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Auf dem Kraft-Areal soll ein Einkaufszentrum mit 6500 Quadratmetern Verkaufsfläche, 16 Wohnungen und mindestens 315 Stellplätze entstehen. 

Diskussion im Bauausschuss

Angst vor Verkehrskollaps: Stadträte streiten über Bebauungsplan für Kraft-Areal

Ein Einkaufszentrum, Wohnungen und Stellplätze sollen auf dem Kraft-Areal enstehen. Der Bebauungsplan wurde im Bauausschuss heftig diskutiert. 

Wolfratshausen – Ein Einkaufszentrum mit 6500 Quadratmetern Verkaufsfläche, 16 Wohnungen auf dreieinhalb Geschossen, mindestens 315 Stellplätze: Für das sogenannte Kraft-Areal östlich des S-Bahnhofs wurde inzwischen ein Bebauungsplan entworfen. Der Bauausschuss entschied sich zwar mehrheitlich dafür, diesen durchzuwinken – einige Stadträte meldeten aber große Bedenken an.

Allen voran Grünen-Sprecher Dr. Hans Schmidt. Die Entwicklung des Areals laut der aktuellen Planung bezeichnete er als „verantwortungslos“. Die Gründe: Schmidt fürchtet einen Verkehrskollaps, den die Kunden des Einkaufszentrums auslösen würden. Die „zwölf bis maximal 16 Wohnungen stellen nur ein Feigenblatt dar. Sie sind deutlich weniger als zu Beginn der Diskussion angedacht“. Der „massive Baukörper“ ist in Schmidts Augen „städtebaulich nicht vertretbar“.

Auch andere Räte haderten mit den Plänen: Richard Kugler (parteifrei für CSU) und Dr. Ulrike Krischke (Bürgervereinigung) haben die Sorge, dass die Stadt den zusätzlichen Verkehr nicht bewältigen kann. Krischke wollte wissen, wie viele der Wohnungen „günstig“ seien. Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD) unterstrich den Wunsch des Stadtrates nach „möglichst vielen kostengünstigen Wohnungen“. Der Investor, der auf dem Areal bauen möchte, habe das zugesichert.

Schnaller: „Das ist eine einmalige Chance“

Schnaller äußerte sich positiv zu dem Plan: „Das ist eine einmalige Chance.“ Er appellierte an das Gremium, diese Gelegenheit zu nutzen, „denn so schnell kommt keiner mehr, der bereit ist, so viel Geld in die Hand zu nehmen“. CSU-Fraktionschef Günther Eibl betonte: „Das ist ein verlässlicher Investor, der genau weiß, was er tut.“ Eibl hegt die Hoffnung, dass Wolfratshausen durch das Projekt eine Belebung erfährt. Ähnlich äußerte sich Peter Ley (Bürgervereinigung): „Ich bin für die Weiterentwicklung Wolfratshausens.“ Er teile die Bedenken in puncto Verkehr. „Aber es werden auch nicht weniger Autos, wenn wir die Ansiedlung von Gewerbe verhindern“, so Ley.

Der Fraktionssprecher der Bürgervereinigung zeigte sich abwägend: „Ich verstehe alle Argumente der Befürworter“, schickte Josef Praller seiner Wortmeldung vorweg. Aber: „Ich sehe den Ort kritisch.“ Er begrüße das Projekt grundsätzlich, „aber ich würde es lieber an einem anderen Standort sehen“. CSU-Fraktionssprecher Eibl bezeichnete den Einwand als nicht zielführend: „Wo soll das denn sonst hin? Es gibt kein Wolfratshausen zwei, in dem das Projekt entstehen kann.“

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Bürgermeister Klaus Heilinglechner betonte, dass das Gremium mit seiner Entscheidung „dicke Pflöcke“ einschlagen würde. „Das muss uns klar sein.“ Die Angst vor dem Verkehrskollaps, den Schmidt beschworen hatte, teilt der Rathauschef nicht: Der Investor habe im Vorfeld der Planungen Untersuchungen angestellt. Das Ergebnis „nimmt mir die Angst“, sagte Heilinglechner.

Sieben Räte sagten schließlich Ja, gegen den Bebauungsplanentwurf votierten Krischke, Schmidt und Praller. Im nächsten Schritt werden an den Verfahren nun Fachbehörden beteiligt – es folgt eine öffentliche Auslegung.

Dominik Stallein

Der Planentwurf in Zahlen

  • 2100 Quadratmeter sind für einen Lebensmittelvollsortimenter angedacht, außerdem:
  • 1200 für einen Lebensmitteldiscounter
  • jeweils 50 für eine Bäckerei und einen Zeitschriftenkiosk,
  • 1000 für einen Sportfachmarkt,
  • 500 für einen Textilfachmarkt,
  • 1600 für einen Elektrofachmarkt.
  • Ein Stellplatz soll pro 20 Quadratmeter Verkaufsfläche angelegt werden, insgesamt also 315.
  • 33,5 mal 12 Meter soll ein Wohngebäude umfassen. 
  • Drei Vollgeschosse sowie ein eingerücktes Terrassengeschoss sind angedacht. 

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