Schwer beschädigt: Das Feuer hinterließ deutliche Spuren am BMW X1 der Wolfratshauser Polizei.
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Schwer beschädigt: Das Feuer hinterließ deutliche Spuren am BMW X1 der Wolfratshauser Polizei.

Verurteilter will es nicht gewesen sein

Berufungsverhandlung um angezündeten Streifenwagen

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Im Januar 2020 brannte ein Polizeiwagen in der Altstadt lichterloh. Derzeit läuft die Berufungsverhandlung vor dem Landgericht.

Wolfratshausen/München – Zum zweiten Mal beschäftigt der Brand eines Streifenwagens in der Wolfratshauser Altstadt ein Gericht. Zu Wochenbeginn musste sich ein inzwischen 30-jähriger Verkäufer aus Wolfratshausen vor einer Berufungskammer des Landgerichts München II verantworten. Er war im Januar 2020 vom Schöffengericht in Wolfratshausen wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt worden. Wie schon vor dem Amtsgericht bestritt der Mann, das Polizeiauto angezündet zu haben. Er hatte Berufung eingelegt.

„Ich habe Rauch gerochen und habe gerufen: ,Hey, Euer Auto brennt.’ Da sind sie raus, haben es gelöscht und mir von der anderen Straßenseite zu gerufen: ,Du bist verhaftet.’“ In knappen Sätzen schilderte der Angeklagte seine Erinnerung an den Vorfall. Aber so einfach hatte sich die Szene wohl doch nicht abgespielt.

Plötzlicher Sinneswandel eines Zeugen

Die Polizei hatte in der Nacht vom 29. auf den 30. Juni ihren Wagen vor einem Spielsalon am Obermarkt geparkt. Sie war wegen Ruhestörung und einer Vermisstensuche gerufen worden. Während die Beamten mit den letzten Gästen der Spielothek sprachen, fing der Pkw Feuer. Den Polizisten gelang es, den Brand zu löschen, nachdem das Feuer schon auf den rechten hinteren Radkasten übergegriffen hatte.

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Eine Anwohnerin, die wegen des Lärms zuvor die Polizei alarmiert hatte, erinnerte sich daran, gehört zu haben, dass jemand den Streifenwagen anzünden wollte. Das war angeblich der Angeklagte. Bei der polizeilichen Vernehmung bestätigte dies auch einer seiner Bekannten, bestritt diese Behauptung aber vor dem Amtsgericht. Dieser Sinneswandel wurde ihm allerdings nicht abgenommen. Das Erstgericht ging davon aus, dass der 30-jährige Angeklagte den Plastikschweller am rechten hinteren Kotflügel des BMW X1 mit einem Feuerzeug angesteckt hatte.

„Ich war es wirklich nicht“, behauptetet der Einzelhandelskaufmann nun in der Berufungsverhandlung. Dass ein junger Mann, der in der Brandnacht zufällig am Tatort vorbeigekommen war, als möglicher Täter in Frage kommt, schied für das Gericht komplett aus. „Das passt in keiner Weise zusammen“, hieß es. Der Prozess wird an diesem Donnerstag mit der Vernehmung weiterer Zeugen und der Gutachter fortgesetzt.

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