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„Das ist schon dreist“: Wolfratshauser Ausschuss streitet erneut über Schwarzbau

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Von: Dominik Stallein

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Luftaufnahme Wolfratshausen mit Loisach, Oberbayern, Deutschland, Europa
In Wolfratshausen stellt sich der Stadtrat auf viele Anträge zur nachträglichen Legalisierung von Schwarzbauten ein. © Hans Lippert

Der anstehende Abriss von drei Schwarzbauten in Wolfratshausen beschäftigt viele Menschen. Jetzt kommen immer mehr Bausünden in der Stadt ans Licht.

Wolfratshausen – Auf dem Papier ging es um nicht mehr als 3,3 Meter Tiefe und einen Meter Höhe. In der Diskussion um die nachträgliche Legalisierung eines zu groß gebauten Carports wurde aber schnell klar: Dem Bauausschuss geht es um ein ganz einfaches Prinzip: Gebaut werden soll in Wolfratshausen nur so, wie es zuvor genehmigt worden war. Spätestens seit dem Trubel um die Schwarzbauten in Weidach, die abgerissen werden müssen, hat die schwelende Debatte um den Umgang mit Bausünden wieder Fahrt aufgenommen.

Im konkreten Fall an der Bürgermeister-Seidl-Straße in Wolfratshausen beantragte ein Grundstückseigentümer eine Tektur – also eine bauliche Änderung – eines Carports, der außerhalb der Baugrenzen errichtet worden war. Statt der genehmigten 4,6 Meter Tiefe, 17 Meter Länge und drei Meter Höhe errichtete der Bauherr ein 7,9 Meter tiefes und vier Meter hohes Konstrukt. Seit zehn Jahren steht der Carport an dem Gebäude, in dem Handwerksbetriebe, eine Betriebswohnung und drei Büroeinheiten untergebracht sind. Von offizieller Stelle gab es keine Beanstandungen an dem Bau. Das sorgte im Ausschuss für Frust.

Wolfratshausen: Ausschuss streitet über neuen Schwarzbau: „Das ist schon dreist“

„Wir haben ein Defizit in der Kontrolle“, monierte Grünen-Rat Dr. Hans Schmidt. Diese Kritik müsse „an das Landratsamt adressiert“ werden. Der Bauherr habe einen Carport gebaut, der 72 Prozent mehr Grundfläche aufweise – „das ist schon dreist.“ Er forderte seine Kollegen auf, dem Antrag nicht zuzustimmen, „sondern vom Landratsamt zu fordern, der Kontrolle rechtzeitig nachzugehen“. Die Behörde müsse „konsequent gegen solche Verstöße vorgehen – sonst werden wir als Gremium nur belächelt“.

Fritz Schnaller (SPD) äußerte den Wunsch, „dass die Überwachung die Neubauten zeitnah überprüft“. Im vorliegenden Fall „haben wir seit zehn Jahren diesen Zustand. Hätte sich der Eigentümer nicht selbstständig mit dem Antrag gemeldet, hätten wir ihn wahrscheinlich noch weitere zehn Jahre.“

Fritz Schnaller von der SPD Wolfratshausen
Fritz Schnaller von der SPD: „Wenn wir Vorschriften haben, dann muss gesichert sein, dass sie auch nachverfolgt werden.“ © SPD Wolfratshausen

Schwarzbauten erlauben „weil wir Gutmenschen sind?“ - SPD-Rätin wird deutlich

Gerlinde Berchtold (SPD), scharfe Kritikerin der Nachlegalisierungs-Praxis, wurde deutlich: „Wir genehmigen etwas, und dann baut man trotzdem, wie man will. Statt vier Meter werden es acht, weil es dem Bauherrn gerade so gefällt.“ Dass auf dem Carport Photovoltaik-Anlagen gebaut wurden, ließ sie als Argument nicht gelten: „PV-Anlagen sind etwas Gutes – aber dann muss das vorher erfragt und genehmigt werden.“

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Der Übergröße jetzt doch zuzustimmen, weil die Solarenergie gut sei „und wir Gutmenschen sind, das lehne ich ab“. Josef Praller, Sprecher der Bürgervereinigungs-Fraktion, hielt die Anlage für „begrüßenswert“, aber: „Ich tue mich hart damit. Dass der Bau so viel größer wird, ist nicht schön.“

CSU-Rätin lobt PV-Vorstoß des Bauherrn - obwohl der Bau zu groß wurde

Renate Tilke (CSU) sah es anders: „Es ist nur zu begrüßen, dass Photovoltaik-Anlagen untergebracht werden.“ Dem Bauherrn sei erlaubt worden, über die bestehenden Baugrenzen hinaus den Carport zu errichten – wenn auch in geringerem Umfang. Die CSU-Rätin forderte, dass auf dem Grundstück die von der Stadt vorgeschriebenen Fahrradstellplätze – 14 sind es bei einem Gebäude dieser Größe – nachgewiesen werden müssen. Mit 3:7 Stimmen lehnte der Bauausschuss eine nachträgliche Genehmigung ab. Nun muss das Landratsamt in Bad Tölz über die Nachlegalisierung des Baus befinden.

Schwarzbau-Abriss in Weidach - „werden mehrere solcher Anträge behandeln“

Rathauschef Klaus Heilinglechner (BVW) äußerte die Vermutung, „dass wir in Zukunft noch mehrere solcher Anträge im Ausschuss behandeln werden“. Wegen des medienwirksamen, bevorstehenden Abrisses von drei Schwarzbauten am Isarspitz „hat sich das Denken bei manchen umgestellt“. Im Weidacher Fall hatte der Bauherr Doppelgaragen errichtet, obwohl Carports genehmigt waren.

Die Terrassenfläche wurde beim Bau mehr als verdoppelt, eine davon sogar auf eine andere Gebäudeseite verlegt. Das Verwaltungsgericht bemängelte außerdem, dass „Außenwände, Firsthöhe und Dachneigung der Wohngebäude“ sowie „weitere Aspekte“ des Gesamtprojekts in „nicht unerheblichem Umfang“ entgegen der Baugenehmigung verändert worden seien.

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