Tagesticket WOR“ noch nicht vom Tisch - Ministerpräsident entscheidet am Mittwoch

  • Carl-Christian Eick
    vonCarl-Christian Eick
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Vom Tagesticket erhoffen sich einige Kommunen Lockerungen bei den Corona-Einschränkungen. Die Stadt Wolfratshausen möchte wie berichtet Teil des Modellprojektes werden. Zwischenzeitlich sah es düster für das Engagement der Ehrenamtlichen aus - jetzt schöpfen sie neue Hoffnung.

Wolfratshausen – Nach dem Beispiel der Stadt Tübingen soll das „Tagesticket WOR“ den Bürgern der Loisachstadt Lockerungen bringen. Zudem soll das Konzept Einzelhandel, Außengastronomie und Kulturstätten die Möglichkeit geben, zu öffnen. Das ist in Bayern ab einer Sieben-Tage-Inzidenz über 50 untersagt. Mehr als 80 Kommunen im Freistaat haben sich vor diesem Hintergrund als sogenannte Modellregion beworben, darunter Wolfratshausen.

Voraussichtlich am kommenden Mittwoch wird Ministerpräsident Markus Söder entscheiden, ob es überhaupt Modellregionen geben wird – und wenn ja, „wer dann dabei ist“, so Söder.

Teststube brummt: Über 2000 Abstriche seit Dezember vorgenommen

Das Konzept für die Loisachstadt entwickelt haben Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth, die Seniorenreferentin des Stadtrats, Dr. Urilke Krischke, der Vorsitzende der DLRG Schäftlarn-Wolfratshausen, Robert Klingel, sowie Ines Lobenstein, Initiatorin der Corona-Teststation am Schwankl-Eck. Mehr als 2000 Tests haben die Ehrenamtlichen bis dato in den Räumen des Kulturvereins Isar-Loisach (KIL) in der Altstadt durchgeführt – diese Visitenkarte legten sie dem Bewerbungsschreiben an Söder bei. „Wir haben reichlich Erfahrung und Routine und verfügen inzwischen über ein sehr engmaschiges Netzwerk“, so Krischke gegenüber unserer Zeitung.

Das Problem: Der Landkreis hat eine zu niedrige Inzidenz für eine Modellregion

Doch der Euphorie folgte die Enttäuschung: Wenn überhaupt, wird es nur acht Modellregionen im gesamten Freistaat geben. In die engere Wahl kommen laut Gesundheitsminister Klaus Holetschek nur Kreisstädte beziehungsweise kreisfreie Städte mit einer Sieben-Tage-Inzidenz zwischen 100 und 150. Somit „fällt Wolfratshausen durch das Kriterienraster“, stellt Krischke in einer Rund-Mail an alle Stadträte sowie rund 225 Bürger fest, die ihre Bereitschaft erklärt hatten, das Projekt zu unterstützen. Am Ostermontag lag die Inzidenz im Landkreis bei 69,6.

Wolfratshauser Bewerbung ist wohl noch nicht ganz vom Tisch - es bleibt noch Resthoffnung

Dass Städte wie Wolfratshausen, die eine Inzidenz unter 100 aufweisen, nicht als Modellregion in Frage kommen, hält Krischke für falsch. Nach ihrer Meinung sollten die Bürger, die sich „vernünftig und coronakonform verhalten haben“, mit Lockerungen belohnt werden. Die Flinte ins Korn werfen wollen Krischke, Heinloth, Klingel, Lobenstein und KIL-Vorsitzende Assunta Tammelleo aber nicht. Denn am Gründonnerstag hat das Quintett nach eigenen Angaben erfahren, dass die Bewerbung der Flößerstadt „noch nicht vollständig vom Tisch ist“. Woher sie diese Info hat, verrät Krischke nicht. So oder so: In den vergangenen Tagen „haben wir einige wichtige Gespräche geführt, weitere Akteure ins Boot geholt und überlegt, wie die Teststrategie in Wolfratshausen entwickelt und wie die Testkapazitäten weiter stabilisiert und erweitert werden können“, berichtet die Seniorenreferentin. Das Tagesticket WOR werde – „mit leicht modifiziertem Konzept entsprechend dem Ministerratsbeschluss vom 23. März“ – in Kürze eingeführt, kündigt Krischke an.

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Unter Einbeziehung „aller relevanten Akteure in der Stadt“ und unter Leitung von Rathauschef Klaus Heilinglechner „werden die weiteren Schritte geplant“. Voraussichtlich werden zunächst die Öffnungszeiten der Teststation am Schwankl-Eck ausgeweitet. Darüber hinaus sind „eine weitere Teststation, insbesondere auch eine mobile Teststation angedacht“, so Krischke. Aktuelle Infos gibt’s auf der Homepage der Kommune (www.wolfratshausen.de).

Nicht die Zusammenkunft von Menschen an sich erhöht die Infektionsgefahr. Es ist das Aufeinandertreffen von Gesunden und asymptomatisch Erkrankten, welches die Infektionsketten am Leben erhält.“

Dr. Ulrike Krischke

Für Krischke und ihre Mitstreiter steht fest: „Nicht die Zusammenkunft von Menschen an sich erhöht die Infektionsgefahr. Es ist das Aufeinandertreffen von Gesunden und asymptomatisch Erkrankten, welches die Infektionsketten am Leben erhält.“ Die Zahl der Kettenglieder „multipliziert sich und hält uns alle auf lange Sicht in Ausnahmesituationen wie der derzeitigen gefangen.“ Die Ehrenamtlichen sind überzeugt, „dass häufige Testungen und das dadurch frühzeitige Unterbrechen von Infektionsketten ein wichtiger Baustein auf dem Weg zurück in eine weitgehend coronafreie Normalität darstellen“. Noch immer bestehe die „Hoffnung“, so Krischke, dass Wolfratshausen am 7. April den Zuschlag als Modellregion bekomme.

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