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Baustelle Lehrberufe: Insbesondere kleinere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe haben Probleme, Azubis zu akquirieren.

Fast 400 Stellen unbesetzt

Azubis verzweifelt gesucht: Im Landkreis herrscht Bewerbermangel in Lehrberufen

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Wer fürs kommende Lehrjahr noch eine Ausbildungsstelle sucht, hat gute Karten. Doch des einen Freud ist des anderen Leid: Vor allem kleinere Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe bekommen den Bewerbermangel empfindlich zu spüren.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „In spätestens zehn Jahren haben wir ein Riesenproblem“, sagt Uli Hofherr, stellvertretender Obermeister der Metzger-Innung Miesbach/Bad Tölz-Wolfratshausen. Dann seien die meisten Fachkräfte, die den Betrieb derzeit noch am Laufen halten, in Rente. Und Nachwuchs ist nicht in Sicht: Jedes der 20 Innungsmitglieder im Landkreis sucht händeringend mindestens einen Auszubildenden zum Metzgerei-Fachverkäufer, weiß Lehrlingswart Hofherr. „Manche Betriebe müssen tageweise zusperren, weil sie kein Personal mehr haben“, klagt er. Über kurz oder lang könne man Fleisch und Wurst dann nur noch vorverpackt in Selbstbedienungstheken erhalten. Diese Vorstellung ist dem traditionellen Metzgermeister ein Graus. In seinem eigenen Geschäft in Königsdorf konnte Hofherr zuletzt vor zwölf Jahren eine Ausbildungsstelle besetzen, obwohl er jedes Jahr eine anbietet. Auch heuer inseriert er schon seit Wochen – vergebens. Aus Erfahrung weiß er allerdings, dass sich viele Jugendliche erst in letzter Minute entscheiden: Die meisten Ausbildungsverträge kommen kurz vor den Sommerferien zustande, manche sogar noch später.

Immerhin fünf Mädchen begannen 2017 im Innungskreis ihre Ausbildung zur Metzgerei-Fachverkäuferin. Geringfügig besser sieht es im Bäckerhandwerk aus. Innungsobermeister Konrad Stelmaszek berichtet: „Erfahrungsgemäß wird pro Lehrjahr etwa die Hälfte der Lehrstellen besetzt.“ Im Landkreis gebe es in insgesamt 24 Betrieben knapp 30 freie Ausbildungsplätze, jeweils die Hälfte in der Produktion und im Verkauf. Dass sich überhaupt noch Bewerber finden, führt er auf massive Imagekampagnen der Handwerkskammer und der Werbegemeinschaft des Deutschen Bäckerhandwerks zurück. Auch bei Berufsinformationsveranstaltungen und im Rahmen von Praktika versucht der Inhaber der Königsdorfer Backstube, Schülern und Schülerinnen die positiven Seiten seines Berufs zu vermitteln: „Am Tagesende sieht man immer, was man gemacht hat – das ist ein tolles Gefühl.“

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Die bayerische Industrie- und Handelskammer (IHK) setzt darüber hinaus auf sogenannte Ausbildungsscouts: In einem vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderten Projekt stellen 21 Azubis an den Schulen des Landkreises ihre Lehrberufe vor und zeigen Karrierechancen auf. „Wir müssen jede Chance nutzen, um Jugendliche auf eine Berufsausbildung neugierig zu machen“, sagt Reinhold Krämmel, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Bad Tölz-Wolfratshausen. Dem geringen Ansehen von Dienstleistung, Handwerk und Lebensmittelgewerbe kann seiner Ansicht nach nur eine kontinuierliche Imagewerbung der Branchen entgegensteuern. Für die Hauptursache des Lehrlingsmangels hält er aber die zunehmende Akademisierung: „Über 55 Prozent der Schulabgänger sind heute Abiturienten.“ Davon machen zwar auch einige eine Lehre – aber oft nur als Vorstufe zum Studium. „Irgendwann haben wir mehr Häuptlinge als Indianer“, scherzt der Wolfratshauser Unternehmer. Dabei sind die Verdienstaussichten mit einer betrieblichen Berufsausbildung teilweise sogar besser als mit einem akademischen Grad, betont er. Die Kombination des Berufsschulabschlusses mit der Gesellen- oder Meisterprüfung lasse sich durchaus mit dem Niveau des Bachelors in den Nachbarländern vergleichen.

Nachwuchsmangel durch Arbeitskräfte aus dem Ausland stoppen? 

Dass man den Nachwuchsmangel durch Arbeitskräfte aus dem Ausland lösen könne, hält Krämmel für eine Illusion: „Das kann das Problem höchstens teilweise kompensieren.“ Fünf Prozent aller neuen Ausbildungsverträge schlossen IHK-Unternehmen im vergangenen Jahr laut einer Presseinformation mit Jugendlichen aus fluchtwahrscheinlichen Herkunftsländern; 100 Lehrstellen blieben mangels Bewerber unbesetzt.

Bei der Suche nach geeignetem Nachwuchs haben Großunternehmen aus dem technischen und kaufmännischen Bereich nach wie vor die Nase vorn. So sind beispielsweise bei EagleBurgmann und der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen nach eigenen Angaben teilweise seit Monaten alle Lehrstellen für das kommende Jahr besetzt; bei Tyczka sucht man aktuell nur noch ein Mädchen oder einen Buben für eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Wer sich für einen solchen Beruf interessiert, sollte sich am besten jetzt schon für 2019 nach passenden Arbeitgebern umschauen, rät die Arbeitsagentur Rosenheim. cw 

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