Exklusiver Veranstaltungsort: Auf einem Doppelfloß am Weidacher Loisachufer machten Georg Unterholzner (stehend) sowie Sepp Kloiber und Martin Regnat den Dichter Oskar Maria Graf lebendig.
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Exklusiver Veranstaltungsort: Auf einem Doppelfloß am Weidacher Loisachufer machten Georg Unterholzner (stehend) sowie Sepp Kloiber und Martin Regnat den Dichter Oskar Maria Graf lebendig.

Unterholzner, Kloiber und Regnat auf der Floß-Bühne

„Grafical“ auf der Loisach: Außergewöhnlicher Abend im Mondlicht

  • Volker Ufertinger
    vonVolker Ufertinger
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Auf einem Doppelfloß widmeten sich  Georg Unterholzner, Sepp Kloiber und Martin Regnat dem Autoren Oskar-Maria-Graf. Das „Grafical“ auf der Loisach kam gut an.

Wolfratshausen – Oskar-Maria-Graf-Abende hat es schon viele gegeben, man denke nur an Claus Steigenberger und sein beeindruckendes Programm. Aber als Freiluftveranstaltung auf einem Doppelfloß von Josef Seitner, mit Halbmond am Himmel über Weidach und plätschernden Loisachwellen? Das war neu. Und es war unbedingt lohnend für die 100 Besucher des „Graficals“ von Georg Unterholzner. Als Frontmann des Trios mit den Musikern Sepp Kloiber und Martin Regnat stellte er den urbayerischen und extrem gewitzten Dichter so lebendig dar, dass man zwischenzeitlich dachte: Oskar Maria Graf ist wieder auferstanden.

Im Vorfeld ging es ein bisschen hektisch zu, ein schwerer Arbeitsunfall beim Aufbau des Doppelfloßes hatte die Abläufe gehörig durcheinandergebracht. Doch als der Abend begann, wich alle Nervosität. Der Abend war in Wort und Ton die Hommage an einen Poeten, der in seinem Leben viel fliehen mussten, von seinem Berg nach München und von dort über den Atlantik nach New York. Und der trotz allem immer derselbe blieb.

Geprägt hat Graf seine Mutter Therese, der er später im Exil den autobiografischen Roman „Das Leben meiner Mutter“ widmete. Wie alle Frauen jener Zeit hatte sie sich bedingungslos zu ducken und unterzuordnen, erst dem Vater, und dann, nach dessen Tod, dem ältesten und gewalttätigen Sohn Max. „Im Katechissimus steht’s drin / Das Weib ist eine Sünderin“, rappten Unterholzner, Kloiber und Regnat. So dachte man damals. Nach der Flucht vor den Schlägen seines Bruders schloss sich Graf der Münchner Bohème an, wo er sich Oskar Maria Graf nannte, einfach, weil es besser klingt. Pathologisch ehrlich, wie der Bäckersohn war, bekannte er freimütig, dass er in München vor allem soff, wenn er nicht gerade schrieb. Die Mutter schwebte in Angst um ihren Sohn, und manchmal besuchte er sie auch, um am heimischen Tisch Sülze zu essen. Unterholzner, ein Naturtalent als Schauspieler, brachte es sogar fertig, den schmatzenden Graf nachzuahmen.

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Als Graf – irrtümlich – glaubte, dass die Nazis seine Bücher auf eine weiße Liste empfehlenswerter Bücher gesetzt haben, reagierte er. Er verfasste für die Zeitungen einen kurzen, aber fulminanten Text, in dem er darauf bestand, dass seine Bücher ebenfalls verbrannt werden. Der Bauerndichter, wie er sich selbst gern bezeichnete, verwahrte sich dagegen, dass seine Werke „in die blutigen Hände und die verdorbenen Hirne der braunen Mordbanden gelangen.“ Da fröstelte es so manchen auf dem Floß. Aber nicht wegen der abendlichen Kühle.

Nach diesem außergewöhnlichen Abend gab es langen Applaus mit diversen Bravo-Rufen. Jetzt weiß man, warum das Literaturhaus München das Trio eingeladen hat, um das „Grafical“ anlässlich des 125. Geburtstag des Dichters am 22. Juli aufzuführen. Lebendiger und ausdrucksstärker geht es wohl kaum. 

vu

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