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Und die Musi spielt dazu: Die Kolpingfamilie Wolfratshausen hat am Wochenende ihren Maibaum eingeholt. 

„Der Baum bleibt da“

Kolpingfamilie holt Maibaum ein - Nachbar verhindert Diebstahl

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Keine 24 Stunden nachdem die Kolpingfamilie den Maibaum eingeholt hat, versuchen Diebe ihr Glück. Sie haben allerdings nicht mit dem aufmerksamen Nachbarn gerechnet.

Wolfratshausen– Ein Mann, lautet ein altes Sprichwort, soll in seinem Leben einen Baum pflanzen, ein Haus bauen und ein Kind zeugen. „Und einen Maibaum spenden“, ergänzt Michl Herrmann, Vorstandsmitglied der Kolpingfamilie Wolfratshausen. „Schließlich sind wir in Bayern – da kann man diesen Zusatz ruhig mit aufnehmen.“ Genau das hat der Wolfratshauser getan: Er hat die 30 Meter hohe Fichte gestiftet, die, mit Taferln versehen und weiß-blau lackiert, am 1.  Mai an der alten Floßlände aufgestellt wird.

Doch zunächst einmal stand der Transport des aus Schwaigwall stammenden Baums an. Treffpunkt war die Königsdorfer Straße. Die Madln und Burschen sprangen auf, Passanten zückten ihre Handys, um das Geschehen im Bild festzuhalten. Bevor Sepp Holzer die Zugmaschine startete, machte er seinen Fahrgästen eine klare Ansage: „Nicht schaukeln, nicht abspringen. Wenn sich einer nicht daran hält, müssen alle runter.“ Allgemeines Nicken – die Passagiere hatten verstanden. Musik setzte ein, langsam machte sich der Traktor auf den Weg.

Holzer bewies viel Feingefühl und Augenmaß: Sicher meisterte er jede noch so enge Kurve. Einzig die Wolfratshauser Fahne, die hinten an der Spitze des Baums wehte, überlebte die Fahrt nicht – ein Ast, der ihr im Weg stand, erwies sich als stärker.

Ziel des Transports war das sogenannte Klein-Anwesen an der Bahnhofstraße. Hier, mitten im Herzen der Loisachstadt, soll der Baum in den nächsten Wochen hergerichtet und natürlich streng bewacht werden – was auch nötig war, wie sich in der zweiten Nacht zeigte. Jetzt fehlen nur noch Mädchen. „Wir haben einen Überschuss an Burschen“, räumte Jugendvertreterin Verena Eichiner lachend ein. Wer mitmachen will, braucht sich nur bei der Kolpingfamilie zu melden. Die Voraussetzungen sind durchaus zu erfüllen: „Zwischen 16 Jahre und 30 Jahre alt muss man sein, ledig – und nett.“

„Der Baum bleibt da“: Nachbar verhindert Diebstahl

Kaum war er da, war er – fast – schon wieder weg. Der Maibaum lag noch nicht einmal 24 Stunden im Garten des sogenannten Klein-Anwesens an der Bahnhofstraße, als in den frühen Morgenstunden Diebe aus Höhenrain ihr Glück versuchten – dank eines Anwohners ohne Erfolg. „Es war gegen 7.30 Uhr am Sonntag“, erzählt Christian Ikker, der schräg gegenüber des Lagerplatzes wohnt. Plötzlich ertönten Lärm, Stimmen und der Motor eines Unimogs. „Zuerst dachte ich, die werden doch nicht am Sonntag um diese Uhrzeit mit der Arbeit beginnen.“ Ein Blick aus dem Fenster belehrte ihn eines Besseren: „Sie hatten den Baum schon halb auf der Gartenstraße.“ 

Ikker wählte die Kontaktnummer, die die Mitglieder der Kolpingfamilie für solche Fälle per Wurfsendung an die Nachbarn verteilt hatten. „Nur ist keiner rangegangen.“ Also beschloss der 44-Jährige, die Sache selbst in die Hand zu nehmen Er rannte die Treppe hinunter, quer über die Straße und legte dem Baum, mit den magischen vier Worten, die jeden Maibaumdiebstahl beenden, die Hand auf: „Der Baum bleibt da!“ Ikker muss lachen. „Dass die Höhenrainer Burschen davon nicht begeistert waren, versteht sich von selbst.“ Die Kolpingfamilie hat umgehend reagiert. „Der Baum ist jetzt gesichert wie nie zuvor“, sagt Verena Eichiner. Wie? „Das wird nicht verraten.“ Sollte noch einmal jemand versuchen, den Stamm zu klauen, hoffen die Madln und Burschen auf die Nachbarn. „Jeder Wolfratshauser kann mit besagten Worten einschreiten – auch wenn er sie zum Fenster rausruft.“

sh

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