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Einen Euro, bitte: Immer wieder ziehen einzelne Bettler oder auch organisierte Banden durch den Landkreis. 

Viele Banden kommen aus Rumänien

Betteln im Pulk: Bald wieder vermehrt Banden im Landkreis unterwegs?

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Ein flehender Blick, dann der Wink zum Pappbecher auf dem Boden: „Ein Euro, bitte.“ - Zum Frühjahr hin erwartet die Polizei wieder vermehrt organisierte Bettlerbanden. In der Wolfratshauser Dienststelle ist man gewappnet. 

Bad Tölz-Wolfratshausen– Nachdem er die beiden Männer, die vermutlich einer organisierten Bettlerbande angehören, mitten in der Nacht nahe seines Hauses im Auto schlafend aufgefunden hatte, beging der Pupplinger einen Fehler: Er beschloss, die Angelegenheit selbst regeln und suchte die direkte Auseinandersetzung. Mit Folgen: Das Duo zeigte den Mann an. Nun wird gegen ihn wegen Bedrohung ermittelt.

„Der Mann wählte den falschen Weg“, sagt Steffen Frühauf, „besser hätte er sofort uns verständigt.“ Das rät der Wolfratshauser Polizei-Vize auch, sollte sich ähnliches demnächst wiederholen – was durchaus möglich ist. Denn es gibt Anzeichen, dass organisierte Bettlerbanden aus Rumänien, die zuletzt in Brannenburg im Landkreis Rosenheim laut Frühauf „relativ aggressiv“ ihr Unwesen trieben, in westliche Richtung weiterziehen. Der Polizeihauptkommissar geht davon aus, „dass auch die beiden Rumänen in Puppling zur Gruppe gehören, die in Brannenburg unterwegs war“. In der Dienststelle ist man jedenfalls gewappnet: „Alle Kollegen wissen Bescheid und gehen sämtlichen Mitteilungen in dieser Hinsicht nach.“

Greift die Polizei mutmaßliche Bettler auf, läuft zunächst ein Routineprogramm ab. Frühauf: „Wir kontrollieren die Personalien, gleichen sie mit dem Fahndungsbestand ab.“ Schnell zeige sich, ob gegen die Person etwas vorliegt, sie gar wegen früher Delikte gesucht wird. Auch überprüfen die Beamten, ob das Verhalten der Bettler ausreichte, um einen Platzverweis auszusprechen. Hier eine Handhabe zu finden, ist nicht immer einfach. Rumänen beispielsweise seien EU-Bürger und hätten grundsätzlich das Recht, sich in Deutschland aufzuhalten, sagt Steffen Frühauf. Würden sie aber organisiert und aggressiv auftreten, „sieht es schon wieder anders aus, dann ist es eine Ordnungswidrigkeit“.

Kommunen wie Wolfratshausen und Tölz machen es den Ordnungshütern etwas leichter: Laut der Satzung für Grünanlagen in der Kreisstadt ist Betteln dort untersagt, „und das gilt auch für die Marktstraße“, sagt Birte Otterbach, Pressereferentin der Stadt Bad Tölz. In Wolfratshausen ist Betteln zwar generell nicht verboten, doch es gilt die Sondernutzungssatzung für Innenstadt und Grünanlagen. Jemanden anzuschnorren, sagt Martin Millian, Leiter der Abteilung Bürgerservice im Wolfratshauser Rathaus, sei dann eine unerlaubte Sondernutzung, wenn der Betreffende Fußgängern den Weg versperrt. Werde der Schnorrer gar unverschämt, begehe er eine Ordnungswidrigkeit. Die Polizei kann Einzelnen oder Banden in diesem Fall das Geld abnehmen und als sogenannte Sicherheitsleistung einbehalten – sofern das jeweilige Ordnungsamt sein Okay dazu gegeben hat. In Wolfratshausen existiert laut Frühauf eine Vereinbarung zwischen Polizei und Stadt. In Tölz und in Geretsried müssen die Beamten nachfragen.

Das Ganze sei aber recht theoretisch, sagt Andreas Rohrhofer, stellvertretender Leiter der Tölzer Inspektion. In den seltensten Fällen nämlich „haben Bettler größere Geldbeträge am Mann, meist sind es nur zwei, drei Euro“. Scheine würden in organisierten Banden sofort weitergegeben – und landen bei den unsichtbaren Hintermännern. Und überhaupt: „Bis wir vor Ort eintreffen, sind die Leute meist schon über alle Berge.“

Lesen Sie auch: Von Rumänien nach München - Den Bettlern auf der Spur

Heuer wurden in der Tölzer Inspektion bislang erst zwei Fälle von – wohl unorganisierter – Bettelei aktenkundig, was natürlich auch an dem ungemütlichen, schneereichen Winter lag. Es handelte sich um einen längst stadtbekannten Mann, „der wahrscheinlich aus München rausfährt“, so Rohrhofer. Im anderen Fall klingelte jemand an einer Haustür in Bad Heilbrunn. Birte Otterbach weiß noch von einer organisierten Bande, auf die im Januar der Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamts gestoßen war. „Die waren aber“, so die Rathaus-Sprecherin, „innerhalb eines Tages wieder verschwunden.“

Eine organisierte Bande von Rumänen und Ungarn hatte der Tölzer Polizei allerdings im vergangenen Sommer einige Arbeit beschert. „Die Leute hausten bei Kälte und ohne Waschmöglichkeit in Zelten im Wald, und das mit kleinen Kindern“, erinnert sich Dienststellen-Vize Rohrhofer. Gemeinsam mit dem Gesundheits- und Jugendamt habe man dem Treiben ein Ende bereitet. Nach Feststellung der Personalien durften die Leute zwar gehen, „aber nur gegen Vorlage einer Zugfahrkarte in ihre Heimat“.

peb

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