Sorgenkind Wald: Ausbleibende Niederschläge haben die oberste, rund 30 Zentimeter dicke Schicht des Waldbodens austrocknen lassen. Die Brandgefahr steigt.
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Sorgenkind Wald: Ausbleibende Niederschläge haben die oberste, rund 30 Zentimeter dicke Schicht des Waldbodens austrocknen lassen. Die Brandgefahr steigt.

April war sehr trocken

Viel Zunder im Wald: Förster und Landwirte besorgt

  • Susanne Weiss
    vonSusanne Weiss
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  • Peter Borchers
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Der sehr trockene April bereitet Förstern und Landwirten große Sorgen. Ihre Wälder bräuchten viel mehr Regen.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Die Generation der Babyboomer lernte einmal: „Der April macht, was er will.“ Die Redensart sollte verdeutlichen, dass das Wetter in diesem Monat launisch ist, sich warme Sonnenstrahlen mit teilweise heftigen Niederschlägen abwechseln. Doch Volksweisheiten überholen sich. Dieser April machte lange Zeit gar nichts – außer staubtrocken zu sein. Und obwohl das Wetter Ende des Monats umschlug, es mehrfach regnete: Meteorologen sprechen vom dritttrockensten April seit Beginn der Wetteraufzeichnung. Und nicht wenige Experten fürchten das dritte Dürrejahr in Folge.

Hans Strobl senior sorgt sich ernsthaft ums Wasser, so sehr, dass er sich an unsere Zeitung wandte. Einen kleinen Wald besitzt er, und als er dort kürzlich nach dem Rechten sah, konnte er die Brombeerstauden „wie nix aus dem Boden ziehen, so trocken und locker ist die obere Schicht“. Tags drauf half der Münsinger einem Bekannten in dessen Wald. „Wir sind mit einem Fassl Wasser hin und haben die jungen Bäume gegossen.“ Strobl macht sich aber nicht nur Gedanken ums Grund-, sondern auch ums Trinkwasser. „Das ist unser wichtigstes Nahrungsmittel.“ Gerade in Zeiten von Corona, in denen häufiges Händewaschen Pflicht ist, sollten die Menschen achtsam mit dem kostbaren Nass umgehen. „Wenn jeder den Hahn nur zum Anfeuchten und Abwaschen öffnet, beim gründlichen Einseifen aber geschlossen lässt, wäre das schon ein wichtiger Schritt“, glaubt Strobl.

Robert Nörr hat eines der schönsten Homeoffices, das man sich denken kann: den Wald. Leider darf er ihn derzeit nur allein betreten, die im Frühling üblichen Führungen von Schulklassen fallen wegen der Corona-Krise aus. Was Wolfratshausens Revierförster auf seinen Streifgängen im April feststellen musste: Die obere, etwa 30 Zentimeter starke Schickt „ist knochentrocken“. Schuld seien die lange ausgebliebenen Niederschläge sowie der im April hartnäckige Ostwind, der den Boden einem Fön gleich ausdörrte. Das sei für die vielen jungen Bäume, die die Waldbauern auf den Schadflächen gepflanzt hätte, „ein Problem, denn sie wurzeln nicht tief“, erklärt Nörr.

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Weiter unten ist der Boden nach den relativ vielen Niederschlägen im Februar „noch gut durchfeuchtet, davon profitieren die alten Bäume“ – noch. Sollte es im Jahresverlauf weiterhin wenig regnen, „kriegen wir natürlich auch da Probleme“. Beispielsweise mit dem Borkenkäfer, der in unter Wasserstress leidenden Fichten ein leichtes Opfer findet. Immerhin: Nicht im langjährigen Vergleich, aber im Gegensatz zu den vergangenen Jahren ist die erste Generation des Schädlings heuer nicht ganz so früh ausgeschwärmt.

Im Vergleich mit Nordostbayern, „wo es schon wieder katastrophal aussieht“ ist die Lage im Oberland laut Nörr aber noch gut. „In Unterfranken fallen die Niederschläge von Haus geringer aus, und die Böden sind viel wasserdurchlässiger. Wir sind durch die Nord-Staulagen an den Alpen privilegiert, und in unseren Böden liegen bis auf die Münchner Schotterebene dicke Lehmpakete, die gut Wasser speichern.“

In der Grünlandwirtschaft, dominierende landwirtschaftliche Nutzungsart im Oberland, sah es Ende April „nicht so schlimm aus“ wie auf den Ackerflächen, „da staubte es ja grad so“, sagt Peter Fichtner. Wie sich die Lage im Wald entwickle, so der Bad Heilbrunner, „wissen wir alle noch nicht“. Das Problem Forst betreffe beinahe alle Landwirte im Landkreis, „denn hier gibt es kaum einen Bauern, der kein Holz hat“. Als Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbands (BBV) ist Fichtner derzeit viel im Land unterwegs. Was er gesehen hat: „Das Wintergetreide auf den Ackerflächen steht schön da, das Sommergetreide ist zum Teil gerade erst gesät worden.“ Deswegen werde akut keiner dieser Kollegen Probleme haben.

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Bei den Geretsrieder Stadtwerken übt man sich in Gelassenheit. Der Pegelstand des Grundwassers von 598,40 Meter über Normalnull Ende April habe niemanden beunruhigt, sagt Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt. Der Wert sei nur 20 Zentimeter unter dem im April des Vorjahres gelegen. Und auch zum historischen Tiefststand von 597,48 Meter über Normalnull, der im Oktober 2018 gemessen worden war, war noch Luft. Loibl: „Mit einem Regenereignis kann die Sache sofort wieder anders aussehen, es ist also alles noch im Rahmen.“

Mit Blick auf die derzeitige Verbrauchsmenge, die mancherorts aufgrund der Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gestiegen ist, hat sich der Wasserbedarf in Geretsried nicht signifikant verändert. Der Verbrauch habe sich im Tagesverlauf allerdings etwas nach hinten verschoben, so Loibl. Die Wassermenge, die sonst gegen 6/6.30 Uhr durch die Hähne rauscht, verzeichnen die Stadtwerke aktuell zwei Stunden später, also gegen 8/8.30 Uhr. Stehen die Geretsrieder wegen Corona also später auf? Darüber will Loibl „nicht spekulieren“.

Spekulieren, ob in diesem Jahr ein weiterer trauriger Trockenheitsrekord gebrochen wird, möchte auch Peter Fichtner nicht. „Wenn ich’s wüsste“, scherzt der BBV-Kreischef“, „würde ich morgen Lotto spielen und mir übermorgen einen Tanker voll Öl kaufen, denn dafür kriegt man momentan sogar noch Geld.“

peb/sw

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