+
Gedenken an Westerwelle und Genscher: Die FDP nahm sich bei ihrem Landesparteitag in der Loisachhalle auch Zeit für leise Töne.

Kraftakt mit Bratensemmel

Rundumschlag der Bayern-FDP bei ihrem Landesparteitag

Wolfratshausen – Livestream, Gedenkminute, politischer Rundumschlag: Beim Landesparteitag der Bayern-FDP in der Loisachhalle holen die Politiker weit aus.

Wenige Minuten vor der Eröffnung am Samstagvormittag wirkte Robert Weiß noch ziemlich nervös. Im Januar hatte der FDP-Kreisvorsitzende mit den Vorbereitungen für die Ausrichtung des 72. Landesparteitags der Bayern-FDP in Wolfratshausen begonnen. „Zwölf von 38 Mitgliedern haben aktiv mitgeholfen, dass an diesem Wochenende alles glatt geht“, berichtete Weiß. In der Nacht zum Samstag wurde es ernst: „Wir haben in der Loisachhalle umgeräumt. Das war ziemlich anstrengend“, sagte Weiß. Der Kraftakt hat sich gelohnt. Nachdem der ehemalige Bundestagsabgeordnete Jimmy Schulz den Parteitag offiziell eröffnet hatte, lobte er auch den Kreisvorsitzenden und sein Helferteam: „Willkommen im wunderschönen Wolfratshausen, liebe Freunde der Freiheit. Was hier geleistet wurde, geht über den normalen Standard hinaus.“

Jede Minute der zweitägigen Veranstaltung konnte über einen Livestream im Internet empfangen werden. WLAN-Anschlüsse und Steckdosen an den Pressetischen waren ein Service, den es bei anderen Wolfratshauser Großereignissen wie dem Starkbierfest oder der Sportlergala nicht gibt. Eine Reporterin der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg kämpfte zunächst zwar noch mit einem widerspenstigen Anschluss, konnte ihre Eindrücke dann aber doch online in die Redaktion senden.

Leider schien die Grußrede des Wolfratshauser Bürgermeisters Klaus Heilinglechner nicht alle der rund 400 Tagungsteilnehmer zu interessieren. Laute Gespräche während seines Vortrags waren eher die Regel als die Ausnahme. Erst als der Rathauschef seine kurzen Ausführungen über die Geschichte Wolfratshausens beendete und den vor kurzem verstorbenen ehemaligen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher würdigte, brandete zum ersten Mal Applaus auf. „Er hätte mit seinem diplomatischen Talent die Flüchtlingskrise vielleicht teilweise vermeiden können“, glaubt Heilinglechner.

Robert Weiß begann derweil schon einmal Spenden für den Kinder- und Jugendförderverein Wolfratshausen zu sammeln. Ein Engagement, das auch der Vorsitzende des Regensburger FDP-Verbandes, Ulrich Lechte, anerkannte. „Hebt Euch aber noch ein bisschen Geld für die Jungen Liberalen auf. Die kommen nachher auch noch zu Euch“, kündigte er an.

Danach wurde es für kurze Zeit ganz still in der Halle. In einer Gedenkminute erinnerten sich die Liberalen nicht nur an herausragende Führungspersönlichkeiten wie Hans-Dietrich Genscher und Guido Westerwelle, sondern auch an verstorbene regionale Vertreter wie beispielsweise den früheren Geretsrieder FDP-Sprecher Waldemar Küpfer.

Diese Ruhe sollte indes nicht lange währen. Der bayerische Landesvorsitzende Albert Duin holte in seiner Rede zu einem Rundumschlag gegen nahezu alle Parteien und den Staat aus, der die Unternehmer seiner Ansicht nach mit einem Übermaß an Bürokratie und Regulierung gängelt. „Es ist einfach irre. Die wollen jedes potenzielle Risiko abschaffen, aber was sie dabei wirklich abschaffen, ist unsere Freiheit. Das alles zeigt: Es fehlt einfach die liberale Stimme“, wetterte Duin.

Nachdem er mit donnerndem Applaus verabschiedet worden war, füllte sich auch das Foyer. Dort warben auf dem „Markt der Möglichkeiten“ Industrie- und Verbändevertreter unter anderem für die Durchsetzung der dritten Startbahn für den Münchner Flughafen. Manch einer hat nach den vielen Diskussionen über Anträge aber auch einfach nur Hunger bekommen. Die vom Cateringservice der Gaststätte Flößerei angebotene Bratensemmel mit Kraut entpuppte sich als absoluter Renner. Sie schmeckte auch Liberalen aus dem unterfränkischen Miltenberg, die wegen ihres Anreisewegs von mehr als 300 Kilometern schon am Vorabend eine Bleibe in Neufahrn bei Egling aufgesucht hatten. „Dort ist es wunderbar ruhig. Wir haben super geschlafen“, schwärmte Elke Barth.

Am Sonntagmittag zog ein sichtlich übernächtigter Robert Weiß ein zufriedenes Fazit. Auch wenn sich die Reihen in der Loisachhalle eben wegen der mitunter weiten Heimwege bereits sichtlich gelichtet hatten – die Mühe, hat sich gelohnt, fand der Kreisvorsitzende. „Es hat wirklich alles gepasst.“

von Peter Herrmann

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Flussfestival: Double Drums trommeln, was das Zeug hält
Mülltonnen, Töpfe, Plastikeimer und Schüssel eignen sich hervorragend als Trommelunterlage. Alexander Glöggler und Philipp Jungk nervten ihre Eltern schon als Kinder …
Flussfestival: Double Drums trommeln, was das Zeug hält
Tanzen und Kochen: Projekttage an der Geretsrieder Mittelschule 
Zwei Vormittage lang beschäftigten sich die Schüler der Ganztagsklassen an der Mittelschule einmal mit anderen Dingen als Bruchrechnen und Englischvokabeln. Die …
Tanzen und Kochen: Projekttage an der Geretsrieder Mittelschule 
Rote Ampel missachtet: Fiat überschlägt sich
Der Zusammenprall zweier Autos am Donnerstagabend auf dem Autobahnzubringer war so heftig, dass sich ein roter Fiat überschlug und 20 Meter weiter auf dem Dach zum …
Rote Ampel missachtet: Fiat überschlägt sich
Ausbildungstag der Stadt Geretsried begeistert 450 Schüler
Zum vierten Mal haben die Stadt und die Industriegemeinschaft Geretsried zum Ausbildungstag eingeladen. 450 Schüler aus fünf Schulen schnupperten Arbeitsluft.
Ausbildungstag der Stadt Geretsried begeistert 450 Schüler

Kommentare