+
Die Weiße Rose kämpfte gegen Grausamkeit.

Gastkommentar

„Weiße Rose“: Was nur Wenige über Sophie Scholl wissen

Sophie Scholl wollte nicht tatenlos zusehen. Mit anderen mutigen Studenten bildete sie die Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“. Sie hatte eine besondere Motivation.

ANDREAS MÜLLER Pastor der Evangelischen Gemeinschaft Wolfratshausen

Wolfratshausen - Der Freitag, 22. Februar, ist ein ganz besonderer Tag. Vor 76 Jahren wurden Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst zum Tode verurteilt und am selben Tag durch eine Guillotine hingerichtet. Sie waren 25, 22 und 24 Jahre alt und hatten ihr Leben noch vor sich. Das Urteil fällte der als Blutrichter bekannte Vorsitzende des „Volksgerichtshofs“, Roland Freisler. Die beiden Geschwister Scholl waren vier Tage zuvor in der Universität München entdeckt und verhaftet worden, als sie Flugblätter in den Lichthof der Uni fallen ließen. Sie wollten damit ihre Kommilitonen aufrufen, dem Treiben Hitlers und seiner Gefolgsleute ein Ende zu machen: „Im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.“ (Flugblatt 6 der Weißen Rose)

Da Christoph Probst als Verfasser dieses Flugblatts genannt wurde, wurde auch er verhaftet und mit den beiden Scholls im Eilverfahren abgeurteilt und hingerichtet. Diese drei bildeten mit anderen mutigen Studentinnen und Studenten die Widerstandsgruppe der „Weißen Rose“. Sie haben sich entschlossen, angesichts der irrsinnigen Verbrechen und des nahezu verlorenen Krieges nicht mehr tatenlos zuzuschauen, wie Hitler Deutschland immer mehr in Schande und Zerstörung führte. Sie hatten sich entschieden, gegen die Tyrannei aufzustehen.

Was nur Wenige wissen: Sophie Scholl, das jüngste Mitglied der „Weißen Rose“, war von ihrem christlichen Glauben motiviert, diesen Weg des Widerstands gegen Hitler zu beschreiten. Werte wie Ehre, Gerechtigkeit und Freiheit spielten für sie eine sehr große Rolle. Sie war nicht bereit, um des persönlichen Friedens willen Kompromisse zu machen. In der achtstündigen Vernehmung nach ihrer Verhaftung hatte Sophie Scholl zunächst geleugnet, mit den Flugblättern etwas zu tun zu haben, sich dann aber entschieden, die ganze Geschichte wahrheitsgemäß zu erzählen. Am Ende wurde sie gefragt, ob sie ihre Taten bereue. Ihre Antwort beeindruckt noch heute: „Von meinem Standpunkt muss ich diese Frage verneinen. Ich bin nach wie vor der Meinung, das Beste getan zu haben, was ich gerade jetzt für mein Volk tun konnte. Ich bereue deshalb meine Handlungsweise nicht und will die Folgen, die mir aus meiner Handlungsweise erwachsen, auf mich nehmen.“ Angesichts einer Welt, in der die Wahrheit immer öfter in Frage gestellt, Nationalismus wieder salonfähig wird und Rassismus und Antisemitismus zunehmen, ist es wichtig, sich an diese jungen Menschen zu erinnern. Es könnte auch heute daran sein, aufzustehen gegen Ungerechtigkeit und Ausgrenzung. Dies ist ein Weg, der Mut erfordert. Ich finde ein Wort Gottes an Josua hier hilfreich und Mut machend: „Fürchte dich nicht und lass dich nicht erschrecken, sei mutig und stark, denn ich, der Herr, bin mit dir, bei allem, was du tust“ (Josua 1,9).“

VON ANDREAS MÜLLER
Pastor der Evangelischen Gemeinschaft Wolfratshausen

Lesen Sie auch: Was es mit „Wachsstöckl“ und „Mariä Lichtmess“ auf sich hat

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Polizei stoppt Verwirrten mit Schuss auf Reifen - er hatte zwei Menschen angegriffen
Getreten, beleidigt und einen Reifen zerstochen hat ein offenbar geistig verwirrter Mann am Sonntag. Die Polizei nahm ihn fest.
Polizei stoppt Verwirrten mit Schuss auf Reifen - er hatte zwei Menschen angegriffen
Egling trauert um Georg Bichlmayr
Egling trauert um Georg Bichlmayr. Der Neufahrner war Erster Bürgermeister der Großgemeinde. 
Egling trauert um Georg Bichlmayr
„Dürfen Menschen nicht elendig ertrinken lassen“
Die Grüne Jugend Bad Tölz-Wolfratshausen lädt für Donnerstag, 27. Februar, zu einem Benefizkonzert ein. Der Münchner Musiker Roland Hefter und die Geretsrieder Band …
„Dürfen Menschen nicht elendig ertrinken lassen“
Sie hatten nichts Böses im Sinn: Sechs Gymnasiasten verbreiten rechtsradikale Bilder
Sechs Gymnasiasten haben in einer WhatsApp Gruppe Hitler-Bilder verbreitet. Die Polizei ermittelt, schließt einen rechtsradikaler Hintergrund aber „definitiv“ aus.  
Sie hatten nichts Böses im Sinn: Sechs Gymnasiasten verbreiten rechtsradikale Bilder

Kommentare