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Beliebte Kneipe macht dicht - Eine letzte Fahrt im Zeppelin

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Von: Dominik Stallein

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Sepp Schwarzenbach im Zeppelin
Die Zeppelin-Bar von Sepp Schwarzenbach war ein Magnet für Nachtschwärmer. Einmal hebt das Luftschiff im Wolfratshauser Gewerbegebiet noch ab, dann sperrt der Gastronom für immer zu. © Archiv

Die Zeppelin-Bar von Sepp Schwarzenbach macht Zapfenstreich. Einmal feiert Wirt Sepp Schwarzenbach noch - beim Wirtefest. Da, wo alles begann.

Wolfratshausen – Es war ein Traum, den sich Sepp Schwarzenbach erfüllt hat. Mit viel Liebe zum Detail richtete er seine Zeppelin-Bar ein, formte aus dem Lokal am Hans-Urmiller-Ring ein Unikat mit rustikalen Sitzecken und historisch anmutendem Dekor. Einmal sperrt der Gastronom seine Kneipe noch auf. Dann ist Schluss. Schwarzenbach möchte etwas Neues wagen. Drei Anlaufstellen für Nachtschwärmer stehen künftig leer.

Wolfratshausen: Beliebte Kneipe macht dicht - Eine letzte Fahrt im Zeppelin

Die Zeppelin-Bar im Wolfratshauser Gewerbegebiet war lange ein Magnet für junge Leute. Freitag- und Samstagabend war das Lokal voll, vor allem vor der Corona-Pandemie. „Die letzten zwei Jahre haben mich sehr geschlaucht“, blickt Schwarzenbach zurück. Ständig wechselnde Auflagen zum einen, ein verändertes Fortgeh-Verhalten zum anderen hätten die Arbeit in der Nachtgastronomie immer schwieriger, immer unberechenbarer gemacht. „Es hat weniger Spaß gemacht, der Betrieb war zunehmend eine Belastung.“ Und das, obwohl Schwarzenbach viel Herzblut in seine Bar gesteckt hat – nicht nur in die Gestaltung, auch in den täglichen Betrieb.

Corona-Pandemie machte dem Wirt zu schaffen: „Die letzten Jahre haben geschlaucht“

Vor einigen Wochen sperrte der Wirt seinen Zeppelin zu. Geplant war eine mehrmonatige Sommerpause. „Die letzten Wochen habe ich richtig genossen“, sagt er. Er traf sich mit Freunden, konnte mal wieder selbst um die Häuser ziehen, statt hinterm Tresen zu stehen, erlebte das Nachtleben als Gast. Es waren Erlebnisse, die sich für den 31-Jährigen wie Neuland anfühlten. Viele Feiern musste er in den vergangenen Jahren absagen, Freundschaften auf die Zeit von Montag bis Donnerstag beschränken, weil am Wochenende die eigene Bar rief. „Die Arbeitszeiten in der Nachtgastronomie sind komplett antizyklisch“, sagt er. Und so schön viele Erinnerungen auch sein mögen, „es ist jetzt Zeit, etwas Neues anzufangen und einen Schlussstrich zu ziehen.“ Öffnen wird er nur noch einmal.

Turm-Club macht gar nicht erst auf, Zeppelin-Bar feiert Abschiedssause

Vor etwa einem Jahr klang Schwarzenbach noch anders. Da stellte er sein neues Projekt vor: Die Wiederbelebung der Diskothek im Turm-Gebäude. „Sound“ sollte sie heißen, so wie früher. Und eine Herberge für ausgelassene Partygänger sollte sie werden, so wie früher. Vielleicht wird jetzt ein Lagerraum aus der Diskothek, genau weiß Schwarzenbach das noch nicht. Wie es mit dem Tingel-Tangel, „einer Bühne der wilden Künste“ im Gebäudekomplex weitergeht, steht genauso in den Sternen. Das Lokal wollte der Wolfratshauser kurz vor Beginn der Corona-Pandemie in Betrieb nehmen. Ein paar wenige Motto-Partys und Konzerte hat die Kulturbar zwar erlebt, eine Ära wird sie nicht prägen. Obwohl: Eine Hintertür gibt es für das Areal, auf dem eigentlich drei Nachtlokale eröffnen könnten. Schwarzenbach hält die Augen nach einem neuen Pächter offen. „Wenn sich jemand findet, der das weiterführt, würde mich das freuen.“ Für ihn selbst ist das Kapitel aber abgeschlossen, „auch emotional“. Soll heißen: „Wenn ein neuer Pächter etwas verändern möchte, werde ich nicht dahinter stehen und mein Baby beschützen, die Deko erhalten und alle neuen Ideen verhindern.“

Wirtefest in Wolfratshausen: Zeppelin öffnet noch einmal

Die Jungfernfahrt des Zeppelin stieg vor vier Jahren, zum Wirtefest 2018. Die letzte Runde dreht die Kneipe bei der Wiederauflage des Festivals am Samstag, 17. September, bei dem in vielen Restaurants, Cafés und Kneipen in Wolfratshausen gefeiert wird. Auf dem Hof am Hans-Urmiller-Ring soll Live-Musik gespielt werden, im Tingel-Tangel ein DJ auflegen und im Zeppelin gemütliche Runden beisammensitzen. „Ich freue mich auf den Abend.“ An dessen Ende wird Schwarzenbach ein letztes Mal den Schlüssel im Schloss drehen und etwas Neues beginnen.

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Sicher ist er sich, dass er zufrieden sein wird. „Es waren schöne Jahre im Zeppelin“, sagt er. „Jetzt bin ich aber glücklich, Zeit für mich zu haben. Ich freue mich auf das, was kommt.“

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