Fast wie vor Corona lassen es sich die Gäste im Garten des „Landhaus Café Restaurant und Hotel“ in Wolfratshausen schmecken. Aufgrund der Pandemie gelten aber ein paar neue Regeln.
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Fast wie vor Corona lassen es sich die Gäste im Garten des „Landhaus Café Restaurant und Hotel“ in Wolfratshausen schmecken. Aufgrund der Pandemie gelten aber ein paar neue Regeln.

„Die ersten Tage waren super“ 

Biergärten seit einer Woche wieder geöffnet: Wirte ziehen weitgehend positives Fazit

Seit einer Woche haben Biergärten wieder geöffnet, an diesem Montag geht es auch in den Gasträumen weiter. Die Wirte sind zufrieden - auch wenn nicht jeder die neuen Regeln versteht.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Seit einer Woche herrscht wieder Leben in Bayerns Biergärten. Den Tag hatten viele rot im Kalender markiert: Am Montag, 18. Mai, durften Wirte ihre Außengastronomie wieder aufnehmen. Nach den ersten sieben Tagen fällt ihr Fazit weitestgehend positiv aus. In den meisten Restaurants und Cafés im Landkreis herrschte trotz Maskenpflicht beim Aufstehen und der Begrenzung auf kleinere Besuchergruppen reges Treiben.

Alexandra Steiner, Betreiberin des „Landhaus Café Restaurant und Hotel“ in Wolfratshausen hatte sich für einen großen Ansturm an Biergarten-Besuchern und Sonnenanbetern gerüstet. „Wir haben zwar einige Tische entfernen müssen, um die Abstände einhalten zu können“, sagt erklärt sie, „dafür haben wir im Innenhof noch einige Tische aufgestellt, um dort auch Gäste begrüßen zu können.“ Vom Ausweichbiergarten musste die Gastronomin aber bisher nur selten Gebrauch machen: „Es kamen weniger Besucher, als wir vermutet hätten.“

Warum die ganz große Welle an Biergarten-Fans bislang ausgeblieben ist? Vielleicht auch deshalb, weil große Gruppen oder Treffen mit mehr als zwei Haushalten bislang noch nicht erlaubt sind, vermutet Steiner. „Die meisten kommen zu zweit oder zu dritt. Wenn es doch mal mehr Kunden auf einmal sind, dann nur als Familie.“

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Jeder Gastronom muss eine Liste mit seinen Gästen führen, damit im Falle einer Corona-Infektion eines Gastes die anderen Besucher kontaktiert werden können. Wer an einem Tisch im Biergarten an der Sauerlacher Straße Platz nimmt, muss daher mit seinem Smartphone „einchecken“. Über einen QR-Code wird der Gast auf eine Plattform weitergeleitet, wo er seine Kontaktdaten hinterlegt. „Die meisten finden diese Online-Anmeldung ganz gemütlich“, berichtet Steiner. Wenn jemand kein Handy hat, helfe eine Bedienung.

Diese namentliche Anmeldung beim Biergarten-Besuch sorgte bei Pino Tedesco in der ersten Woche immer wieder für Gesprächsstoff. Der Chef des Ristorante Pinocchio in Münsing musste seinen Kunden regelmäßig erklären, warum er als Gastronom diese Daten von seinen Besuchern abfragen muss. „Das haben nicht alle verstanden“, sagt Tedesco. Dabei seien die Vorgaben vom Gesundheitsministerium unmissverständlich: „Wir müssen das machen, ob wir wollen oder nicht.“ Zum Glück seien solche Diskussionen aber noch die Ausnahme – und meistens nach einem kurzen Gespräch aus der Welt geräumt. „Ich glaube, 80 Prozent der Gäste haben es von Anfang an verstanden und akzeptiert.“

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Mit Maske und höchsten einem weiteren Haushalt steht dem Besuch der beliebten Pizzeria darüber hinaus nichts im Wege. Auf der weitläufigen Terrasse des Restaurants am Hartlweg hätten in der ersten Woche der Wiedereröffnung viele Kunden Pizza und Pasta genossen, berichtet Tedesco. „Die meisten waren richtig froh, dass es wieder losgegangen ist.“ Seine Bilanz: „Die ersten Tagen sind für uns super gewesen.“

Auch im Eiscafé L’Arena in Geretsried waren die Sitzplätze gut belegt. „Es sind viele Leute gekommen“, sagt Maria Faulisi. „Bei uns ist gut was los.“ Teilweise mussten einige Kunden sogar ein paar Minuten warten, bis etwas frei wurde. „Das ist bei uns aber nicht so schlimm, weil die meisten Besucher nicht so lange bleiben wie in einem Restaurant“, sagt die Eiscafé-Chefin.

In der Sonne an der Adalbert-Stifter-Straße starteten die Geretsrieder mit großen Eisbechern und Kaffee-Spezialitäten in die Biergarten-Saison – wenn auch unter anderen Bedingungen als in den vergangenen Jahren. „Wir haben im Moment etwa 30 Sitzplätze weniger als im Normalbetrieb“, sagt Faulisi. So sei es möglich, dass zwischen den einzelnen Tischen „schön viel Platz bleibt“, meist trennen die Gruppen drei Meter. „Dann ist auch der Durchgang nicht so beengt, und wir haben immer den Mindestabstand.“

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Trotzdem müssen die Kunden auch hier eine Maske über Mund und Nase ziehen, wenn sie vom Tisch aufstehen. „Das läuft zwar ganz gut, aber ich habe das Gefühl, dass einige Besucher davon ein bisschen verunsichert sind“, so Faulisi. Vollständig klar sind die Regeln noch nicht jedem Besucher. „Manchmal werden wir gefragt, wann man eine Maske tragen muss und wieso man seine Kontaktdaten angeben muss.“ Faulisi und ihre Bedienungen würden sich Zeit nehmen, um zu erklären, dass das nötig ist, damit das Eiscafé überhaupt wieder öffnen darf, berichtet die Eiscafé-Chefin. „Diejenigen, die es dann trotzdem noch stört, nehmen sich ihr Eis mit und essen es irgendwo draußen.“ Neu in der Außenfläche des L’Arena ist ein Desinfektionsmittelspender. Der erste sei gestohlen worden. Der neue wurde deshalb fest montiert.

Wenn ab diesem Montag auch der Betrieb in den Gasträumen wieder erlaubt wird, stehen im Wolfratshauser Landhaus-Café wieder mehr Plätze zur Verfügung. Vom Frühstück bis zum Feierabend-Bier – also von 8 bis 22 Uhr – möchte Alexandra Steiner das Restaurant öffnen. „Es ist schön, dass wir dann wieder so etwas wie normalen Betrieb haben können“, findet die Gastronomin. Nach Wochen der Zwangsschließung sei das für Gäste und Gastronomen ein wichtiger Schritt hin zur gewohnten Restaurantkultur.

Auch Pino Tedesco ist froh, den Innenraum des Ristorante Pinocchio wieder öffnen zu dürfen. „Wir müssen ein paar Tische frei lassen, aber haben genügend Platz für unsere Kunden, die sich schon lange darauf freuen.“ Unklar ist für den Wirt, warum ein Betrieb im Restaurant länger erlaubt ist, als im Biergarten, wo um 20 Uhr Zapfenstreich ist. „Das verstehe ich nicht – und viele Kunden vermutlich auch nicht.“ Die meisten Restaurants – wie auch das Pinocchio und das Landhaus-Café – haben während der corona-bedingten Schließung Essen zum Mitnehmen angeboten. Letzteres hatte sogar einen Lieferservice installiert. Den möchte Steiner auch weiterführen, wenn der gewohnte Betrieb wieder angelaufen ist. „Das wurde gut angenommen, und gerade beim Liefern hat man mal etwas mehr Zeit gehabt, um sich mit den Menschen am Gartenzaun zu unterhalten.“

Dominik Stallein

Ärger um die Maskenpflicht im Biergarten gab es in der Jachenau einige Zeit später. Eine Wirtin gab nach einer Gäste-Beschwerde Konter - und trat damit eine Facebook-Debatte los.

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