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Ortstermin: „Raser und Poser“, so ein Anwohner der Roma-Kreuzung, machen den Anwohnern das Leben schwer. Grünen-Stadtrat Dr. Hans Schmidt (im Vordergrund) appelliert an die Bürger, Verkehrsverstöße „konsequent“ der Polizei zu melden. 

Kampf gegen Krachmacher

Roma-Kreuzung: Anwohner übergibt Kfz-Kennzeichen von „Rasern und Posern“ der Polizei

Ein Anwohner der Roma-Kreuzung in Wolfratshausen macht seinem Unmut über die Verkehrsbelastung Luft: Er übergab der Polizei eine Liste mit Kfz-Kennzeichen. 

Wolfratshausen Die Grünen kämpfen weiter gegen Raser und Verkehrslärm in der Flößerstadt. Bei einem Ortstermin an der sogenannten Roma-Kreuzung machte ein Anwohner am Dienstag seinem Unmut über die Verkehrsbelastung Luft – und übergab der Polizei eine Liste mit Kfz-Kennzeichen. Diese Autos verursachen nach seiner Feststellung besonders viel Lärm.

Neuralgischer Verkehrsknoten

Die Kreuzung ist ein neuralgischer Knotenpunkt: Tag für Tag passieren rund 24000 Fahrzeuge die Ampelanlage zwischen Margeritenstraße/Moosbauerweg und Schießstättstraße, wie aus dem jüngsten Verkehrsgutachten hervorgeht. Wo viel Verkehr herrscht, ist auch viel Lärm: Wie ein Anwohner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, bei einem Ortstermin am Dienstag, an dem Vertreter der Polizeiinspektion Wolfratshausen sowie ein Rathausmitarbeiter teilnahmen, berichtete, sei die Situation „unerträglich“. Von seinem Balkon aus kann er das Geschehen am Verkehrsknotenpunkt aus wenigen Metern Abstand beobachten. Wenn er dort sitze, dann nur, um sein Dezibel-Messgerät auf die Kreuzung zu richten. „Ich kann den Balkon sonst nicht nutzen, weil der Verkehrslärm nicht auszuhalten ist“, klagt er.

„Raser und Poser“ sind das Problem

Wohlgemerkt: Der Rentner, der seit einigen Jahren in der Loisachstadt lebt, moniert nicht die unvermeidliche Lärmemission, die beim Anfahren, Bremsen und im Verkehrsfluss entsteht: „Die Raser und die Poser sind das große Problem.“ Mit Posern meint der Wolfratshauser die Pkw-Lenker, die mit voller Absicht ihren Motor aufheulen lassen und mit quietschenden Reifen losbrettern. 90 Dezibel und mehr hat der Senior auf seinem Balkon gemessen. „Ein startender Jumbojet erreicht 120 Dezibel“, sagt er.

Den Polizeibeamten überreichte er eine Liste mit Kfz-Kennzeichen – die dazugehörenden Autos seien ihm immer wieder unangenehm aufgefallen. Der Anwohner appellierte an die Ordnungshüter, „sich einmal in Zivil für ein paar Stunden an die Kreuzung zu stellen“. Er gehe davon aus, dass den Beamten so einige Autofahrer ins Netz gehen würden, die „für eine unnötige Lärm- und Abgasbelästigung sorgen“.

Der Grünen-Sprecher und Umweltreferent des Stadtrats, Dr. Hans Schmidt, der zu dem Ortstermin an der Roma-Kreuzung eingeladen hatte, sucht schon länger nach Lösungen gegen Lärm und überhöhte Geschwindigkeit auf Wolfratshausens Straßen. Eine Anfrage zu Tempo-Verstößen auf der Schießstättstraße reichte er wie berichtet vor einigen Wochen bei Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) ein. Auf der Schießstättstraße gilt seit geraumer Zeit Tempo 30 – doch laut Schmidt halten sich viele Kraftfahrer nicht an diese Obergrenze. Auf Schmidts Anfrage, was die Auswertung des elektronischen Zeigefingers, das heißt, der Messstation ergeben hat, zeigte sich: Nur ein Drittel der Verkehrsteilnehmer beachtet die Tempo 30-Regel, exakt 62 Prozent fahren schneller als erlaubt über die Schießstättstraße.

Überschreitungen laut Polizei im Rahmen

Schmidt hakte am Dienstag beim Verkehrsspezialisten der Wolfratshauser Polizei, Tony Lechner, nach, wie sich die allgemeine Verkehrssituation – und die Einhaltung der Geschwindigkeitsregeln – in der Loisachstadt darstellt. Lechners Antwort: „Die Überschreitungen in Wolfratshausen bewegen sich im Rahmen.“ Das würden die Ergebnisse der Radarkontrollen der Polizei zeigen – und zwar sowohl in der Masse der Fahrer als auch bei den Höchstgeschwindigkeiten.

Speziell an der Roma-Kreuzung habe es in der jüngeren Vergangenheit keine Unfälle gegeben, die auf überhöhtes Tempo zurückzuführen seien. Der Anwohner hat einen anderen Eindruck gewonnen: „Ich beobachte immer wieder Unfälle.“ Er vermutete, dass diese nicht der Polizei gemeldet würden. Für Stadtrat Schmidt Anlass, an die Bürger zu appellieren, „alle Verkehrsunfälle und Verstöße konsequent an die Polizei zu melden“. Nur so seien die Zahlen belastbar, auf deren Grundlage der Stadtrat und die Behörden ihre Verkehrspolitik gestalten. Brenn- und Knotenpunkte, an denen übermäßiger Lärm und Raserei zur Tagesordnung gehören würden, seien ebenfalls nur so zu identifizieren.

Lesen Sie auch: Tempolimit wird „von meisten“ nicht eingehalten

„Unsere Telefonnummer ist bekannt, und wir sind auch per E-Mail zu erreichen“, sagte Steffen Frühauf, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Wolfratshausen. Es gebe immer wieder Meldungen zu Verkehrsthemen, „Poser sind da aber nicht das vorherrschende Thema“, ordnete der Hauptkommissar das Thema ein. Frühauf versicherte, dass die Polizei den Verkehr und die Lärmbelastung im Auge behalte – im Allgemeinen wie auch an der Roma-Kreuzung im Speziellen.

Dominik Stallein

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