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Der Rohbau steht: Drei Mehrfamilienhäuser baut die Firma Krämmel auf einem Grundstück an der Gebhardtstraße. Die Klagen von drei Anwohnern gegen das Projekt wurden abgewiesen. 

Für Grünen-Sprecher „ein Wahnsinn“

Bauprojekt an Gebhardtstraße: Stadtrat klagt gegen Landratsamt – aber ohne Erfolg

Das Krämmel-Projekt an der Wolfratshauser Gebhardstraße war ein großer Aufreger. Grünen-Sprecher Schmidt hält das ganze Vorhaben für unzulässig und reichte Klage ein. 

Wolfratshausen – Es war ein großer Aufreger: Die Firma Krämmel bebaut auf dem ehemaligen Kuetgens-Grundstück zwischen Gebhardt- und Heiglstraße ein größeres Areal. Auf 3000 Quadratmetern entstehen drei Mehrfamilienhäuser mit 26 Wohneinheiten. Die einstige Villa ist bereits abgerissen. Zudem verschwindet auf einem Nachbargrundstück eine Doppelgarage, um eine neue Hauptzufahrt von der Heiglstraße aus zu bauen. Das Vorhaben erhitzte die Gemüter auch deshalb, weil Bürgermeister Klaus Heilinglechner im Sommer 2016 das Projekt im Alleingang durchgewunken hatte, der Stadtrat erfuhr nichts davon. Dieses Vorgehen ist zwar rechtmäßig, wurde aber von einigen Stadträten kritisiert. Das Landratsamt stimmte den Plänen zu. 

Der Sprecher der Grünen-Fraktion, Dr. Hans Schmidt, hält das ganze Bauvorhaben für unzulässig. Zusammen mit zwei weiteren Anwohnern reichte Schmidt, der selbst in der Nähe des Grundstückes wohnt, beim Verwaltungsgericht Klage ein. „Die Kammer hat unsere Klage abgewiesen“, erklärte Schmidt in der Bauausschuss-Sitzung am Mittwoch. Laut Marlies Peischer vom Landratsamt stimmt das nicht ganz: „Das Gericht gab zu erkennen, dass die Klage wenig Aussicht auf Erfolg hat.“ Daraufhin sei die Klage zurückgezogen und das Verfahren eingestellt worden. „Es gab einen Einstellungsbeschluss, kein Urteil.“ 

Aber: Laut Schmidt kam das Gericht zu dem Schluss, dass das Bauvorhaben den Anwohnern gegenüber nicht „rücksichtslos“ sei, was eine Ablehnung rechtfertigen würde. Das sieht der Wolfratshauser anders und rechnet vor: „Das größte Mehrfamilienhaus in der näheren Umgebung hat einen Grundriss von etwa 30 mal 11 Meter. Das größte Haus des Bauvorhabens hat einen Grundriss von 32 mal 15,5 Meter. Also 50 Prozent mehr Grundfläche als die benachbarte Wohnbebauung.“ Etwas emotionaler formuliert Schmidt sein Anliegen im Gespräch mit unserer Zeitung: „Das ist Wahnsinn. So ein Projekt ist nicht zustimmungsfähig.“ Der Bauausschuss habe bislang auch bei deutlich kleineren Verstößen, also Überschreitungen von zehn Prozent, solche Projekte abgelehnt. 

„Es ist kein Entscheidungskriterium, ob ein Stadtrat in der Nähe des Grundstücks wohnt“

Bürgermeister Heilinglechner stellt im Gespräch mit unserer Zeitung kühl fest: „Es ist kein Entscheidungskriterium, ob ein Stadtrat in der Nähe des Grundstücks wohnt.“ Dass er, Heilinglechner, in dem Fall ohne Einbeziehung der Stadträte entschieden hat, liege im Rahmen seiner Möglichkeiten. Würde man – wie von Schmidt gefordert – den Ausschuss noch häufiger bei derlei Bauvorhaben einbinden, „hätten wir zig Tagesordnungspunkte“. Außerdem würden Genehmigungsverfahren dadurch „viel länger dauern“. Dass es im konkreten Fall Bürgerproteste gab, wundert den Rathauschef nicht: „Bauprojekte bieten immer einen gewissen Zündstoff.“ 

Die Arbeiten, die seit rund einem Jahr laufen, waren von den Klagen nicht betroffen. „Wir hatten eine gültige Baugenehmigung“, erklärt Unternehmens-Sprecherin Veronika Brand. Lediglich den Vertrieb hatte die Firma Krämmel zwischenzeitlich eingestellt. Die Wohnungen sind begehrt: „Es gibt ein großes Interesse, und wir haben viele Reservierungen“, sagt Brand. Im August sollen alle drei Häuser im Rohbau fertig sein. Wann die Baumaßnahme beendet ist, kann Brand noch nicht sagen. Für Schmidt ist nicht nur das Ergebnis der Verhandlungen enttäuschend. Auch finanziell gehen die Kläger als Verlierer aus dem eingestellten Verfahren. „Die Klage hat jeden Kläger deutlich mehr als 1000 Euro gekostet, trotz Rechtsschutzversicherung“, klagt der Grünen-Stadtrat. Sechs weitere Projektgegner hätten aufgrund der hohen Kosten von einer Klage abgesehen.

Dominik Stallein 

Lesen Sie auch: Baugenossenschaft zum Wohnen in Wolfratshausen: „Es landet niemand auf der Straße“

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