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Haben den grünen Daumen: Vorsitzender Walter Daffner sowie (v. li.) Katrin Meier, Gerlinde Menna, Anne Zurek, Bärbl Oßler, Gabi Kerndl und Christine Meyer vom Garten- und Verschönerungsverein Wolfratshausen.  

Garten- und Verschönerungsverein Wolfratshausen

Frühstück mit Nachwuchssorgen: Ein Besuch im Vereinsgarten am Gipsenweg

Im Garten des Garten- und Verschönerungsverein Wolfratshausen am Gipsenweg wird fleißig gearbeitet. Zur Belohnung kommen die Mitglieder beim Frühstück zusammen. Ein Besuch.

Wolfratshausen Sie säen, pflanzen, gießen, jäten, ernten vom Frühling bis in den Spätherbst hinein. Doch zweimal im Jahr genießen die Mitglieder des Garten- und Verschönerungsvereins Wolfratshausen gemeinsam die Früchte ihrer Arbeit. Im Juli und im September treffen sie sich im Vereinsgarten am Gipsenweg zum Frühstück, zu dem jeder etwas mitbringt. Dieser Tage war es wieder soweit.

Schnell füllen sich an diesem Samstag die Biertische mit den selbst gemachten Brunch-Zutaten. Die Erdbeer- und Johannisbeermarmeladen hat Gabi Kerndl in den Tagen zuvor ganz frisch eingekocht. Christine Meyers Kräuterquark ist aus Frischkäse, Feta und allem gesunden Grünzeug, das die die Natur zu bieten hat, komponiert. Andere Hobbygartler – etwa 20 sind es an diesem sonnigen Vormittag – haben salziges Gebäck und Kuchen beigesteuert, erfrischende Säfte gemixt, Obst geschnippelt, Kaffee und Tee gekocht sowie Brezen und Semmeln gekauft. Während die Frauen und Männer die Köstlichkeiten verspeisen, werden Rezepte und das Wissen um Heilkräuter ausgetauscht. So erfährt man zum Beispiel, dass der Ysop aufgrund seiner schweißhemmenden und kreislaufstärkenden Wirkung ein wunderbares „Sommerkraut“ ist.

Gedacht war das Frühstücksbuffet auch als Einladung an interessierte Bürger, um den Verein und dessen Wirkungsstätte in ungezwungener Atmosphäre kennenzulernen. Doch man bleibt weitgehend unter sich. Das heißt, ein älterer Herr aus der Nachbarschaft, der schon öfters neugierig über den Zaun gespäht hat, schaut spontan herein. Bevor er gegen Mittag wieder geht, unterschreibt er sogar eine Beitrittserklärung. Kassiererin Katrin Meier freut sich, Eifion Philips (69) in den Reihen der aktuell 115 Gartenfreunde begrüßen zu dürfen.

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Männliche Unterstützung bei der Arbeit können die derzeit besonders aktiven Damen Gerlinde Menna, Anne Zurek, Bärbl Oßler und Christine Meyer gut brauchen. Sie haben sich den gemütlichen Ratsch bei Kaffee und Butterbrezen im Schatten eines Sonnenschirms redlich verdient. Jeden zweiten Tag kommt Christine Meyer bei der Hitze zum Gießen. Das Regenwasser dafür sammelt der Verein in mehreren großen Tonnen. Auch vor dem Umgraben, Unkrautjäten und anderen undankbaren Aufgaben drückt sich Meyer nicht. „Das Werkeln im Garten ist mein Ausgleich zum Büro“, sagt die 58-Jährige.

Katrin Meier ist ebenfalls zur Stelle, wenn sie gebraucht wird. Wie so viele Mütter unter den Mitgliedern gelangte sie durch Gabi Kerndl zum Verein. Die ehemalige Erzieherin gründete 2011 eine Kinder- und Jugendgruppe. Zunächst pflanzte und erntete man in Kerndls Privatgarten. 2013 stellte die Stadt dem Verein auf Initiative der damaligen Vorsitzenden Brigitte Roth das Grundstück neben dem Spielplatz am Gipsenweg zur Verfügung. Vor allem der Nachwuchs sollte hier die Zusammenhänge der Natur entdecken. Eine Imkerin, Claudia Kraft, ließ sich mit zwei Bienenstöcken auf dem Grundstück nieder, was eine zusätzliche Attraktion für die Kinder darstellte.

Mit allen Sinnen: So genießt dieser Wolfratshauser den Sommer im Gemeinschaftsgarten

Dass sich die Gruppe aufgelöst hat, ist auch Thema beim Frühstückstreff. „Am Interesse der Kinder mangelte es nicht. Aber es fand sich kein Gruppenleiter“, bedauert Kerndl, die sich nach acht Jahren eine Ablösung gewünscht hätte. Vorsitzender Walter Daffner sagt, der Altersdurchschnitt in dem 1896 gegründeten Verein sei ziemlich hoch. Viele ehemals Aktive seien inzwischen 70 bis 80 Jahre alt. Es fehlten engagierte Jüngere, die Verantwortung etwa in Form der Gruppenleitung übernähmen.

Ansonsten ist das Vereinsleben sehr rege. Margit Täubel schwärmt von der Geselligkeit. Mit 82 Jahren helfe sie nur noch gelegentlich im Vereinsgarten, aber zu den Treffen, Festen und Vorträgen komme sie so oft wie möglich. Der Höhepunkt ist für sie, wie für viele andere Mitglieder, der jährliche Busausflug. Das Reiseziel hat immer einen Bezug zu Gärten. So besichtigte man am Comer See den berühmten botanischen Park der Villa Carlotta und fuhr nach Heilbronn zur Bundesgartenschau.

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Nach dem Frühstück packen alle mit an beim Aufräumen. Es wird noch ein Blick auf die Beete geworfen, ob alles in Ordnung ist. Um die Blumen schwirren Insekten und Schmetterlinge. Heimische Pflanzen bevorzugt der Gartenverein nicht erst seit dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Schon immer wurde naturnah angebaut. Die Samen von bewährten, alten Tomatensorten werden jedes Jahr gesammelt und neu ausgesät. Bei den Kartoffeln schwört Katrin Meier auf die Bio-Sorte „Gitta“. Künstlicher Dünger und Pestizide sind tabu. Diese Liebe zur Natur war beim Frühstück bei jedem Bissen zu schmecken.

Tanja Lühr

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