Ausbildungsmessen und Berufsinfotage sind coranabedingt derzeit kaum möglich.
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Ausbildungsmessen und Berufsinfotage sind coranabedingt derzeit kaum möglich. Das macht es angehenden Azubis und Arbeitgebern schwerer als sonst, ins Gespräch zu kommen.

„Licht am Ende des Tunnels“

Trotz Corona: Unternehmen schränken Ausbildung kaum ein

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Angesichts von Corona fragen sich viele junge Leute: Wird es heuer einen Ausbildungsplatz für mich geben? Ja, sagen die Arbeitgeber.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Einer der größten Arbeitgeber im Landkreis ist die Sparkasse. „Wir freuen uns auf Bewerbungen“, sagt Alexander Potzka, Leiter des Vorstandsstabs. Derzeit bildet die Bank 16 Azubis aus, daran wird sich auch im Herbst nichts ändern. Zum Zeitpunkt unserer Anfrage standen noch zwei Plätze zur Verfügung, zwei weitere für ein duales Studium. Für 2022 sind noch alle Plätze frei. „Wir behalten unser Ausbildungsangebot bei“, versichert Potzka.

Freilich hat sich der Verlauf der Ausbildung etwas geändert. „Digitalisierung ist auch für uns ein Megatrend.“ Die Betreuung der Azubis findet online über ein Ausbildungsmanagmentsystem statt, die Berichtshefte sind papierlos, Lernvideos spielen eine große Rolle und anderes mehr. Daher ist Offenheit für das Thema Digitalisierung – neben Kundenorientierung, Spaß am Umgang mit Menschen und Eigeninitiative – für Bewerber durchaus empfehlenswert. Auch der Kundenkontakt findet derzeit verstärkt telefonisch und digital statt. Jetzt – und wohl auch in Zukunft.

Die Position der Sparkasse scheinen viele Arbeitgeber zwischen Isar und Loisach zu teilen. Das stellt jedenfalls die Agentur für Arbeit in Rosenheim fest. „Die Betriebe halten nach wie vor an ihrer hohen Ausbildungsbereitschaft fest, um sich so die Fachkräfte von Morgen zu sichern“, analysiert Michael Schankweiler, Vorsitzender der Geschäftsführung.

Die Arbeitsagentur stellt eine gewisse Verunsicherung fest

Die Betriebe hätten ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass beide Seiten verständlicherweise verunsichert sind. „Aufgrund der Demografie werden die Ausbildungssuchenden sicher nicht mehr werden“, so Schankweiler. „Von daher könnte gerade dieses Jahr auch eine Chance sein, den einen oder anderen Jugendlichen für den eigenen Fachkräftenachwuchs zu gewinnen, der in einem Jahr mit besseren Ausbildungsmarkt für das Unternehmen nicht zur Verfügung gestanden hätte.“

Den Jugendlichen rät Schankweiler für die kommenden Monate aktiv den Kontakt zu Betrieben aufzunehmen, sich von eventuellen Absagen nicht entmutigen zu lassen und notfalls berufliche Alternativen in Erwägung zu ziehen. Die Agentur steht Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite (siehe Kasten).

Auf einen Bewerber kommen 2,2 Lehrstellen

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) hat als Problem erkannt, dass coronabedingt die üblichen Ausbildungsmessen, Berufsinfoabende und Schnupperpraktika „kaum möglich sind“, so Hubert Schöffmann, Leiter Abteilung Berufliche Ausbildung. „Unterm Strich zeigt sich der Ausbildungsmarkt in der Region aber robust, aufnahmefähig, und in nahezu allen Branchen gibt es noch zahlreiche Ausbildungsplatzangebote“, so der Experte. Im Landkreis kommen laut Zahlen der Agentur für Arbeit vom März dieses Jahres rein rechnerisch 2,22 Lehrstellen auf einen Bewerber.

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Selbst aus den schwer gebeutelten Branchen – Gastronomie, Hotellerie, Einzelhandel – hat die IHK positive Signale. „Auch hier will man in der Krise Fachkräftenachwuchs sichern.“ Die IHK verweist ausdrücklich auf den Ausbildungskompass des Landratsamts, der die Angebote der heimischen Betriebe aufzeigt.

Schraubautomaten Weber rechnet mit mehr Aufträgen

Gute Nachrichten für junge Leute kommen auch von Schraubautomaten Weber in Wolfratshausen: „In diesem Jahr werden wir trotz Corona unsere Ausbildung nicht einschränken“, teilt Pressesprecher Michael Steidl mit. „Wir sehen vielmehr Licht am Ende des Tunnels und rechnen für das folgende Jahr mit mehr Aufträgen. Dem wollen wir bei der Besetzung der Ausbildungsstellen Rechnung tragen.“ Steidl rät jungen Leuten dringend zu einer Ausbildung: „Eine Berufsausbildung ist so etwas wie eine Versicherung fürs Leben: Sie vermittelt nicht nur Fachkenntnisse. Es ist auch wichtig, dass junge Menschen in ihrer Persönlichkeit wachsen.“ Ausbildungsberufe bei Weber sind Zerspanungsmechaniker, Industriemechaniker, Mechatronikerfachkraft für Metalltechnik sowie technischer Produktdesigner.

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Bei der Firma Dorst in Kochel am See werden zum Herbst ein Drittel weniger Auszubildende anfangen als normalerweise. „Wir wollen unseren hohen Standard in der Ausbildung aufrecht erhalten“, so Personalleiterin Veronika Jocher. Es gilt, die Corona-Regeln umzusetzen, etwa in der Lehrwerkstatt. Und das sei mit einem „erhöhten Aufwand verbunden“. An den beiden Standorten Kochel am See und Bad Kötzting lernen etwa 70 Azubis. Dass im Herbst ein paar weniger dazustoßen als sonst, heißt für die Zukunft nichts. „Es ist durchaus möglich, dass die Zahl irgendwann wieder erhöht wird.“

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