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Acryl auf Leinwand: Die Bilder der Malerin Lilli Mayer haben eine eigene Sprache.

Kantig und kubisch

Ausstellung von Lilli Mayer im Wolfratshauser Amtsgericht

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Ein Ende hat immer einen Neuanfang. Und der kann überraschende Wendungen haben und unbekannte Begabungen freisetzen. So war es bei der Künstlerin Lilli Mayer, die derzeit im Wolfratshauser Amtsgericht ausstellt. 

Wolfratshausen – Die gelernte Erzieherin war erfolgreich, viel beschäftigt und immer auf 180. Bis zu dem Punkt, an dem Körper und Geist ihr Signale setzten aufzuhören. Heute ist Lilli Mayer eine Künstlerin, deren Bilder eine deutliche Sprache sprechen, deren Ausdruck höchst starke Emotionen zeigen. Die Autodidaktin malt Porträts von Menschen. Es sind Gesichter, die vom Leben erzählen. Und sie malt kubische Motive mit vielen Facetten. 

Gerichtsinstitution will sich nicht abschotten

Mayers Bilderwelt ist in den kommenden drei Monaten im Obergeschoss des Wolfratshauser Amtsgerichts zu sehen. Direktorin Andrea Titz unterstützt die regelmäßigen Ausstellungen in ihrem Haus, weil „wir uns als Gerichtsinstitution nicht abschotten wollen, sondern gerne den lichtdurchfluteten Raum regionalen Künstlern zur Verfügung stellen“.

Mayer stammt aus Rosenheim und arbeitete bei wohlhabenden Familien. Sie reiste um die Welt und war rund um die Uhr für sie da. „Ich hatte nie Zeit für mich.“ Vor sieben Jahren schlich sich eine psychische Erkrankung an. „Ich erkannte die Vorzeichen nicht.“ Mayer kam auf Reha nach Bad Tölz. In einer Kunsttherapie lernte sie erstmals den Umgang mit Pastellfarben und Acryl kennen, und entdeckte ihre Begeisterung für die Malerei und im Speziellen für den Kubismus. Heute malt die 38-Jährige erstaunliche Bilder mit großer Fantasie.

Bilder haben eine eigene Sprache

Obwohl sie bisher keinerlei Ausbildung genoss, haben ihre Bilder eine ganz eigene Sprache. „Sie sind kantig“, sagt die Künstlerin. Als kraftvoll könnte man sie auch definieren; in Farbe und Formgebung angelehnt an Mayers Vorbild Franz Marc und die Künstlergruppe „Blauer Reiter“. Mit Acryl auf Leinwand lässt sie per Zufall Figuren, Gesichter und Tiere aus einem Form- und Farbenspiel entstehen. In einem großformatigen Bild sollen 16 Katzen und ein Hund verborgen sein. Man muss schon sehr genau hinschauen, um die Tiere zu finden.

Deutlicher wird sie dagegen in dem Motiv „Der Puppenspieler“. Der Mächtige hat die Fäden in der Hand, lenkt und manipuliert. Für die Rosenheimerin das Sinnbild für Macht, System und Unterdrückung, und gewissermaßen auch ein Sinnbild ihrer eigenen Lebensgeschichte. Doch wer genau schaut, der findet im Bild eine Schere. „Sie kann die Fäden durchtrennen, wenn man es zulässt“, erklärt die Künstlerin.

Dienstags ist lange Nacht der Kunst

Sie hat es zugelassen und einige Fäden zu ihrer eigenen Vergangenheit durchtrennt, denn Mayer geht einen neuen Weg. Seit einem Jahr gehört die Malerin mit fünf anderen Künstlern aus der Region zu einer Künstlergemeinschaft in Bad Tölz. Jeden Dienstag laden sie zur langen Nacht der Kunst in ihren Werkstattladen am Jungmayr-Platz nahe dem Isarkai ein. Es ist eine Initiative des Realverbunds „Rehabilitation, Arbeit, Leben“. 

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