Moritz Kubin (li.) beaufsichtigt die Arbeiten im Bergwald.
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Einsatz an der Hangkante: Moritz Kubin beaufsichtigt die Arbeiten im Bergwald.

Arbeiten am Abgrund

Warum am Wolfratshauser Bergwald Bäume gefällt werden

  • Sabine Hermsdorf-Hiss
    vonSabine Hermsdorf-Hiss
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Momentan ist am Bergwald richtig was los. Mit schwerem Gerät werden überwiegend Laubbäume entfernt. Das hat einen einfachen Grund.

Wolfratshausen – Langsam fährt Josef Thalhammer vom gleichnamigen Holzverarbeitungsbetrieb in Ascholding mit dem schweren Schlepper bis an den Rand des Plateaus mitten im Bergwald. Vor ihm fällt der Hang im 45-Grad-Winkel steil nach unten ab. Oberhalb der Obdachlosenunterkunft an der Münchner Straße sollen auf einem etwa 1,5 Hektar großen Gebiet 35 Bäume gefällt werden. „Zwei Fichten, der Rest sind Laubbäume“, erklärt Robert Nörr, Revierleiter der Forstdienststelle Wolfratshausen. Neben ihm steht Moritz Kubin vom Maschinenring. Er fungiert vor Ort als Einsatzleiter und achtet unter anderem darauf, dass sich kein Spaziergänger innerhalb des abgesperrten Gebiets aufhält. „Im Großen und Ganzen halten sie sich daran. Und wenn nicht, gibt es keine Diskussionen. Holzfällarbeiten bedeuten Gefahr.“

Einer der Gründe für die Arbeiten oberhalb der Stadt ist die Verkehrssicherungspflicht. „Der Bergwald wird von vielen zum Spazierengehen und zu Besuchen des Erlebnispfads genutzt“, sagt Nörr und deutet auf eine knapp 20 Meter entfernte Station. Zudem ist dieser Waldabschnitt sehr dunkel. „Damit eine natürliche Erneuerung stattfinden kann, brauchen die Jungpflanzen Licht.“ Ebenso besteht die Gefahr, dass die Bäume, wenn sie zu dicht stehen, miteinander um das Licht konkurrieren. „Sie stecken ihre Kraft in den oberen Bereich, was bedeutet, dass die Wurzelbildung vernachlässigt wird. Ergo: Der Baum hat nicht den Halt, den wir uns wünschen“, so Nörr. Apropos Konkurrenz: Am oberen Waldrand stehen Eichen, deren Kronen vielen verschiedenen Insekten eine Heimat bieten. „Hier müssen Buchen, die wiederum in diese Kronen hineinwachsen, entfernt werden.“

Millimeterarbeit: Josef Thalhammer zieht mit schwerem Gerät einen Stamm aus dem Hang nach oben.

Thalhammer hat inzwischen den Greifarm des Schleppers ausgefahren und wartet. Einer seiner Kollegen, der mitten auf dem Abhang steht, befestigt einen gefällten Buchenstamm an einer Seilwinde. Langsam zieht der Schlepper das tonnenschwere Holzstück nach oben, bis es in den Bereich des Greifarms kommt. Thalhammer übernimmt und wuchtet den Stamm auf eine Sammelstelle. „Um die Stationen herum räumen wir auf“, sagt Nörr. „Aber es bleibt noch genug Totholz übrig, das von den verschiedensten Organismen genutzt werden kann.“

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2008 fand an dieser Stelle die letzte Fällaktion statt. „Wenn man so etwas macht, muss man etwa zehn Jahre vorausdenken“, erklärt der Revierförster. „Wie entwickelt sich der Wald? Was will man erreichen?“ Bis Mitte dieser Woche sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann ist es an dieser Stelle wieder still im Bergwald – bis 2030 die Arbeiter erneut anrücken.

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