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Ausgewaschen: Dieser Kegel ist in den vergangenen Jahren entstanden. Er droht weiter abzurutschen.

Weiteres Absacken droht

Bergwaldhang wird nicht saniert - vorerst

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Wolfratshausen – Der Bergwaldhang nahe des alten Wasserspeichers wird vorerst nicht saniert. Der Bauausschuss will erst einmal überschüssiges Wasser in den Rauschergraben leiten.

Das Problem hat die Form eines Kegels. Oberhalb des alten Wasserspeichers, in der Nähe der Bergwaldbühne, gibt es einen Hang, den Regenfälle in den vergangenen Jahren derart ausgespült haben, dass zwar keine Gefahr für Leib und Leben besteht. Es sind aber bereits Teile abgerutscht, die sich bis über die Zufahrt zur Bergwaldbühne entlang des Kreuzwegs bis zur Frauenkapelle erstrecken.

Weil bei weiteren Regenfällen ein weiteres Absacken des Hangs droht und etwa 40 Meter von der Hangkante entfernt ein großer Wasserspeicher der Stadtwerke steht, hat der Stadtrat bereits eine Maßnahme beschlossen. Niederschlagswasser, das sich oberhalb der Hangkante sammelt und in den bereits ausgespülten Hangabschnitt des Bergwalds fließt, soll über ein natürliches Regenrückhaltebecken in den Rauschergraben geleitet werden. Wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner und Wolfgang Mucha vom Bauamt am Mittwoch betonten, warte man trotz mehrmaligen Nachhakens nach wie vor auf die wasserrechtliche Erlaubnis durch das Landratsamt.

Zu einer zweiten Maßnahme rangen sich die Räte nicht durch. Das Wolfratshauser Ingenieurbüro Wehbe hat zwei Varianten für die Sanierung des Hangabschnitts erarbeitet. Die eine kostet knapp 500 000 Euro und sieht vor, den Hang im unteren Bereich mit Stützkörpern zu stabilisieren, die Steilwände mit einer Spritzbeton-Schale sowie einer Rückverankerung. Variante zwei kostet etwa 390 000 Euro und sieht Bewuchsgitter vor. So genannte Erdnägel könnten das Konstrukt stabilisieren. Das Zentrum Geotechnik der TU München hat beide Varianten auf Wunsch der Stadt überprüft und kam zu demselben Ergebnis wie das Ingenieurbüro: Mit Variante eins könnte der Hang mehr als zufriedenstellend gegen weiteres Abrutschen gesichert werden. Die Mehrheit des Ausschusses überzeugte das dennoch nicht. Obwohl der Beschlussvorschlag ergänzt wurde („Kostengünstigere Möglichkeiten sind zu berücksichtigen“), votierte das Gremium mit 6:4 Stimmen gegen die Sanierung. Für die Abstützung hoben lediglich die Bürgervereinigungs-Stadträte sowie Rathauschef Heilinglechner ihre Hand.

Die Problemstelle: Der Hangabschnitt nahe der Bergwaldbühne mit dem alten Wasserspeicher

Dabei waren sich die Räte im Kern einig. „Da muss etwas passieren“, sagte BVW-Fraktionssprecher Josef Praller. Während er, Dr. Ulrike Krischke, Peter Ley und Klaus Heilinglechner dafür waren, gleich aktiv zu werden, eventuell auch mit einer Kombilösung aus Stützwänden und Pflanzgittern, plädierten andere fürs Abwarten.

Alfred Fraas (CSU) hielt eine sofortige Sanierung für „übertrieben“, der Berg sei schließlich „in sich stabil“. Erst wenn man wisse, welche Auswirkung die Ableitung des Wassers habe, könne man seriös über das weitere Vorgehen urteilen. Fritz Schnaller (SPD) schlug vor, den Wasserzustrom zu unterbinden und Provisorien in Form von hölzernen Barrieren zu errichten, um zumindest für die nächsten ein bis zwei Jahre gewappnet zu sein.

Auch Dr. Hans Schmidt (Grüne) konnte sich vorstellen, nicht sofort zu sanieren. „Vielleicht können wir die Lage ja beruhigen, ohne eine halbe Million zu verbuddeln.“ Allerdings müsse man den Kies wegfahren, der sich bereits angesammelt hat, um Platz zu schaffen, falls weiteres Material abrutscht. Auch einige Buchen, die gefährlich nah an der Kante stehen, sollen weg. Auf Schmidts Antrag hin soll die Stadtverwaltung zudem schriftlich darauf drängen, dass das Landratsamt die Ableitung in den Rauschergraben zügig genehmigt. Geschieht das nicht, solle die Stadt im Ernstfall Schadensersatz von der Kreisbehörde fordern.

Die Befürworter der Sanierung verwiesen vor allem auf den Faktor Zeit. Weil das Genehmigungsverfahren lange dauern würde, sei es sinnvoll, die Planung zeitig einzuleiten. „Dann können wir immer noch diskutieren, ob und wie wir es machen“, schlug Heilinglechner vor. Ulrike Krischke erinnerte an die vielen Familien mit Kindern, die im Bergwald unterwegs seien. „Es gibt keinen Grund abzuwarten.“ fla

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