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Wer auf Plastik verzichten will, füllt in speziellen Läden Nudeln, Pfeffer und Haferflocken einfach in mitgebrachte Gläser und Schüsseln ab. Dort gibt es auch unverpacktes Toilettenpapier, Joghurt im Glas und Eier, die man selbst einpacken kann.

Interview

Eine Woche ohne Plastik: Waldramer berichtet von seinen Erfahrungen

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Thorsten Thanes unternahm einen Selbstversuch: Einkaufen, ohne Müll zu produzieren. Eine Woche sagte er Nein zu Plastik. Über seine Erfahrungen spricht er in unserem Interview.

Waldram– Thorsten Thane nennt es ein „Selbstexperiment“. Eine Woche lang, von Freitag bis Donnerstag, wollte er herausfinden, wie leicht oder schwer es in der Region ist, plastikfrei einzukaufen. Der Waldramer erlebte dabei einige positive Überraschungen an den Ladentheken – in seinem Geldbeutel aber auch eine weniger angenehme. Und dann war da noch die Sache mit dem cremigen Frischkäse. Über seine Erfahrungen sprachen wir mit dem 47-Jährigen nach dem Ende seines Versuchs.

Herr Thane, wie hat sich Ihre ökologische Einkaufs-Rallye angelassen?

Thorsten Thane Plastik-Verweigerer aus Waldram

Der erste Tag war hart. Zuvor hatte ich mich nur am Rande mit diesem Thema beschäftigt. Klar, zu Hause versuche ich schon, möglichst keine Plastiktüten und dergleichen zu verwenden. Aber der Wocheneinkauf, gerade wenn’s schnell gehen soll, ist eine Herausforderung. Am Ende ist der Korb doch voller Plastik. Deshalb bin ich am ersten Tag nach Bairawies in den Unverpackt-Laden gefahren.

Wie lief’s dort?

Dort kann man Cornflakes, Müsli, Reis, das ganze trockene Zeug kaufen, dazu ein bisschen was an Körperpflege-Produkten. Es ist aber kein Geschäft, um dort seinen Wocheneinkauf zu erledigen. Nicht falsch verstehen, der Laden ist toll, gerade wenn man in der Nähe lebt. Die Inhaberin ist supernett, sie sagt aber selber, dass es nicht ihr Anspruch ist, einen Unverpackt-Laden für den großen Einkauf zu bieten. Dazu habe sie gar nicht die Lagerkapazitäten.

Also blieb doch wieder nur der Weg in den Supermarkt?

Ja, ich bin danach weiter zum Kaufland. An der Wurst- und Käsetheke habe ich gefragt, ob sie mir die Ware auch in meine mitgebrachten Tupperdosen packen könnten. Das haben sie zu meiner Überraschung gerne gemacht. Die Angestellten dürfen mitgebrachte Dosen aus hygienischen Gründen zwar nicht mit hinter die Theke nehmen, aber man kann seine Dose auf die Theke stellen, und sie legen Wurst und Käse dann dort hinein. Die Wapperl mit dem Preis habe ich an den Henkel meines Einkaufskorbs geklebt und der Kassiererin vorne in die Hand gedrückt. Dass das so gut funktioniert – auch mit Obst und Gemüse in Stoffbeuteln –, fand ich toll. Ich hatte mir das ehrlich gesagt schlimmer vorgestellt. Wenn du mit deinen Töpfen antappst, kommst du dir erst einmal blöd vor.

Das klingt nach einem relativ gemütlichen Einkauf.

Nicht ganz. Ich als Westfale liebe zum Frühstück auf dem Brot Frischkäse mit Marmelade oben drauf. Der war ohne Plastik leider nirgends zu bekommen. Offen gibt es den an keiner Käsetheke neutral, nur mit Kräutern oder Gewürzen.

In welchen Geschäften haben Sie noch Ihr Glück versucht?

Am Samstag war ich im Edeka, weil ich ein paar Sachen zum Kochen brauchte, unter anderem Hackfleisch. Ich bin mit einem Plastikeimerchen hin, in dem mal Rote Grütze war, und war mir hundertprozentig sicher, dass sie’s nicht machen werden.

Und?

Die Verkäuferin musste erst bei der Marktleitung nachfragen, hat dann aber das Hack in mein Eimerchen gefüllt. Allerdings musste sie das Fleisch erst auf einer Plastikfolie abwiegen – was die Sache am Ende sinnfrei macht. Denn wenn sie die Folie danach im Laden wegwirft, kann ich sie auch gleich mitnehmen und zu Hause wegschmeißen. Aber immerhin: Sowohl im Edeka als auch im Kaufland war man meinem Anliegen gegenüber sehr offen. Sie fänden das toll, sagten sie mir, denn je mehr Kunden diese Problematik ansprächen, desto eher passiere auch etwas.

Kosmetikartikel sind in der Regel in Plastik eingehüllt. Wie haben sie das gelöst?

Im DM-Drogeriemarkt war ich superpositiv überrascht. Sie hatten zwar auch kein Toilettenpapier ohne Plastik da, aber eine Verkäuferin sagte mir, dass in der Firmenzentrale gerade intensiv an einem neuen Verpackungskonzept gearbeitet werde. Auch die Möglichkeit, Flüssiges wie Duschgel oder Putzmittel künftig abfüllen zu können, werde derzeit geprüft.

Ihr Highlight der Woche erlebten Sie jedoch woanders?

Richtig, ich hatte einen Termin in Bad Tölz und habe die Gelegenheit genutzt, in den dortigen Unverpackt-Laden zu gehen. Der ist echt toll, das Konzept ist super. Den Wocheneinkauf kann man dort zwar auch nicht komplett bestreiten, aber man bekommt dort richtig viel – auch Putzmittel zum Abfüllen. Zudem haben sie dort Gefäße auf Pfandbasis für den spontanen Einkauf. Aber als Wolfratshauser einmal die Woche mit dem Auto zum Einkauf nach Tölz zu fahren, da stellt sich wieder die Frage, ob das ökologisch sinnvoll ist. Und die Zeit spielt ebenfalls eine Rolle. Ich hatte gerade Urlaub, da ging das. Solch ein Laden im Nordlandkreis wäre deshalb absolut klasse.

Ihr Fazit: Klappt plastikfreies Shoppen?

Ich habe weniger eingekauft als sonst, weil ich vieles einfach nicht gefunden habe, und ich es unbedingt eine Woche lang ohne neuen Plastikmüll schaffen wollte. Und was ich ganz klar sagen muss: Obwohl ich weniger eingekauft habe, habe ich für diese ganze Woche mehr als das Doppelte an Geld ausgegeben. Es ist leider noch so: billig einkaufen heißt Plastik einkaufen. So wie in der vergangenen Woche könnte ich mir das auf Dauer nicht leisten. Ein paar Dinge werde ich aber beibehalten. Die Tupperdosen sind von jetzt an im Supermarkt dabei.

peb

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