Gemeinschaftsunterkunft am Loisachbogen
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Das ehemalige Pfarrheim am Loisachbogen wird seit Jahren als Gemeinschaftsunterkunft genutzt. Betrieben wird sie von der Regierung von Oberbayern.

Auf einem Holzstuhl bei Minus zehn Grad

Asylbewerberunterkunft am Loisachbogen: Anwohner sorgen sich um das Wachpersonal

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Anwohner der Asylbewerberunterkunft am Loisachbogen versorgen das Wachpersonal mit warmen Decken und Unterwäsche. Sie finden die Arbeitsbedingungen „menschenunwürdig“.

Wolfratshausen – Die Anwohner der Gemeinschaftsunterkunft am Loisachbogen sind in Sorge. Dabei geht es weniger um die Asylbewerber selbst, die seit einer Weile erneut in Quarantäne sind, als um das Personal, das über die Einhaltung zu wachen hat. „Die Umstände, unter denen die Mitarbeiter der Security dort Dienst schieben, ist in unser aller Augen nicht zumutbar“, erklärt Andre Seeber im Namen der Nachbarschaft. So bringen die Anwohner immer wieder Tee, dicke Decken und Thermounterwäsche vorbei, um den Wachleuten das Leben zu erleichtern. Seeber hat sich jetzt mit einer E-Mail an die Regierung von Oberbayern gewandt, um eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen herbeizuführen.

Darin führt der gebürtige Thüringer aus, dass die Mitarbeiter bei Minusgraden auf einem hölzernen Stuhl rund um die Uhr Wache halten müssen, auch nachts bei Minus zehn Grad. Spricht man sie darauf an, sagen sie angeblich: „Was sollen wir machen? Wir sind froh, dass wir den Job haben.“ Das finden Seeber und die Nachbarn menschenunwürdig. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Sinne des Arbeitsschutzes und der Berufsgenossenschaft zulässig ist“, erklärt Seeber.

Die Regierung steht im Kontakt mit dem Unternehmen

Dabei wäre es eigentlich einfach, findet er. In Anbetracht der Tatsache, dass heuer keine Christkindlmärkte stattgefunden haben, könnte doch der Bauhof eine Holzbude zur Verfügung stellen, damit die Wachleute wenigstens ein Dach über dem Kopf haben. Oder einen Heizpilz. Oder sonst irgendwas. „Wenigstens witterungsgerechte Kleidung müsste doch möglich sein.“

Auf Anfrage unserer Zeitung nimmt die Regierung von Oberbayern Stellung. Wie Pressesprecher Wolfgang Rupp mitteilt, wurde der Sicherheitsdienst vor Ort von der Regierung beauftragt. Aufgrund der Bauweise der Unterkunft sei es notwendig, „dass mindestens drei Sicherheitsdienstmitarbeiter den Außenbereich der Gemeinschaftsunterkunft bewachen“, um eine Verletzung der Quarantänebedingungen zu verhindern. Es obliege der Firma, die Mitarbeiter angemessen auszustatten. „Nach Rücksprache mit dem Unternehmen wechseln sich die vor Ort eingesetzten Mitarbeiter mit dem Dienst im Freien regelmäßig ab. In der Unterkunft stehen dem Sicherheitsdienst Kaffeemaschinen und Teekocher zur freien Verfügung“, schreibt Rupp. „Gleichwohl steht die Regierung von Oberbayern mit dem Sicherheitsdienst in Kontakt, um zu klären, ob und wie die Arbeitsbedingungen insbesondere im Freien weiter verbessert werden können.“

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Ganz überzeugt ist Andre Seeber von dieser Auskunft nicht. Nach seinen Beobachtungen hat sich nichts verbessert. Lediglich wurde der Holzstuhl mit einem blauen Müllbeutel versehen, seit es zu schneien angefangen hat. „Das reicht doch hinten und vorne nicht aus“, meint er. Seeber behält sich vor, die zuständige Berufsgenossenschaft einzuschalten.

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