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Auf dem Hatzplatz soll ein Parkhaus gebaut werden. Einen ersten Bauantrag des Investors aus Bad Tölz lehnten die Stadträte ab. Ein überarbeiteter Antrag ist bis dato nicht eingegangen.

Überarbeiteter Bauantrag fehlt

Parkhaus am Hatzplatz: „Das Projekt wird sich noch ziehen“

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Auf dem Wolfratshauser Hatzplatz soll ein großes Parkhaus entstehen. Das umstrittene Projekt wird sich verzögern - vom Investor fehlt ein überarbeiteter Bauantrag.

Wolfratshausen – Die Entscheidung, auf dem Hatzplatz ein Parkhaus zu bauen, fällte der Stadtrat bereits 2012. Heuer schließlich machten die Räte einen zweiten großen Schritt: Das Grundstück ist in Erbpacht an einen privaten Investor vergeben worden (wir berichteten). Die Parkhaus Wolfratshausen (PaWo) GmbH soll das Gebäude bauen und das Parkhaus mit 150 Stellplätzen betreiben. Auf absehbare Zeit wird am Loisachufer jedoch kein Bagger anrollen: „Das Projekt wird sich noch ein bisschen ziehen“, antwortet Bürgermeister Klaus Heilinglechner (Bürgervereinigung Wolfratshausen/BVW) auf Nachfrage unserer Zeitung.

Parkhaus am Hatzplatz: „Das Projekt wird sich noch ziehen“

Der Entwurf, den der Bauherr aus Bad Tölz den Stadträten vor den Sommerferien präsentiert hatte, löste im Bauausschuss eine kontroverse Diskussion aus. Dem Gros des Gremiums erschien die Dimension des Vorhabens als zu groß. Das Ganze sei „ein Klotz“, ein „großer Schuhkarton“, meinte Vize-Bürgermeister Fritz Schnaller (SPD). CSU-Fraktionschef Günther Eibl verglich das geplante Bauwerk mit dem „Sarkophag von Tschernobyl“. Auch die Wolfratshauser Feuerwehr – das Ausrücken der Rettungsfahrzeuge erfolgt vom Gerätehaus über den Hatzplatz – meldete sich zu Wort. Sollte die Zufahrt zum Hatzplatz mit dem Parkhausausbau um sieben Meter parallel nach Westen verschwenkt werden, würde das die ohnehin schon problematische Situation für die Feuerwehr verschärfen, warnte Kommandant Andreas Spohn in einem Brandbrief an Bürgermeister und Stadträte. „Wir können dann nicht mehr gewährleisten, dass wir zeitnah aus- und einrücken können“, stellte Spohn fest.

Parkhaus: Kontroverse Diskussion im Bauausschuss

In einem Gespräch hinter verschlossenen Türen, an dem auch die vier Fraktionssprecher teilnahmen, kam der Investor laut Rathauschef Heilinglechner der Kommune entgegen. Obwohl sie das Baurecht auf ihrer Seite hat, habe sich die PaWo bereit erklärt, ihren Entwurf abzuspecken. Das obere Geschoss des sechs Halbgeschosse umfassenden Bauwerks soll eingerückt werden. Für den Investor bedeutet dies: Von den 150 geplanten Parkplätzen fallen einige weg, somit erwirtschaftet die PaWo weniger Gebühren.

Als zweites Problem stellte sich in der Bauausschusssitzung die Außenfassade des Parkhauses dar. In diesem Punkt hatte sich der Stadtrat per Beschluss ein Mitspracherecht eingeräumt – der Vorschlag der PaWo gefiel den Mandatsträgern nicht. Die SPD möchte lieber eine Blechkonstruktion mit der Silhouette von Wolfratshauser Sehenswürdigkeiten sehen, BVW und Grüne wünschen sich eine Holz-Verkleidung. Grünen-Fraktionssprecher Dr. Hans Schmidt allerdings stellt das Vorhaben grundsätzlich in Frage: „In Zeiten des Klimawandels ist ein solches Parkhaus wie aus der Zeit gefallen.“ Da auch die Städtebauförderung kein Freund von einem Parkhaus im Herzen der Wolfratshauser Altstadt sei, „sollten wir das auch ablehnen“, bilanzierte Schmidt.

Wolfratshausen: Rathaus liegt kein aktualisierter Bauantrag vor

Bis auf den Tag liegt im Rathaus kein aktualisierter Bauantrag der PaWo GmbH vor. „Wir haben aber auch seit Ende August nicht nachgefragt“, räumt der Bürgermeister ein. Heilinglechner erklärt: „Das städtische Bauamt ist an seiner Belastungsgrenze.“ Zudem gehöre es nicht zur „Kernaufgabe“ der Stadtverwaltung, Dritte daran zu erinnern, ihre Hausaufgaben zu machen. Dennoch werde er in puncto Parkhaus schnellstens bei der GmbH in Bad Tölz „nachhaken“.

Sollten alle Stricke reißen, das heißt, sollte der Stadtrat das Vorhaben letztlich ablehnen, „machen wir uns schadensersatzpflichtig“, betonte der Rathauschef bereits vor Wochen. „Der Bauwerber hat sich an den rechtsverbindlichen Bebauungsplan gehalten“, pflichtete ihm die Leiterin des städtischen Bauamts, Susanne Leonhard, bei. Und: Sollten die Stadträte erneut Nein zu dem Bauantrag der PaWo sagen, könnte sich der Bauherr direkt an die Kreisbehörde in Bad Tölz wenden. Das Landratsamt habe die Möglichkeit, das sogenannte gemeindliche Einvernehmen zu ersetzen, das heißt, den Bauantrag zu genehmigen.

Parkhaus am Hatzplatz: Stadt droht Schadensersatz

Zu möglichen Schadensersatzforderungen des Investors erklärt Heilinglechner auf der Homepage der BVW: Genaues könne er nicht sagen – „sicherlich“ wolle die PaWo „aber die Kosten, die der Erbpachtnehmer für Planungen und Bodenuntersuchung ausgegeben hat, sowie Notar- und Grundbuchkosten und so weiter“ von der Stadt erstattet bekommen.

cce


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