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Geschlossen: Im Mai vergangenen Jahres gingen im Rathauscafé die Lichter aus. 

Es gab zwei Bewerber

Rathauscafé: Stadtrat hat sich für Pächter entschieden – und kassiert Vorwürfe

Seit einigen Monaten hat das Rathauscafé in Wolfratshausen geschlossen. Nun hat sich die Stadt für einen neuen Pächter entschieden.

Wolfratshausen – Das Rathauscafé bekommt einen neuen Pächter. Das entschied der Stadtrat am Dienstagabend in nicht öffentlicher Sitzung. Aus zwei verbliebenen Interessenten traf das Gremium eine Auswahl. Welcher Gastronom den Zuschlag erhalten hat, verrät Bürgermeister Klaus Heilinglechner auf Nachfrage unserer Zeitung mit Verweis auf die Geheimhaltungsfrist nicht. In trockenen Tüchern sei die Entscheidung noch nicht: „Der Stadtrat hat eine Woche die Möglichkeit, diesen Beschluss noch zurückzuziehen.“

Bekanntermaßen hatten sich die Betreiberin des Kaffee Ratscherl an der Königsdorfer Straße, Rita Schmid, zusammen mit Barbara Schramm-Kastl von der „Busserl-Manufaktur“ beworben. Auf Nachfrage mauert Schmid: „Ich möchte, dass die Stadt das bekannt gibt.“ Sie selbst wolle sich nicht dazu äußern. Allerdings dementiert sie auch nicht, dass die Wahl auf ihr Konzept gefallen ist.

Im Zuge der weiteren Recherche unserer Zeitung meldet sich der zweite der beiden verbliebenen Bewerber: Johannes Woll, ein Münsinger, der im seit Mai geschlossenen Ladenlokal im Wolfratshauser Rathausumfeld mit mehreren Mitstreitern ein Restaurant samt Feinkosttheke „mit Eventlocation-Charakter“ schaffen wollte. Daraus wird nichts: „Ich habe von der Stadt die Info erhalten, dass man sich gegen unser Konzept entschieden hat.“ Das heißt im Umkehrschluss: Die Ratscherl-Wirtin Schmid hat den Zuschlag erhalten.

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Woll, der zum Beispiel mit überbackenen Focaccia, getrockneten Steinpilzen und Aperol Sprizz zum „Genießen wie im Urlaub“ einladen wollte, fühlt sich nach eigenen Worten von der Kommune „vorgeführt“. Im September habe er seine Bewerbung abgegeben – und vermutet heute, dass bereits damals fest stand, wer ins Rathauscafé einziehen werde. „Wenn die Stadt im Rathauscafé unbedingt eine Konditorei wollte, hätte man uns das mitteilen können.“ Er selbst hält das – angesichts dreier Cafés im Umkreis von wenigen Metern – für nicht sinnvoll. Trotzdem: Bei einer klaren, frühzeitigen Absage hätten sich er, Woll, und seine Mitstreiter „viel Geld und Zeitaufwand“ sparen können. Schließlich habe die Gruppe ein ausgetüfteltes Konzept erarbeitet und das Café besichtigt.

Was er bei diesen Rundgängen mit einigen Bauamtsmitarbeitern gesehen habe: „In dem Café muss extrem viel gemacht werden.“ Die Decke entspreche den Brandschutzbestimmungen nicht mehr, die Fenster seien nicht ausreichend schallgeschützt und der Keller – dort befinden sich Backstube, Kühlraum und ein Lager – „ist ruinös“.

Bürgermeister Heilinglechner macht kein Hehl daraus, dass die Stadt in der Liegenschaft „aktiv werden muss“ – und das am liebsten schnell: „Wir müssen da weiter kommen.“ Im Haushalt sind 400 000 Euro eingestellt. Eine Eröffnung sei erst denkbar, wenn die Maßnahmen abgeschlossen sind. Derzeit sei jedoch noch nicht abschätzbar, wie lange die Sanierungsarbeiten dauern.

„Es gibt mehrere Unwägbarkeiten“, sagt Heilinglechner. So sei es fraglich, ob für alle Baumaßnahmen sofort Angebote im Rathaus eintrudeln. „Auch die Abstimmung mit dem künftigen Pächter muss noch abgeschlossen werden.“ Mit welcher Person sich die Stadt absprechen muss? Alles deutet auf Rita Schmid hin.  

Dominik Stallein

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