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Besuchermagnet: Kürzli ch begrüßten Badehaus-Vorsitzende Dr. Sybille Krafft (re.) und ihre Stellvertreter Jonathan Coenen (2. v. re.) mit dem Videokünstler Yochanan Rauert (2. v. li.) aus Münster den 3000. Besucher des Erinnerungsortes. Rauert war bei seiner Mutter, Christiane Rauert (li. ) aus Königsdorf, zu Besuch.

Grenze der Belastbarkeit erreicht

Badehaus: Darum wünscht sich der Betreiberverein eine Grundsicherung

Der Verein Bürger fürs Badehaus Waldram-Föhrenwald ruft um Hilfe: Die Besucher strömen ins Museum, aber finanziell steckt die Einrichtung in Schwierigkeiten.

Wolfratshausen – „Es ist großartig, dass unser Badehaus so viel Zuspruch findet“, stellt Dr. Sybille Krafft fest. „3000 Besucher in zehn Monaten hinterlassen aber auch ihre Spuren“, betont die Vorsitzende des Vereins. Sie resümiert: „Die Belastbarkeit der ehrenamtlichen Helfer ist mehr als überschritten. 18 000 Arbeitsstunden der Ehrenamtlichen haben sich unter anderem bei mehr als 200 Führungen und den Kassendiensten an drei Tagen pro Woche angesammelt. Gerne würden wir einen zweiten Bundesfreiwilligen einstellen, was wir uns aber finanziell nicht leisten können.“ Das ist für das Badehaus besonders ärgerlich, da der Verein laut Krafft eine Vielzahl an Bewerbern hatte, die gerne mitgearbeitet hätten.

Auch Rechnungen würden sich inzwischen auf dem Tisch des Vereins auftürmen. „Versicherungen, Heizkosten, die Müllabfuhr, Reinigungsfirmen, Schneeräumdienste und Wartungsarbeiten, alles muss bezahlt werden“, fasst die Journalistin, Autorin und Filmemacherin zusammen.

Öffentliche Hand soll einspringen

„Für den laufenden Museumsbetrieb haben wir bisher leider keinerlei Fördergelder aus öffentlicher Hand erhalten“, betont die Vorsitzende. Die Stadt Wolfratshausen hat sich zwar neben weiteren Förderern mit 500 000 Euro am Aufbau des Museums beteiligt. „Aber wer ein Kind in die Welt setzt, möchte ja auch, dass es wächst und gedeiht“, so Krafft. Deshalb wünscht sich die Vorsitzende jetzt eine monatliche Grundsicherung aus öffentlicher Hand für den Museumsbetrieb.

Bürgermeister Klaus Heilinglechner steht einer Bezuschussung von weiteren Beschäftigten offen gegenüber: „Es ist klar, dass ein rein ehrenamtlich geführter Betrieb auf Dauer schwierig ist, die hohe personelle Belastung leuchtet mir ein.“ Heiling-lechner bezeichnet sich zwar selbst als ursprünglichen Kritiker des Badehauses, freut sich aber dennoch über den Erfolg des Museums. „Es wäre schade, das Potenzial durch weniger Öffnungstage nicht voll ausschöpfen zu können. Man möchte das Museum ja auch vorzeigen“, findet der Rathauschef.

Verein will Antrag stellen

Sybille Krafft bleibt vorerst nichts anderes übrig als abzuwarten. „Der Verein wird einen Antrag stellen, über den dann der Kulturausschuss entscheidet“, erklärt der Wolfratshauser Bürgermeister. Eine positive Entscheidung wünscht sich Kulturreferent und Stadtratsmitglied Alfred Fraas: „Eine Grundsicherung für den Verein würde ich unterstützen und stehe einem entsprechenden Antrag offen gegenüber.“

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Besucher können sich im Badehaus über drei Phasen deutscher Zeitgeschichte informieren: Auf die Rüstungsindustrie der Nationalsozialisten folgte später ein Lager für jüdische Überlebende des Holocausts. Ab 1956 wurde das damalige Föhrenwald in Waldram umbenannt und zu einer Siedlung für katholische Heimatvertriebene. Diese Geschichte arbeitet das Museum auf. Mit dem neu geschaffenen Erinnerungsort rettete die Bürgerinitiative das Badehaus zudem vor dem Abriss.

Jonas Napiletzi

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