+
Ortstermin rund um das strittige Objekt: Rund 25 Menschen folgten dem zuständigen Richter bei der in Augenscheinnahme der Isar-Kaufhaus-Baustelle.

Abriss und Neubau

Ortstermin am Isar-Kaufhaus: So lautet die vorläufige Einschätzung des Gerichts

  • schließen

Das Verwaltungsgericht war am Donnerstagnachmittag in Wolfratshausen, um die Baustelle des ehemaligen Isar-Kaufhauses in Augenschein zu nehmen. Es wird derzeit abgerissen und soll durch einen Neubau ersetzt werden. Drei Nachbarn haben dagegen geklagt. Das Zwischenergebnis liegt vor.

Wolfratshausen – Es war ein beachtlicher Tross, der sich am Donnerstagnachmittag durchs Ochsenbräugassl in der Wolfratshauser Altstadt zwängte. Rund 25 Menschen folgten Johann Oswald, dem Vorsitzenden Richter der 11. Kammer des Bayerischen Verwaltungsgerichts, bei der Inaugenscheinnahme der Isar-Kaufhaus-Baustelle.

Grund für den Aufmarsch waren wie berichtet insgesamt fünf Klagen von drei Nachbarn. Das Gericht verschaffte sich dabei zunächst einen umfassenden Überblick über die Verhältnisse rund um das strittige Objekt. Akribisch diktierte Oswald der stenografierenden Protokollführerin in den Block, welche Läden, Praxen, Büros und Wohnungen sich im Unter- und Obermarkt sowie am Marienplatz befinden. Auch der einsetzende Regen konnte ihn in seiner Gründlichkeit nicht bremsen, schließlich hatte er vier weitere Richter, zwei Berufsrichter und zwei Ehrenamtliche dabei, die ihm wechselnd Schirmschutz boten, sodass er seinen Rundgang weitgehend trockenen Hauptes zu Ende bringen konnte.

Legte selbst das Maßband an: Johann Oswald, Vorsitzender Richter der 11. Kammer des Bayerischen Verwaltungsgerichts, im Ochsenbräugassl.

Dabei habe man den Eindruck gewonnen, dass das Zentrum der Altstadt „kein Kerngebiet“ sei. „Dafür gibt es zu viel Wohnnutzung“, lautete die „vorläufige Einschätzung der Kammer“, die der Vorsitzende Richter den Beteiligten – den klagenden Anwohnern sowie der Untermarkt 7-11 GmbH – in einer mündlichen Verhandlung mitteilte. Sie fand unmittelbar nach der inaugenscheinnahme im Sitzungssaal des Rathauses statt. In diese Einschätzung bezog das Gericht die hinter dem ehemaligen Isar-Kaufhaus liegenden Wohnanwesen, die allesamt im Besitz der Klageparteien sind, mit ein.

„Dass das ein eigenes Gebiet ist, das sehen wir nicht so“, sagte Oswald. Deshalb mochte das Gericht keine Verletzung des Gebietserhaltungsanspruchs erkennen, auch hinsichtlich der wohl beanstandeten Emissionswerte (die Sachverhalte der fünf Streitsachen waren mit Zustimmung aller Beteiligten weder beim Ortstermin noch bei der mündlichen Verhandlung verlesen worden) sieht das Gericht offenbar keine Bedenken.

Anders verhält es sich bei der „Abstandsflächenproblematik“. „Da sehen wir erhebliche Probleme“, betonte Oswald, der bei der Ortsbegehung selbst das Maßband angelegt hatte. Nur „knapp zwei Meter achtzig“ beträgt der Abstand zwischen der Mauer des Abrissgebäudes und der Hauswand der Familie Görner, einer der drei Klägerparteien. Die Tendenz der Kammer gehe dahin, bezüglich der betreffenden „Eilklage“ die „aufschiebende Wirkung anzuordnen“, so der Vorsitzende Richter.

Die anschließende Diskussion brachte keine Einigung. „Wir sehen bei der Anordnung der Gebäude, dass wir einheitliche Abstandsflächen nicht hinkriegen“, so Oswald. Gleichzeitig könne man daraus nicht schlussfolgern: „Weil es hier völlig regellos ist, kann jeder bauen, wie er will.“

Als Bevollmächtigter der Untermarkt 7-11 GmbH entgegnete Rechtsanwalt Karl Schwab: „Wir sind hier im innerstädtischen Bereich, wenn da keine Abweichungen möglich sind, wo dann.“ Zudem monierte Schwab, dass die Kläger bei ihren eigenen Häusern ebenfalls Abstandsflächen nicht einhalten würden.

Schließlich ordnete das Gericht mit dem Einverständnis aller Beteiligten an, die vier Hauptverfahren zunächst ruhen zu lassen und zunächst in dem Eilverfahren hinsichtlich der Abstandsflächen eine Entscheidung zu treffen. Diese soll am heutigen Freitag bekannt gegeben werden.

„Aus unserer Sicht verschlimmert es sich“, äußerte das Ehepaar Görner im Anschluss an die Sitzung gegenüber unserer Zeitung seine Bedenken. Es steht auf dem Standpunkt: „Wenn man neu baut, muss man die Abstandsflächen einhalten.“ Dr. Harald Mosler, Geschäftsführer der Untermarkt 7-11 GmbH, versicherte, er sehe dem Gerichtsentscheid entspannt entgegen. „Sollte das Gericht die Abstandsflächen monieren, gehen wir in die nächste Instanz, zum Verwaltungsgerichtshof.“

rst

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Geretsrieder Gymnasiasten bringen eigenes Musical auf die Bühne
„Creeps“ heißt das neue Musical des Gymnasiums Geretsried. Das P-Seminar Kammerchor hat es alleine auf die Beine gestellt. So verlief die Uraufführung.
Geretsrieder Gymnasiasten bringen eigenes Musical auf die Bühne
Seit 40 Jahren ein Erfolg: Musikschule Geretsried feiert Geburtstag
Nicht nur ein Ständchen gab es am Sonntag für die Musikschule: Mit zahlreichen Gästen feierte die Einrichtung ihren 40. Geburtstag – unter ihnen Bürgermeister Michael …
Seit 40 Jahren ein Erfolg: Musikschule Geretsried feiert Geburtstag
Stefan Nimmesgern: Mit Spenderherz auf Himalaja-Gipfel
Der Fotograf Stefan Nimmesgern schafft den „Wiederaufstieg“ und schreibt darüber ein Buch.
Stefan Nimmesgern: Mit Spenderherz auf Himalaja-Gipfel
Was Unternehmen dem Nachwuchs zu bieten haben
60 Aussteller präsentierten sich am Wochenende in der Dreifachturnhalle am Hammerschmiedweg auf der Suche nach Nachwuchskräften. Sie ließen sich alle etwas einfallen.
Was Unternehmen dem Nachwuchs zu bieten haben

Kommentare