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Das war’s: Verwaltungsdirektor Dieter Lejko tritt Anfang September seinen Ruhestand an. Seit dem 1. August 1984 war er bei der Stadt Wolfratshausen beschäftigt, seit 1. April 1988 als Leiter des städtischen Bauamts.

Dieter Lejko im Interview

Bauamtsleiter geht in Rente: Vorher spricht er „typisches Wolfratshauser Problem“ an

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Der Wolfratshauser Bauamtsleiter Dieter Lejko geht Ende des Monats in den Ruhestand. Im Interview spricht er über Verdichtung, Kostenexplosionen und ein typisches Wolfratshauser Problem.

Wolfratshausen – Für seine Ehefrau Carola und seinen Kater „Campino“ (er stammt aus dem Tierheim) hat Dieter Lejko künftig mehr Zeit: Der Bauamtsleiter der Stadt Wolfratshausen, der seit 1959 in Geretsried lebt, tritt Ende dieses Monats seinen Ruhestand an. Lejko machte Abitur am Tölzer Gymnasium, absolvierte von 1978 bis 1981 seine Ausbildung bei der Landeshauptstadt München, arbeitete bis 1984 im Planungsreferat der Stadt München – und wechselte im selben Jahr zur Stadt Wolfratshausen. Redaktionsleiter Carl-Christian Eick sprach mit dem scheidenden Verwaltungsdirektor über Verdichtung, Nachbarn, die sich auf den Schlips getreten fühlen, Kostenexplosionen und ein Bauprojekt, an dem er sehr gerne mitgewirkt hätte.

-Herr Lejko, stimmt es, dass Sie sich schon zu Schulzeiten mit dem Thema Bauen befasst haben?

Stimmt. Bauen ist doch das Interessanteste überhaupt. Grundstücke, Bauen und Immobilien: Das hat mich schon als Schüler interessiert. Vielleicht haben mir das meine Eltern mit in die Wiege gelegt. Zu damaliger Zeit war es für viele der größte Traum, das eigene Haus bauen zu können.

-Ging’s 1984 bei der Stadt Wolfratshausen gleich in der Bauabteilung los?

Nein, zunächst habe ich zwei Jahre im Personalressort gearbeitet. Im Oktober 1986 bin ich in die Bauabteilung gewechselt und seit 1. April 1988 offiziell dessen Leiter. Zunächst Leiter der Bauverwaltung, dann später auch der Bautechnik.

-Was hat sich in den vergangenen Jahren in Ihrem Job gravierend verändert?

Es gibt keine, nennen wir es mal einfache Bebauungen mehr. Die Baugrundstücke in Wolfratshausen werden immer kleiner, und deswegen werden die Bauvorhaben immer komplexer, immer schwieriger. Durch die dichter werdende Bebauung fühlt sich häufig auch der Nachbar auf den Schlips getreten. Es gibt fast keinen Bauantrag mehr, zu dem nicht ein Nachbar sagt: „Das passt mir so nicht.“

-Die Verdichtung ist vielen Bürgern ein Dorn im Auge. Doch der Bauherr tut stets, was ihm das Gesetz erlaubt. Schmerzt Sie persönlich die Entwicklung in Wolfratshausen beziehungsweise in Ihrer Heimatstadt Geretsried?

Wie würde die Alternative zur Verdichtung aussehen? Die Landschaft würde nach und nach zugebaut. Und es ist letztlich eine Vorgabe des Wolfratshauser Stadtrates, zu verdichten. Mancher Stadtrat erinnert sich in gewissen Momenten zwar nicht daran, diese Vorgabe erteilt zu haben, doch das ist menschlich (lächelt). In Geretsried ist die Verdichtung sogar oberste Priorität – sowohl bei den politischen Entscheidungsträgern als auch im Bauamt.

-Mittlerweile geht’s neben der Verdichtung in die Höhe. Ist das der richtige Weg?

Ja. Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man dreigeschossig bauen sollte, weil so viel weniger Boden versiegelt wird und man trotzdem dieselbe Wohnfläche bekommt. Nur so lässt sich auch zu einem einigermaßen vernünftigen Preis bauen.

-Stichwort bezahlbarer Wohnraum: Steht die Kommune hier nicht in der Pflicht, etwas zu unternehmen?

Ja. Dazu nutzen wir unsere Städtische Wohnungsbaugesellschaft. Doch ich weiß schon heute: Wenn das aktuelle StäWo-Projekt auf der Coop-Wiese in Waldram fertiggestellt ist, werden einige sagen: „Mei, was für ein Klotz, die Stadt geht mit schlechtem Beispiel voran.“ Aber das ist die Krux: Wer bezahlbaren Wohnraum fordert, muss die Verdichtung in Kauf nehmen.

-Welches war für Sie das spannendste Bauprojekt?

Sehr interessant war die Entwicklung des neuen „kleinen Gewerbegebietes“ am Bürgermeister-Finsterwalder-Ring. In unmittelbarer Nähe zur Loisach war es sehr, sehr schwierig, das Areal zu entwickeln. Es war nicht leicht, dort eine Bebauung zu ermöglichen.

Was für mich, mit meiner Affinität zum Thema Grundstücke, auch spannend war,war die Entwicklung des ehemaligen Wolfratshauser Volksfestplatzes. Der ist bekanntermaßen an die Firmen Aldi und Rewe verpachtet worden. Da gibt’s bis heute zwei Fronten in Wolfratshausen. Aber zur damaligen Zeit war es für die Kommune quasi unabdingbar, langfristig Geldquellen zu erschließen. Das ist uns mit der Verpachtung des Areals zwischen Königsdorfer Straße und Hans-Urmiller-Ring gelungen.

-Was war für Sie privat das größte Bauvorhaben?

(lacht) Der Anbau an mein Häusl 2003 bei mir daheim. Das ist aber sehr schmerzfrei verlaufen, schließlich weiß ich, was geht und was nicht geht.

-Beim Bauamtsleiter der Stadt Wolfratshausen steht auch jeder Handwerker pünktlich vor der Tür ...

...nein! Dafür habe ich sogar manchmal Verständnis. Mal ist vielleicht ein Teil nicht geliefert worden, das die Handwerker brauchen. Bei mir gab’s stattdessen beim Umbau den Tag, an dem plötzlich alle Arbeiter auf einmal da waren.

-Das klingt nach schlechter Bauleitung ...

(lacht) ... das war ich nicht, damit hatte ich jemanden beauftragt. Aber die beteiligten Handwerker haben sich schließlich prima abgestimmt und alles hat wunderbar funktioniert.

-Haben Sie beim privaten Umbauprojekt etwas gelernt?

Ja. Man bekommt wirklich Hochachtung vor den Handwerkern, die immer bemüht sind – aber manchmal funktioniert das, was man sich vorgenommen hat, einfach nicht. Das ist dann ganz einfach ein Problem, das man vorher am grünen Tisch nicht einkalkulieren konnte.

-An welchem Bauprojekt weltweit wären Sie gerne beteiligt gewesen?

Am Bau der Elbphilharmonie in Hamburg.

-Aber da ist doch so viel schiefgelaufen ...

... genau das ist ja die große Herausforderung. Geht etwas schief, muss man es wieder hinkriegen. Das Thema Kosten lassen wir jetzt bei der Elbphilharmonie mal außen vor.

-Aber die Kostenexplosionen bei kommunalen Projekten – Beispiel Sanierung der Waldramer Schule – sind doch ungeheuerlich.

Wieso? Es war eine Kostensteigerung um weniger als 20 Prozent. Ich werde die Kritik an den angeblich so hohen Kosten wie bei der Waldramer Schule, bei der sich so viel Unvorhersehbares aufgetan hat, nie verstehen.

Wir hatten das Objekt auf Asbest-Altlasten untersuchen lassen und es hieß: „Alles okay.“ Doch dann hat man bei der Sanierung eben doch Asbest gefunden. Das kostet gleich mal drei, vier Wochen zusätzliche Arbeit und 100 000 oder 200 000 Euro zusätzlich. Und dann wurden bei laufender Sanierung neue Wünsche der Politik und des Kinder- und Jugendfördervereins laut. Auch die Umsetzung dieser Wünsche hat Zeit und Geld gekostet. Zunächst betrugen die geschätzten Gesamtkosten rund 8,2 Millionen Euro – ohne Inventar wohlgemerkt. Am Ende waren es knapp elf Millionen Euro. Das ist natürlich nicht schön, aber bei einem Projekt in dieser Größenordnung und den Begleitumständen vertretbar.

 Ein Wort noch: Es hat in den vergangenen Jahren auch immer wieder Gewerke gegeben, die die Stadt weniger gekostet haben, als zunächst angenommen.

-Die eigenen vier Wände bleiben für viele Wolfratshauser angesichts exorbitanter Baupreise unerschwinglich. Wird sich das auf absehbare Zeit ändern?

Solange das Zinsniveau auf diesem niedrigen Niveau bleibt, fürchte ich, dass Bauen teuer bleibt.

-Die Stadt Wolfratshausen hat Millionen Euro auf der hohen Kante, Kredite gibt’s fast geschenkt: Wäre es nicht an der Zeit, dass die Stadt ihre Immobilien – ein Beispiel ist das Gebäude am Untermarkt 10 – sanieren lässt?

Das müssen Sie die politischen Entscheidungsträger, sprich den Stadtrat fragen. Ganz persönlich:Dass die Stadt die Sanierung des Untermarkts 10 nicht selbst in die Hand nimmt, sondern das Objekt in Erbpacht einem Investor überlassen möchte, tut mir weh. Die Idee, dass die Stadt das Gebäude saniert und dann ein Bürgerladen als Nahversorger einzieht, hatte für mich Charme.

-Gibt es kommunale Bauvorhaben, bei denen Ihnen rückblickend der Schweiß ausbricht?

Ja – das nicht verwirklichte neue Stadtarchiv am Loisachufer (ein Bürgerentscheid brachte das Projekt im Mai 2014 zu Fall, Anm. d. Red.). Weniger wegen des Archivs, sondern weil das Projekt der Startschuss für die Umgestaltung des westlichen Loisachufers gewesen wäre. Dadurch, dass das damals nicht geklappt hat, wird die Uferneugestaltung mutmaßlich erst erfolgt sein, wenn Sie auch schon in Rente sind.

-Die Stadt hat es seinerzeit beim Archivprojekt offenbar versäumt, den Souverän mit ins Boot zu holen. Die Quittung bekam die Kommune bei einem Bürgerentscheid...

(zögert) Sie können „den Bürger“ nicht in jedes Gremium einladen und über die Stadtentwicklung mitentscheiden lassen. Wir wählen bei jeder Kommunalwahl Bürgervertreter, die Stadträte. Der Standort fürs neue Stadtarchiv hatte sich für den Stadtrat ganz objektiv aufgrund der Lage am Loisachufer angeboten. Es gab ja fast nur einstimmige Beschlüsse, und das ist für mich und mein Team unterm Strich frustrierend. Du arbeitest und arbeitest – am Ende für den Papierkorb.

-Wenn Sie am 31. August das Rathaus verlassen: Was würde Sie freuen, wenn es in naher Zukunft vorangetrieben würde?

Dass das ehemalige Isar-Kaufhaus wieder belebt wird. Das ist ganz wichtig für unsere Stadt. Ähnliches gilt für die Entwicklung des Kraft-Areals am S-Bahnhof. Jedes Gutachten besagt, dass wir in puncto Nahversorger unterversorgt sind. Auf dem Kraft-Areal würden wir einen großen Nahversorger bekommen. Nicht zu vergessen die S-Bahn-Verlängerung nach Geretsried...

-...wie viele Aktenordner haben Sie zur geplanten S 7-Verlängerung gelesen?

(lächelt) Reichlich. Aber das ist ja auch ein Thema, mit dem ich quasi seit Beginn an befasst bin.

-Viele Projekte werden in Wolfratshausen zerredet, lautet ein häufig geäußerter Vorwurf.

Ja, da ist etwas dran. Manche Bedenken werden an den Haaren herbeigezogen, das ist vielleicht tatsächlich ein typisches Wolfratshauser Problem. Das schaut in Geretsried anders aus. Da steht der Stadtrat in der Regel öffentlich geschlossen hinter einem Projekt. Sie werden in Geretsried auch keinen Stadtrat finden, der einen Leserbrief schreibt.

-Welches war das ungewöhnlichste – um nicht zu sagen verrückteste – Bauvorhaben, mit dem Sie sich befassen mussten?

Es gab nie einen Bauantrag – aber die Idee, über unserer schönen Loisach ein Parkhaus zu bauen, war mit Verlaub schon sehr seltsam (schmunzelt).

-Was werden Sie ab  dem  1.  September vermissen?

Mein Team, mit dem über die Jahre auch private Kontakte entstanden sind.

-Was haben Sie sich für Ihren Ruhestand vorgenommen?

Nichts Konkretes. In das berühmt-berüchtigte Loch werde ich aber bestimmt nicht fallen. cce

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