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Konstantin Samhaber verstarb im Alter von 54 Jahren.

Nachruf

Emotionaler Abschied von „Konny“ Samhaber

Als Konny kannten ihn viele in Wolfratshausen. Am Samstagabend ist Konstantin Samhaber mit 54 Jahren plötzlich verstorben. 

Wolfratshausen/Icking – „Hilfsangebote anzunehmen war schwer für ihn. Freiheit ging ihm über Bequemlichkeit“, erinnert sich Ines Lobenstein. Die Obdachlosenbeauftragte der Caritas war eine von rund 30 Trauergästen, die sich am Sonntagnachmittag bei einer spontanen Gedenkfeier am Wolfratshauser S-Bahnhof einfanden. Dort endete am frühen Samstagabend abrupt das Leben von Konstantin Samhaber.

Der 54-Jährige, den seine Freunde Konny nannten, übernachtete selbst bei zweistelligen Minusgraden immer im Freien. Aufgewachsen in Icking, schloss er sich in jungen Jahren den Gebirgsjägern an. Dort musste Samhaber schwer bepackt die Gipfel erklimmen und widrigen Wetterumständen trotzen. Auch bei Auslandseinsätzen in der einstigen Krisenregion Kosovo riskierte er als Bundeswehrsoldat sein Leben. Vergleichsweise harmlos mutet da seine spätere Tätigkeit als Türsteher der ehemaligen Wolfratshauser Diskothek „Sound“ an.

Wie es zum Bruch mit seiner Familie und seinen zwei Kindern kam? Das blieb Konnys Geheimnis. Fakt ist, dass der Obdachlose im Bahnhofskiosk von Dani David eine neue Heimat fand und sich dort als freundlicher Helfer unentbehrlich machte. „Ich kannte ihn seit 14 Jahren“, berichtet David. Als sie im Oktober 2017 die Leitung des Kiosks übernahm, bot sich Samhaber sofort als Helfer an. „Er stand bei jeder Bierlieferung um 7 Uhr morgens bei mir auf der Matte, trug unzähliche Kästen in den Lagerraum und wollte danach allen Ernstes auch noch die Tasse Kaffee bei mir zahlen“, erinnerte sich die 38-Jährige.

Die Unfähigkeit beziehungsweise Scham, Hilfe und kleine Geschenke anzunehmen, prägte seine letzten Lebensjahre. Nahezu jeden Tag verbrachte Konny am Kiosk oder packte gelegentlich an, den auf der Straße liegenden Müll zu beseitigen. Im Schnellimbiss am S-Bahnhof trank er seinen Kaffee, wenn der Kiosk gegenüber geschlossen hatte. So auch am vergangenen Samstag. Drei Tage vor Weihnachten feierte Samhaber zunächst mit den Stammgästen im Außenbereich des Kiosks die Jahresabschlussfeier und wärmte sich dann im Schnellimbiss im Bahnhofsgebäude auf. Dort brach er um 17.30 Uhr plötzlich zusammen. „Wir haben versucht, ihn wiederzubeleben“, erinnert sich Sara Rollo. Die 17-jährige Schülerin rief mit ihren Freundinnen den Notarzt, der aber nur noch den Tod von Samhaber feststellen konnte.

Der Zeitpunkt und der Ort der Beerdigung standen bei Redaktionsschluss unserer Zeitung noch nicht fest. Bis dato drückten mehr als 200 Menschen ihre Trauer in sozialen Netzwerken wie Facebook aus.

„Wir werden auf jeden Fall dafür sorgen, dass Konny ein anständiges Begräbnis bekommt“, verspricht sein langjähriger Wegbegleiter Rudi Feilhauer. 

Peter Herrmann

Lesen Sie auch: 21-Jähriger überfahren - Angehörige können seine Beerdigung nicht bezahlen

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