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Ein Kühlschrank wird zum Bücherschrank: Dank der Gemeinderäte Hans Spindler und Brigitte Unterholzner gibt es auch in Deining seit Sommer ein solches Angebot. 

Beliebte Anlaufstellen

Bücherschränke: Wo sie in der Region Wolfratshausen-Geretsried zu finden sind

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Bücherschränke erfreuen sich großer Beliebtheit. Auch im Nordlandkreis sind einige zu finden - und werden gut angenommen.

Wolfratshausen– Öffentliche Bücherschränke erobern Deutschland im Sturm. Alleine im Online-Lexikon Wikipedia sind 2000 aufgeführt. Tatsächlich dürfte es viel mehr geben. Allein im Nordlandkreis gibt es sieben davon, die mehrere Gemeinsamkeiten haben: Sie tauchen in der Liste nicht auf – und sie werden von Nutzern geradezu überrannt.

Das Prinzip der öffentlichen Bücherschränke ist simpel: Sie stehen im öffentlichen Raum, für jedermann zugänglich. Wer mag, nimmt sich Bücher heraus, wer mag, stellt welche hinein. Kostenlos, unverbindlich, anonym ist das Ganze und frei von Formalitäten: Es gibt keine Mitgliedschaft, keine Beiträge, keine Leihfristen.

Erst seit ein paar Monaten gibt es den Deininger Bücherschrank. Die Idee, ihn in dem Eglinger Ortsteil einzurichten, hatte Gemeinderätin Brigitte Unterholzner. Als Bücherschrank dient ein aussortierter Kühlschrank der Bäckerei Köglsperger. „Er wird sehr gut angenommen, es wird viel rausgenommen und reingelegt“, sagt Unterholzner. Die Bücher stehen in Zweierreihen hintereinander. „Eigentlich ist der Bücherschrank mittlerweile viel zu klein.“ Bemerkenswert findet sie, dass kein Schindluder getrieben und der Bücherschrank stets sauber gehalten wird. Das Problem: Die Bücher, die in der zweiten Reihe stehen, sind kaum mehr zu sehen. „Am liebsten würde ich erweitern“, sagt Unterholzner. „Vielleicht finden wir da eine Lösung.“

Auch Traudl Bergau wird geradezu euphorisch, wenn sie vom Ickinger Bücherschrank erzählt, den sie ins Leben gerufen hat. „Er wird sehr intensiv angenommen“, sagt die ehemalige Gemeinderätin. „Die Leser kommen nicht nur aus Icking, sondern von weit und breit.“ Bergau räumt ein, dass sie zu Beginn große Angst gehabt habe, „dass da rechts- oder linksradikales Zeug“ reingestellt wird. „Aber das war bislang überhaupt nicht der Fall. Es läuft besser als erwartet.“

Seit 2014 steht der Bücherschrank direkt vor dem Rathaus. Seitdem habe sich das Sortiment immer wieder geändert: „Mal werden ein bissl altmodische Bücher reingestellt, und dann gibt es wieder ganz viele aktuelle.“ Bergaus Ansicht nach sollte es noch mehr Bücherschränke geben: „Man könnte dann zum Beispiel einen Schrank mit Büchern für Erwachsene und einen mit Büchern für Kinder und Jugendliche füllen.“

Florian Strobl hat im Jahr 2017 eine „kleine Bücherei“ in der Wolfratshauser Gartenstraße aufgestellt – und wurde vom Erfolg überrascht: „Ich hätte nicht gedacht, dass sich so viele Leute dafür interessieren.“ Der Renner seien Romane, Klassiker und Fantasy-Geschichten. Im Schnitt dauere es zwei Monate, dann ist das Sortiment komplett ausgetauscht. Hin und wieder müsse man allerdings Bücher aussortieren, beispielsweise wenn ein Kochbuch aus den 60er-Jahren auftaucht: „Rezepte wie Stopfgans erfreuen sich heutzutage nicht mehr der ganz großen Beliebtheit.“

Aussortieren hält auch Marlies Woisetschläger, Initiatorin des offenen Bücherschranks in Königsdorf, für wichtig. Ein paar Leute würden die Schränke nutzen, um Bücher zu entsorgen. Zu diesem Thema habe sie auch schon einen Artikel im Gemeindeblatt verfasst: „Da hat es offensichtlich einen alten Sportlehrer gegeben, der sein Glump der letzten 30 Jahre reingestellt hat.“ Ein anderer Nutzer habe mal zwei Reihen mit alten Reader’s Digest-Büchern aufgefüllt. Wie Kaugummi kleben erfahrungsgemäß alte „Hanni & Nanni“-Bücher in den Regalen. Demnächst müsse sie die Bücher wohl schweren Herzens aussortieren, sagt Woisetschläger: „Das ist einfach nicht mehr das, was Mädchen heutzutage lesen.“ Insgesamt laufe der Bücherschrank aber sehr gut: „An Nachschub hat es noch nie gemangelt.“ Der Renner seien Krimis und leichte Lektüre.

Ein Leser war von dem Königsdorfer Bücherschrank so begeistert, dass er ihn als Versteck für das sogenannte Geocaching auswählte. Bei dieser Schnitzeljagd werden geografische Koordinaten im Internet veröffentlicht und können dann mithilfe eines GPS-Empfängers gesucht werden. Ein Sender war in einem Tarnbuch versteckt – das Woisetschläger wohl prompt aussortiert hat. „Die waren sauber enttäuscht“, sagt die Königsdorferin und fügt schmunzelnd hinzu: „Die hätten vielleicht besser vorher Bescheid sagen sollen.“

Weitere Bücherschränke

in Wolfratshausen:
Isarstraße 26a: Christian Helfricht und Elena Winter stellten ihre „kleine Bücherei“ 2017 auf. Sie bietet Platz für rund 80 Bücher.

Obermarkt 7: Dieser Bücherschrank geht auf eine Initiative von Ines Lobenstein zurück. Er steht auf der Rückseite des Caritas-Zentrums am Obermarkt in der Nähe des Loisachufers und bietet Platz für rund 150 Bücher.

pr

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