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Mit Leib und Seele Fahrlehrer: Der Wolfratshauser Schorsch Meier bildet seit 39 Jahren aus. Um seinen Berufsstand ist ihm trotz aller technischen und strukturellen Änderungen nicht bange. 

“Findest in München kaum noch Stellplätze“

Autonomes Fahren & Co.: Wie ein Fahrlehrer trotz immer mehr Technik überleben will

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Die Assistenzsysteme in modernen Pkw nehmen dem Fahrer immer mehr Arbeit ab. In nicht mehr ferner Zukunft sollen unsere Autos gar selbstständig fahren. Was wird dann aus dem Beruf der Fahrlehrer? 

Wolfratshausen – „Video Killed The Radio Star“, sang das britische New-Wave-Duo The Buggles 1980, als Fernsehsender wie das amerikanische MTV sich anschickten, den guten alten Hörfunk als Quelle aktueller Popmusik abzulösen. Damals eine Revolution – ebenso wie ein gutes Jahrzehnt später die Telefone, die an keinem Kabel mehr hingen. Nun steht ein Umbruch auf unseren Straßen an: Assistenzsysteme im Auto übernehmen Handgriffe und Blicke des Fahrers. Glaubt man Experten, sitzen wir in nicht mehr ferner Zukunft als reine Passagiere in komplett selbstfahrenden Wagen.

Ist der autonome Straßenverkehr der Tod des Fahrlehrer-Berufs?

Ist der autonome Straßenverkehr der Tod einer Berufsgruppe, die der Fahrlehrer? Zumal die Vergreisung Deutschlands, die Urbanisierung und der Imageverlust des Autos gerade bei jungen Leuten im Verdacht stehen, der Branche zuzusetzen.

Schorsch Meier, seit 39 Jahren „mit Leib und Seele“ Fahrlehrer in Wolfratshausen, kann mit den Endzeitszenarien, die seine Zunft umgeben, wenig anfangen. Das hat auch damit zu tun, dass er und seine zehn Mitarbeiter, darunter die drei Kinder, ihren Schülern in der Provinz das Fahren beibringen. „Auf dem Land ist der öffentliche Nahverkehr eine mittlere Katastrophe. Wer in Degerndorf aufwächst, wird auch künftig schauen, dass er mit 17, 18 Jahren den Führerschein macht und mobil wird“, glaubt der 61-Jährige. Blauäugig ist Meier dennoch nicht. Als Vierter Vorsitzender des Landesverbands der Bayerischen Fahrlehrer (LBF) ist er gut vernetzt und weiß um die Probleme. In strukturschwachen Gebieten des Freistaats mit starker Abwanderung komme es durchaus vor, dass Fahrlehrer von ihrem Job allein nicht mehr leben können und einer weiteren Arbeit nachgehen, „doch das fängt München wieder ab“. Dort ein Auto zu haben, sei zwar mittlerweile „fast eine Bestrafung“ – und das nicht nur wegen drohender Diesel-Fahrverbote. „Du findest in München ja kaum noch Stellplätze.“ Andererseits haben die Kollegen in der Stadt gut zu tun – dank der Zuwanderer. „Die haben eine ganz andere Motivation, um mobil zu werden.“

Grundsätzlich sind die Fahrschulen „dran, die technischen Neuerungen wie die vielen Assistenzsysteme in die Schulungen einzubeziehen“, sagt Meier. Seine Flotte von zehn Autos „ist Hightech“. Was ihn bewegt: „Wir wären vom Kopf her eigentlich noch weiter, als es uns der Gesetzgeber ermöglicht.“ Der Sprung in die Zukunft des Fahrens ist aus Meiers Sicht eher zu schaffen, „wenn wir künftig – wie im Lkw-Sektor längst geschehen – auf Automatik ausbilden und prüfen“. Das Fahren mit Handschaltung sollte der Schüler nur noch per kleiner Zusatzqualifikation lernen. Dafür gibt’s mehrere Gründe: Moderne Automatikgetriebe lassen sich energiesparender steuern, erleichtern den Umstieg auf Elektroautos, die sich manuell gar nicht schalten lassen – und sie geben dem Fahrer mehr Raum. 

Fahrzeuge werden immer komplexer in der Bedienung

„Die Fahrzeuge werden immer komplexer in der Bedienung. Fallen Kuppeln und Schalten weg, kann man sich wesentlich besser auf Verkehrssituationen, das höhere Fahrzeugaufkommen und andere Verkehrsteilnehmer konzentrieren.“

Und wenn sich die Autos eines Tages komplett autonom bewegen? Auch dann ist Schorsch Meier nicht bange um seinen Berufsstand. „Selbst wird der Fahrer immer fahren können müssen“, glaubt er. Er müsse – analog dem Piloten eines Jets – in Notsituationen immer eingreifen können. Hier wird dem Simulator in der Fahrschul-Ausbildung eine bedeutende Rolle zufallen. „Darum kommen wir nicht herum“, sagt der Wolfratshauser. „Mein Sohn und ich haben schon darüber gesprochen, einen anzuschaffen.“

Auch vor anderen strukturellen Entwicklungen verschließt Meier nicht die Augen. Das Auto nehme nicht mehr den Status ein wie vor 40, 50 Jahren, als es wichtig war für die Entwicklung des ganzen Landes nach dem Krieg, räumt er ein. „Heute ist den jungen Leuten das Smartphone wichtiger.“ Zudem würden sie sehr viel von Eltern und Großeltern herumkutschiert – „Taxi Mama ist bequem“. Trotzdem werde der Führerschein gemacht – in den Großstädten nur später, sagt der 61-Jährige. „Früher mit 18, 19, jetzt eher mit Mitte 20, manchmal erst mit 30.“ Spätestens aber dann, wenn der Beruf eine Fahrerlaubnis verlangt. peb

Lesen Sie auch: Fahrschullehrer erklärt: So verhält man sich als Geisterfahrer richtig

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