Bully-Liebe: Mit seinem VW T3 ist Michael Ronge auf Weltreise.

Michael Ronge verwirklicht seinen Traum

Raus aus dem Hamsterrad: Wolfratshauser mit VW Bus auf Weltreise

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Der Kfz-Mechaniker Michael Ronge verwirklicht seinen Traum und reist mit einem VW Bus um die Welt. Dafür hat er in Wolfratshausen alles aufgegeben.

Wolfratshausen – Michael Ronge parkt direkt am Strand. Zwischen Steilküste und Wasser. Ein Fluss führt ins Meer, und in dieser Gegend soll es sogar Flamingos geben. Im November hat sich der 32-Jährige von Familie und Freunden in Wolfratshausen verabschiedet – auf unbestimmte Zeit. Das regnerische Europa ließ er schnell hinter sich, inzwischen ist er in Marokko angekommen und gespannt auf die vor ihm liegende Sahara.

„Ich will was erleben“, sagt Ronge im Telefonat mit unserer Zeitung. Meist stellt er seinen VW-Bus einfach so ab, doch an diesem Tag hat er sich „park-for-night“ an einem Strandplatz bei Tan-Tan für 20 Dirham gegönnt, umgerechnet zwei Euro. Die Internetverbindung fürs Telefonat steht, nur die Autotür muss der Wolfratshauser schließen, weil der Wind so laut pfeift.

Noch ist Michael Ronge allein unterwegs, aber seine Freundin Lorena will nachkommen.

Gut ein Jahr liegt Ronges Entschluss zurück, seine Zelte daheim abzubrechen und auf Weltreise zu gehen. Was andere von so einem einschneidenden Plan wieder abbringen würde, beförderte seinen noch: die Liebe. Bei einem Treffen mit gleichgesinnten Van-Liebhabern am Starnberger See lernte der 32-Jährige Lorena aus Germering kennen. „Sie hat sich in mein Auto verguckt, und ich hab’ gaudihalber gesagt, ich nehm’ sie mit“, erinnert sich Ronge. Inzwischen sind die beiden tatsächlich ein Paar und wollen ab Februar gemeinsam reisen. „Sie landet in Senegal, ab da sind wir zu Zweit.“

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Ronges Auto gibt es so kein zweites Mal. Er hat einen VW T3, Baujahr 1987, von einer jungen Münchner Familie gekauft. Mit Nachwuchs wurde dieser der Familie zu klein. Aber „sie wollten, dass das Auto noch was erlebt“. Der 32-Jährige hat es komplett neu aufgebaut, vom Motor über das Fahrwerk bis zum Lack. „Pistazie-mintgrün, den gibt es so nicht zu kaufen“, sagt Ronge. Er legte den Bus auch höher und montierte Wassertanks und Sandbleche. Für Ronge ein Kinderspiel, er ist Kfz-Mechaniker von Beruf.

Seine Stelle in Benediktbeuern aufzugeben, werde ein Problem für ihn sein, dachte Ronge zunächst. „Am Schluss ist es mir gar nicht mehr schwergefallen“, berichtet der Wolfratshauser. So war es auch mit dem Loslassen seines Käfer-Oldtimers und zirka 60 Prozent seines Hab und Guts. „Ich hab’ doch gemerkt, was ich wirklich brauche, mir fehlt nichts.“ Wobei, von allem musste sich Ronge nicht trennen: Seine Wohnung samt einiger Möbel konnte er untervermieten.

Während seiner Lehre habe er davon geträumt, sich einen alten VW-Bus, am liebsten einen T1, zum Reisen zu kaufen, sagt der Wolfratshauser. „Ich bin schon immer gern gereist, mag aber keine Pauschalurlaube.“ Den Ausschlag, sich den Wunsch zu erfüllen, gaben dann vor einem Jahr die Immobilienpreise im Landkreis. „Ich hatte gespart und wollte mir was aufbauen.“ Ronge schaute sich Häuser in Waldram und Geretsried an, doch das Preis-Leistungsverhältnis überzeugte den 32-Jährigen überhaupt nicht.

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Im Oktober 2018 fasste Ronge den Entschluss, „aus dem Hamsterrad zu steigen, um was zu erleben“, berichtet er. Ein Jahr der Reisevorbereitung und die ersten 6000 Kilometer liegen hinter ihm. Er will sich viel Zeit in Afrika lassen, durch die Türkei und Pakistan fahren, Thailand, Mexiko, Brasilien und vieles mehr sehen. Die Route will er entsprechend der politischen Situationen und bürokratischer Hürden anpassen.

In Marokko traf Michael Ronge zufällig auf einen afrikanischen T3-Club.

Nur eine Regel verfolgt Ronge: Von touristischen Gegenden will er sich weitgehend fernhalten. In Marokko klappte das bisher gut. „Ich will das Land wirklich erleben“, sagt der Wolfratshauser. Einige Einheimische hat er bereits kennengelernt. Er traf zum Beispiel zufällig auf einen afrikanischen T3-Club, der ihn natürlich gleich aufforderte, in der Reihe zu parken. Er nahm Anhalter mit und einmal, als er sich sauber verfahren hatte, half ihm ein Landwirt aus seiner misslichen Lage. „Alle sind unglaublich freundlich und extrem herzlich.“

Ronge will so lange unterwegs sein „wie es mir gefällt und das Geld reicht“. Wenn es sich ergibt, arbeitet er unterwegs als Mechaniker oder Tauchlehrer. „Wer weiß, vielleicht reicht es mir in einem halben Jahr und ich will zurück in den Alltag“, sagt der 32-Jährige. Aber jetzt erstmal ist er weit weg. Vor dem Bus mit WOR-LD-Kennzeichen wartet das marokkanische Meer.

Info

Michael Ronge postet Fotos von seiner Reise im sozialen Netzwerk Instagram unter „free_road_of_life_“.

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