Bergkramerhof Wolfratshausen aus der Luft
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Ende Gelände: Nur noch bis Dezember 2022 wird auf dem Bergkramerhof gegolft. Helmut Danhuber, Eigentümer des Areals, verlängert die Pacht nicht. Ob dann Mais angebaut wird oder ein Hotel kommt, ist noch unklar.

„Meine Mission scheint hier erfüllt“

Golfplatz im Lockdown geöffnet: Jetzt steht Anlage vor dem Aus - Pachtvertrag gekündigt

  • Volker Ufertinger
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Der Eigentümer des Bergkramerhofs hat den Pachtvertrag mit dem Golfklub gekündigt. Eine Rolle spielt wohl auch das rebellische Verhalten von Pächter Josef Hingerl.

Wolfratshausen – Die Golfanlage Bergkramerhof stellt Ende 2022 den Betrieb ein. Das hat der Pächter, Rechtsanwalt Dr. Josef Hingerl, in einem Sonder-Newsletter den 400 Mitgliedern und Gästen mitgeteilt. Der Grund: Helmut Danhuber, Eigentümer des weitläufigen Geländes, hat die Pacht nicht verlängert. „Die Entscheidung ist jetzt zu akzeptieren“, so Hingerl.

Wolfratshausen: Golfanlage Bergkramerhof stellt Ende 2022 Betrieb ein

Bis zum 31. Dezember nächsten Jahres wird über den Dächern Wolfratshausens aber weiter dem Sport gefrönt: „Ich bin bereit, mein bisheriges Engagement der Golfanlage weiter zu widmen.“ Auch Nicht-Golfern ist der streitbare Anwalt im Lockdown ein Begriff geworden, und zwar deutschlandweit. Als der 73-Jährige trotz behördlichen Verbots zweimal den Platz öffnete, wurde er von der Boulevardpresse als „Golf-Rebell“ gefeiert.

Doch diese kurzfristige Publicity brachte ihm außer zwei Bußgeldbescheiden in Höhe von insgesamt 15 000 Euro und harscher Kritik vom Bayerischen Golfverband nicht viel. Das Problem: Das Konzept des deutschlandweit ersten pestizidfreien Golfplatzes ging nie richtig auf. „Wir hätten 700 Mitglieder gebraucht, um rentabel arbeiten zu können“, erklärt Hingerl auf Nachfrage unserer Zeitung. Bei der umweltbewussten Umstellung haben 150 Golfer den Bergkramerhof verlassen. Denn: Das Grün hat zeitweise unter dem Chemie-Entzug gelitten und war in keinem guten Zustand.

Pächter öffnete Golfplatz trotz Lockdown-Verbot: Bußgeldbescheide und harsche Kritik

Womit man bei der Geschichte der Golfanlage angekommen wäre. Angelegt wurde das Grün 1994, zunächst mit neun Loch. Schon drei Jahre später musste die Golfanlage unter dem damaligen Betreiber Hubertus Angstl Konkurs anmelden, alle Pachtrechte gingen an die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen über. 1999 wurde die Anlage um zusätzliche neun Spielbahnen erweitert, 2007 übernahm Hingerl den Betrieb. 2013 wurden in Schächten – Teile der Anlage liegen im Wasserschutzgebiet – erstmals Spuren von Keimen gefunden. Der Golfplatz schien vor dem Aus zu stehen. Doch der Höhenrainer ging in die Offensive und verzichtete fortan auf chemische Pflanzenschutzmittel.

Pachtvertrag für Golfplatz gekündigt: Hingerl enttäuscht - „Meine Mission scheint hier erfüllt zu sein“

Das sollte man wissen, wenn man den Newsletter liest. Denn Hingerl berichtet, was Danhuber angeblich vorhat. „Es wird wieder Mais angebaut“, schreibt er. Das habe ihm der Eigentümer, dem die ersten neun von 18 Bahnen gehören, definitiv schriftlich mitgeteilt. Der Rückbau der Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung entbehre nicht einer gewissen Ironie: „Jetzt bekommen das Landratsamt und die Stadt Wolfratshausen wieder den pestizidintensiven Maisanbau im Wasserschutzgebiet“. Wo sie diesen doch eigentlich unbedingt verhindern wollten.

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Überhaupt fällt es Hingerl nicht leicht, seine Enttäuschung zu verbergen. Denn: Mit dem Eigentümern der anderen neun Bahnen („den Brüdern Fagner“) sei es ihm in zähen Verhandlungen gelungen, einen 30-jährigen Pachtvertrag auszuhandeln. Das sei aber nun passé. „Ich muss zugeben, dass ich den Bergkramerhof ursprünglich als meinen herzerfrischenden Austrag für mein Alter vorgesehen hatte. Das lässt sich nun nicht mehr realisieren. Meine Mission scheint hier erfüllt zu sein.“

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Golfplatz-Öffnung im Lockdown: Eigentümer über Pächter-Verhalten verärgert

Dieser Darstellung kann Eigentümer Helmut Danhuber (94), unter anderem Inhaber des Münchner Tiefkühlhauses an der Zenettistraße, nicht folgen. Ihn hat der Konfrontationskurs von Hingerl gegenüber den staatlichen Stellen im Lockdown geärgert. „Das ist dumm, man braucht doch die Behörden“, sagt er.

„Ich habe Hingerl nur deshalb nicht gleich gekündigt, weil es sonst geheißen hätte, wir machen da oben alles kaputt.“ Über die Nachnutzung – Stichwort Mais – schweigt er. „Warten wir einfach zwei, drei Monate ab.“ Es gibt schon länger die Pläne, aus dem ehemaligen Hof, in dem Klub und Gasthof untergebracht sind, ein Hotel zu machen. Was auch immer die Zukunft bringt: Die Zeit der Golfer ist vorbei.

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