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Vor Gericht mussten zwei Wolfratshauserinnen. (Symbolfoto)

„Das ist unser Parkplatz, für den wir bezahlen“

Streit um Parkplatz eskaliert: Zwei Furien auf der Anklagebank

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Weil ihr Parkplatz belegt war, fuhr eine Wolfratshauserin aus ihrer Haut. Der Streit mit der Fremdparkerin endete auf der Anklagebank.

Wolfratshausen Als sie am Nachmittag nach Hause kam, war ihr Parkplatz besetzt. Verärgert stellte eine Wolfratshauserin (44) ihren Pkw kurzerhand quer hinter dem fremden Fahrzeug ab. Als dessen Besitzerin einige Zeit später wegfahren wollte, eskalierte die Situation. Ein Jahr nach dem Vorfall, der sich am 2. März vorigen Jahres ereignet hat, mussten sich die 44-Jährige sowie ihre Tochter (19) wegen Nötigung, Beleidigung und versuchter Körperverletzung vor Gericht verantworten.

Laut Anklageschrift deckten die Beschuldigten die Fahrzeughalterin mit einer ganzen Palette von Schimpfwörtern ein – das Vokabular reichte von „deutsche Schlampe“ über „unterbelichtete Hauptschulabsolventin“ bis „fettes Schwein“. Zudem soll es zu Handgreiflichkeiten mit einer Zeugin gekommen sein, die mit gegenseitigen Ohrfeigen endeten.

Mutter und Tochter zeigten kein Verständnis dafür, warum sie auf der Anklagebank saßen. Ihre Mutter habe sich nicht aus Ärger dorthin gestellt, sondern, „weil es keine andere Möglichkeit gab“, keifte die 19-Jährige in der Verhandlung. „Das ist unser Parkplatz, für den wir bezahlen“, bekräftigte die Mutter. Sie fühle sich von den ständigen Fremdparkern, die ihre Nachbarn besuchen, provoziert. „Das ist kein Grund, sich dahinter zu stellen“, entgegnete Richterin Friederike Kirschstein-Freund. Das sei nun einmal Nötigung. „Was in der Anklage steht, ist absolut überzogen“, schimpfte die 44-Jährige.

Die Fahrzeughalterin (37), die ihr Auto auf dem Parkplatz abgestellt hatte, weil „da kein Hinweis war, dass der Platz reserviert ist“, schilderte die Situation, kurzgefasst, so: Sie habe bei der Angeklagten geklingelt, damit diese ihr Auto kurz wegfahre. Erst nach mehrmaligem Klingeln (und diversen hinter der Tür lautstark geäußerten Beleidigungen) sei geöffnet worden. „Dann kamen Sie rausgestürmt. Die zwei haben gekreischt und geschrien, so was habe ich noch nicht erlebt“, berichtete die Zeugin.

„Das wäre jetzt der Zeitpunkt, sich zu entschuldigen“, sagte die Richterin, bevor sie die Zeugin entließ. „Wofür soll ich mich entschuldigen?“, fragte die Angeklagte. Die Tochter meinte: „Ich möchte mich entschuldigen – falls ich etwas falsch gemacht habe.“ So ging es noch eine Weile weiter. Weitere Zeugen stützten die Aussage der zugeparkten Geretsriederin. Mutter und Tochter zeterten: „Die sagen die Unwahrheit.“

Auch als die Polizei damals hinzukam, sollen die Beschimpfungen kein Ende genommen haben. „Was sie da abgezogen haben, hat echt keinen Stil“, sagte die Richterin. „Was wir hier erleben, läuft normalerweise im RTL-Vormittagsprogramm“, kommentierte Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch das Auftreten der zwei Furien auf der Anklagebank. Als angemessene Ahndung für die 19-Jährige empfahl er zwei Freizeitarreste. Seine Begründung: „Ich möchte sie keiner Sozialdienststelle zumuten.“ Richterin Kirschstein-Freund verurteilte die Mutter zu 120 Tagessätzen zu je 20 Euro, insgesamt also 2400 Euro, sowie einem Monat Fahrverbot. Die Tochter erhielt die empfohlenen zwei Freizeitarreste. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.  rst

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