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Ein kleiner Schnitt: In der chirurgischen Abteilung von Dr. Stefan Schmidbauer (li.) werden Operationen der Galle in den allermeisten Fällen mit dem schonenden minimal-invasiven Verfahren durchgeführt. 

Kreisklinik Wolfratshausen

Gallenblase: Risikofaktoren und Behandlungsmöglichkeiten - Interview mit Chefarzt aus Kreisklinik

Diagnostik und Behandlung der Gallenblase zählen zu den Schwerpunkten an der Kreisklinik in Wolfratshausen. Unsere Zeitung hat sich darüber mit Dr. Stefan Schmidbauer, Chefarzt der Chirurgie, unterhalten. 

Wolfratshausen– Viele Menschen haben Gallensteine, oftmals unbemerkt. Entfernt werden müssen die Steine, wenn sie Beschwerden verursachen. Dann ist der Eingriff zur Vermeidung von schwerwiegenden Komplikationen meistens eilig. Das Bauchzentrum an der Kreisklinik Wolfratshausen hat große Erfahrung bei der exakten Diagnostik und der effizienten Therapie von Erkrankungen der Galle. Dr. Stefan Schmidbauer, Chefarzt der Chirurgie, erläutert die Risikofaktoren und aktuelle Behandlungsverfahren.

Herr Dr. Schmidbauer, welche Funktion hat die Gallenblase?

Im Volksmund wird die Gallenblase oft Galle genannt. Die Galle ist aber nur die Gallenflüssigkeit, die in der Leber produziert wird. Das dickflüssige Sekret fließt nach dem Essen fettiger Speisen über den Gallengang in den Zwölffingerdarm. Dort spaltet der „Verdauungssaft“ die Fette und macht sie für den Darm verdaulich. Die überschüssige Gallenflüssigkeit wird in der Gallenblase zwischengespeichert, um bei Bedarf die Verdauungsarbeit im Darm zu unterstützen.

Bei welchen Symptomen muss ich an eine Gallenblasenentzündung oder an Gallensteine denken?

Bei einer Gallenblasenentzündung entwickelt man Fieber und brennende, stechende Schmerzen im Oberbauch. Gallensteine machen sich mit Koliken bemerkbar, also krampfartigen Schmerzen. Gelb verfärbte Augäpfel, brauner Urin oder entfärbter Stuhlgang können ebenfalls auf Steine oder Entzündungen der Gallenwege hinweisen. Bei diesen Symptomen sollte man unbedingt einen Arzt konsultieren.

Warum ist es so wichtig, eine schnelle Abklärung durchzuführen?

Erkrankungen der Gallenblase sollten immer sehr ernst genommen werden. Die Komplikationsmöglichkeiten sind vielfältig, und alle können schwerwiegende Folgen haben. Wenn die Gallensteine durch die Gallenblase brechen, dringt Gallenflüssigkeit in den Bauchraum. Die Folge können ein Abszess oder eine Bauchhöhlenentzündung sein. In manchen Fällen verschließen die Gallensteine den Gallengang. Sitzen die Steine an der Einmündung zum Zwölffingerdarm, kann dies zu einer bakteriellen Infektion oder einer gefährlichen Bauchspeicheldrüsenentzündung führen. Gelangen die Steine in den Darm, können sie im Extremfall sogar einen Darmverschluss verursachen. Möglich ist auch, dass sich in der Gallenblase aufgrund einer unbehandelten Entzündung Eiter bildet, dann kann die Entzündung auf Nachbarorgane übergreifen und eine Blutvergiftung auslösen.

Was können Ursachen für eine Gallenblasenentzündung sein?

Verantwortlich für Entzündungen sind in den meisten Fällen Gallensteine, also kristallisierte Bestandteile der Galle. Was Gallensteine verursacht, ist nicht eindeutig erforscht. Wir gehen allerdings davon aus, dass zu wenig Trinken, schneller Gewichtsverlust oder ein erhöhter Cholesterinspiegel zu Gallensteinen führen können – und dass auch Stress eine Gallenblasenentzündung fördert.

Gibt es Menschen, die ein besonders hohes Risiko haben, daran zu erkranken?

Frauen sind etwa fünf Mal häufiger betroffen als Männer. Risikopatienten sind übergewichtig, über 40 Jahre alt, blond und waren schon einmal schwanger. Ein weiterer Risikofaktor ist die genetische Veranlagung. Man spricht von den 6F-Risikofaktoren: female (weiblich), fertile (fruchtbar), fair (blond, hellhäutig), fat (dick), forty (vierzig) und family (familiäre Veranlagung).

Wie geschieht die Diagnostik an der Kreisklinik Wolfratshausen?

In unserem Bauchzentrum klären wir die Symptomatik immer nach Maßgaben der gültigen medizinischen Leitlinien. In einer klinischen Untersuchung tasten wir die Gallenblase ab, da sie bei einer Entzündung anschwillt. Als nächstes untersuchen wir das Blut, dessen Werte ebenfalls auf Steine, Komplikationen oder Entzündungen hinweisen können.
Bestätigt sich der Verdacht, folgt eine Ultraschalluntersuchung, in welcher der behandelnde Arzt Steine in der Gallenblase oder in den Gallengängen mit sehr hoher Sicherheit erkennt. In bestimmten Fällen, wenn die Steine beispielsweise in den Gallengängen sitzen, wird zusätzlich eine Endosonografie durchgeführt. Das ist eine über ein Endoskop durchgeführte Ultraschalluntersuchung.

Sollten Gallensteine immer operativ entfernt werden?

Viele Menschen haben Gallensteine. Behandelt werden müssen diese nur bei Beschwerden und Komplikationen. Die momentan effizienteste Methode ist das komplette Entfernen der Gallenblase. Auch sehr große Gallensteine und die Verkalkung der Gallenblase sollten operiert werden.
Unser chirurgisches Team in der Kreisklinik Wolfratshausen hat große Erfahrung bei diesem Eingriff und wir führen ihn in der Regel minimal-invasiv mit kleinen Schnitten durch. Normalerweise kann der Patient dann bereits nach zwei bis drei Tagen das Krankenhaus verlassen.

Lesen Sie auch: Gesunde Ernährung und Bewegung schützen vor Gallensteinen

Viele Menschen fragen heute nach der Qualitätssicherung bei Operationen. Was können Sie hierzu bezüglich der Kreisklinik Wolfratshausen sagen?

Die Qualität im Bauchzentrum Isar-Loisach an der Kreisklinik Wolfratshausen wird unter anderem anhand sogenannter QSR-Klinikberichte (Qualitätssicherung mit Routinedaten) von der AOK geprüft. Im Bericht werden die Ergebnisse der Eingriffe und die eventuellen Komplikationen festgehalten. Es freut uns sehr, dass unsere Ergebnisse weit weniger Komplikationen als der Bundesdurchschnitt ausweisen.

Muss der Patient nach einer Gallenblasenentfernung seine Lebensweise umstellen?

Eine vernünftige Lebensweise ist im Sinne der allgemeinen Gesunderhaltung in jedem Fall anzuraten. Davon abgesehen reicht in unseren Breiten die in der Leber produzierte Galle für die Fettverdauung vollkommen aus. Zwei bis drei Monate nach der Operation sollte der Patient eine fettreduziertere Nahrung bevorzugen, danach kann er in der Regel problemlos eine normale ausgewogene Mischkost essen. Jeder sollte diesbezüglich einfach darauf achten, wie es ihm nach den Mahlzeiten geht und seine Ernährung entsprechend wählen.

Auch interessant: So funktioniert eine schonende Bauch-OP mit kleinsten Schnitten

Kann man Gallensteinen denn auch vorbeugen?

Bislang gibt es keine wissenschaftlich fundierte vorbeugende Maßnahme. Empfehlenswert sind aber immer eine gesunde Ernährung mit einer ausreichenden täglichen Trinkmenge, ein normales Körpergewicht sowie eine Lebensweise mit genug Bewegung und Achtsamkeit gegenüber Stressfaktoren.

VON MICHÈLE KIRNER-BERNOULLI

Anmerkung

Michèle Kirner-Bernoulli ist Freie Journalistin. In loser Folge führt sie in unserer Zeitung Interviews mit Ärzten der Kreisklinik Wolfratshausen über medizinische Themen.

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